Volksbank Brawo baut Luxusvillen auf Mallorca – und gerät in Schieflage
Eine Genossenschaftsbank aus Niedersachsen finanziert 8-Millionen-Villen auf Mallorca – und entlässt nun ihren langjährigen Chef.

Die Volksbank Brawo aus Braunschweig und Wolfsburg wirbt auf ihrer Website damit, „verwurzelt in der Region" zu sein und die Menschen vor Ort durch ihr Netzwerk zusammenzubringen. Doch die Realität des Geschäftsgebarens stellt diesen Anspruch infrage. Denn das Geldhaus hat unter dem Projektnamen „Colina Mar" den Bau von fünf Luxusvillen auf Mallorca organisiert – weit entfernt von der niedersächsischen Heimat.
Die Villen liegen in Hanglage mit Blick auf die Bucht von Camp de Mar, Santa Ponsa und die Malgrats-Inseln. Eine der Immobilien, die Villa „Cípres", wird für knapp acht Millionen Euro angeboten. Das Objekt umfasst 631 Quadratmeter Wohnfläche auf einem 1.500 Quadratmeter großen Grundstück, bietet fünf bis sieben Schlafzimmer, sechs bis acht Badezimmer sowie einen 15 Meter langen Infinity-Pool. Auf der Projektwebseite heißt es, in der Villa seien „große Träume zuhause".
Satellitenbild zeigt Baufortschritt
Ein der WirtschaftsWoche vorliegendes Satellitenbild vom Februar dieses Jahres zeigt, dass die Bauarbeiten an den Villen zu diesem Zeitpunkt weitgehend abgeschlossen waren. Kein Baugerät ist mehr zu erkennen, einige Pools schimmern bereits türkisfarben. Ein Informant, der die Villen in den vergangenen Wochen besichtigt hat, bestätigt diesen Eindruck.
Bislang wurden jedoch erst zwei der fünf Villen verkauft – die beiden oberen. Für die drei verbleibenden Objekte mit den Namen „Cípres", „Pino" und „Encina" sucht die Bank noch Käufer. Damit liegt das finanzielle Risiko auf der Hand: Gelingt der Verkauf nicht oder nicht zum geforderten Preis von jeweils rund acht Millionen Euro, könnte die Volksbank Brawo auf einem erheblichen Teil der Baukosten sitzenbleiben.
Umgesetzt wird das Projekt über eine eigens gegründete Tochtergesellschaft namens blueorangeMallorca GmbH & Co. KG. Eine Anfrage der WirtschaftsWoche ließ die Bank unbeantwortet.
Expansion weit über das klassische Bankgeschäft hinaus
Das Mallorca-Projekt ist kein Einzelfall. Die Volksbank Brawo begann bereits im vergangenen Jahrzehnt, sich abseits des klassischen Bankgeschäfts zu diversifizieren. Das Institut baute ein Immobilienportfolio von inzwischen rund einer Milliarde Euro auf – darunter Einkaufszentren in Duisburg und Pinneberg bei Hamburg. Darüber hinaus gehört der Bank das Hofbrauhaus Wolters in Braunschweig, und eine Tochtergesellschaft betreibt mehrere Restaurants, darunter das „Überland" im bankeigenen Einkaufscenter „Brawo Park".
Auslöser dieser Expansionsstrategie waren die Niedrigzinsen der Europäischen Zentralbank nach der Finanzkrise 2008. Als die Leitzinsen auf null sanken, brachen die klassischen Zinserträge der Banken ein. Finanzaufseher rieten damals zwar, neue Einnahmequellen zu erschließen – gemeint waren jedoch Geschäfte mit Bezug zum Bankgeschäft, nicht der Kauf von Brauereien oder der Bau von Ferienvillen im Ausland.
Kritiker warnen seit Jahren, die Volksbank Brawo habe bei ihrer Expansion übertrieben und die Risiken seien kaum noch beherrschbar. Das Institut wies diese Vorwürfe stets zurück.
Vorstandschef Brinkmann mit sofortiger Wirkung entlassen
Nun hat die Brawo den Skeptikern neuen Stoff geliefert: Das Institut entließ seinen Vorstandsvorsitzenden Jürgen Brinkmann, der die Bank ein Vierteljahrhundert geführt hatte – und zwar mit „sofortiger Wirkung" wegen „unterschiedlicher Auffassungen über die zukünftige Ausrichtung der Unternehmensgruppe". Gleichzeitig kündigte die Bank eine „Neuausrichtung" ihrer Geschäftspolitik an.
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Zur AktienanalyseZudem teilte die Brawo mit, sie werde vorsorglich Unterstützungsgelder beim Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken beantragen. Diese Mittel könnten benötigt werden, um Bilanzlücken zu schließen – ausgerechnet in jenen bankfremden Bereichen wie dem Immobiliensegment, in denen das Institut stark gewachsen war.
Kein Einzelfall im Genossenschaftssektor
Für die Volks- und Raiffeisenbanken als Gruppe ist die Entwicklung bei der Brawo ein weiterer Reputationsschaden. Bereits zuvor hatten andere Institute Hilfe benötigt: Die VR Bank Bad Salzungen Schmalkalden hatte unter anderem eine Wasserquelle auf einer griechischen Mönchsinsel errichtet und in Bordellimmobilien in Oberhausen investiert. Die Volksbank Düsseldorf Neuss ließ sich auf eine Betrügerin ein und betrieb heikles Iran-Geschäft. Die Volksbank Dortmund Nordwest verlor Geld mit Immobilienfonds.
Der Fall Brawo zeigt exemplarisch, welche Risiken entstehen, wenn Banken ihr Kerngeschäft verlassen und in branchenfremde Bereiche expandieren. Für Privatanleger und Kunden von Genossenschaftsbanken ist das eine wichtige Mahnung: Auch vermeintlich konservative Institute können durch strategische Fehlentscheidungen in ernsthafte Schwierigkeiten geraten.

