ANZEIGEDie kleine Aktie ist aktuell gnadenlos unterbewertet. So profitieren deutsche Anleger…

Voit Automotive meldet Insolvenz an

Gescheiterte Übernahme, Finanzprobleme und die Krise der Autozulieferer

Voit Automotive meldet Insolvenz an

Der Automobilzulieferer Voit Automotive hat Insolvenz angemeldet, nachdem die geplante Übernahme durch das chinesische Unternehmen Chongqing Millison Technologies gescheitert ist. Das Amtsgericht Saarbrücken hat einem Eigenverwaltungsverfahren zugestimmt und Martin Kaltwasser von der Kanzlei Lieser als vorläufigen Sachwalter eingesetzt.

Voit Automotive ist auf Aluminium-Druckguss-Komponenten spezialisiert und beliefert zahlreiche Automobilhersteller, darunter BMW, Mercedes-Benz, Audi, Volkswagen, Jaguar Land Rover, Porsche und Stellantis. Der wichtigste Kunde ist der Getriebehersteller ZF Friedrichshafen. Das Unternehmen beschäftigt insgesamt fast 1600 Mitarbeiter, davon rund 940 am Hauptsitz in St. Ingbert im Saarland.

Die wirtschaftlichen Probleme von Voit begannen bereits im Jahr 2022, als der Ukrainekrieg zu Lieferengpässen und steigenden Energiepreisen führte. Diese Faktoren, kombiniert mit Tarifabschlüssen, führten zu einem signifikanten Rückgang der Ergebnisse und einem Jahresfehlbetrag. Zur Bewältigung der Krise wurde der Restrukturierungsberater Matthias Bayer von der Kanzlei Abel und Kollegen hinzugezogen, der nun als Generalbevollmächtigter die operative Sanierung übernehmen soll.

Im April 2024 hatte Voit eine Einigung mit Millison erzielt, die eine Komplettübernahme des Unternehmens vorsah. Der Kaufpreis sollte im mittleren zweistelligen Millionenbereich liegen, und Millison wollte das Eigenkapital stärken sowie eine bankenunabhängige Finanzstruktur schaffen. Das saarländische Wirtschaftsministerium hatte die geplante Übernahme als eine "starke Zukunftslösung" bezeichnet. Doch das Closing der Transaktion zog sich über Monate hin, und vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass die Übernahme nicht zustande kommt. Laut dem Wirtschaftsministerium sind die derzeitigen Marktbedingungen für die Automobilbranche schwierig, und die chinesische Börsenaufsicht habe dem Vertrag nicht zugestimmt.

Durch das Scheitern der Übernahme kann Voit seine Kredite nicht verlängern. Die Unternehmensleitung strebt nun an, so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten und die Firma insgesamt zu sichern. Der Betrieb soll zunächst weitergeführt werden. Eine entscheidende Rolle wird dabei dem Hauptkunden ZF Friedrichshafen zukommen. Zudem wird nach neuen Investoren gesucht und Sparmaßnahmen werden geprüft.

Voit ist seit Jahrzehnten ein bedeutender Arbeitgeber im Saarland. Gegründet wurde das Unternehmen 1947 von Willy Voit als Stanz- und Prägewerkstatt. Zunächst produzierte es Kleinteile wie Schuheisen, Tankdeckel und Zubehörteile für Aktenordner. 1959 begann Voit mit der Fertigung von verchromten Gelenkstützen für Wischeranlagen für Bosch und etablierte sich als Automobilzulieferer.

Die Krise der Automobilindustrie betrifft zahlreiche Unternehmen. Aufgrund einer schwachen Nachfrage, einer Flaute im E-Auto-Segment und zunehmender Konkurrenz aus China stehen viele Firmen vor großen Herausforderungen. Volkswagen plant den Abbau von Produktionskapazitäten und Stellen. Ford kündigte die Streichung von 2900 Arbeitsplätzen in Deutschland bis 2027 an. Auch Mercedes und BMW setzen auf Sparmaßnahmen. Zulieferer sind besonders betroffen: Bosch will bis zu 3800 Jobs abbauen, Schaeffler 2800, ZF zwischen 11.000 und 14.000 und Continental weltweit mehr als 7000 Stellen. Michelin plant zudem die Schließung von zwei Reifenwerken in Deutschland.

Voit AutomotiveInsolvenz Autoindustrie

Disclaimer