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VW-Chef Blume steht vor zweitem Sparpaket in drei Jahren

Volkswagen-Chef Oliver Blume muss den Aufsichtsrat am 9. Juli von drastischen Einschnitten überzeugen – die Aktie notiert auf 16-Jahres-Tief.

VW-Chef Blume steht vor zweitem Sparpaket in drei Jahren

Oliver Blume steht vor der wohl größten Bewährungsprobe seiner Amtszeit. Der 58-jährige Volkswagen-Chef muss beim Aufsichtsrat am 9. Juli ein weitreichendes Sparpaket durchsetzen, das Europas größten Autobauer im Wettbewerb mit chinesischen Herstellern konkurrenzfähig halten soll. Es ist bereits das zweite Mal seit seinem Amtsantritt 2022, dass Blume einen solchen Kraftakt stemmen muss.

Dabei ist das Interessengeflecht rund um den Wolfsburger Konzern denkbar komplex. Die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch sollen Insidern zufolge auf einen harten Kurs drängen und Werksschließungen befürworten. Das Land Niedersachsen hingegen, das im kommenden Jahr eine Landtagswahl erwartet, dürfte auf Zurückhaltung pochen. Und die Arbeitnehmervertreter haben bereits Widerstand gegen tiefe Einschnitte angekündigt.

„Die Kernfrage ist: Wird es gelingen, ein Ergebnis intern als Sieg zu verkaufen, oder kommt es zu einer Situation, wo man einen Sündenbock braucht", sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person. Der unabhängige Autoanalyst Matthias Schmidt schätzt Blumes Erfolgschancen auf etwa 50:50. Der Vorstoß, zehntausende Stellen zu streichen und vier Fabriken zu schließen, sei ein Eröffnungszug – letztlich dürften als Kompromiss wohl nur zwei Werke wegfallen. „Er muss das hinkriegen", so Schmidt. „Das Wettbewerbsumfeld am Markt ist so hart geworden, dass er keine andere Option hat."

Aktie auf tiefstem Stand seit 16 Jahren

Erst Ende 2024 hatte sich Volkswagen nach monatelangem Ringen mit den Arbeitnehmervertretern auf den Abbau von 35.000 Stellen bei der Kernmarke VW in Deutschland geeinigt. Blume sprach bei der Hauptversammlung von durchaus erzielten Fortschritten – doch reichen diese nicht aus, um den Konzern dauerhaft wetterfest zu machen. Das Umfeld hat sich seither dramatisch verschlechtert.

Die Gewinne im wichtigen China-Geschäft befinden sich im freien Fall. In den USA belasten die Zölle von Präsident Donald Trump die Ergebnisse mit Milliardenbeträgen. Und in Europa graben chinesische Hersteller mit Billigangeboten dem Konzern systematisch Marktanteile ab. An der Börse spiegelt sich diese Gemengelage unmittelbar wider: Die VW-Aktie ist auf den niedrigsten Stand seit 16 Jahren gefallen – tiefer als selbst auf dem Höhepunkt des Dieselskandals vor rund einem Jahrzehnt. Auch die Eigentümerholding Porsche SE musste bereits Milliardenabschreibungen auf ihre Hauptbeteiligung vornehmen.

Hendrik Schmidt, Fondsmanager bei der DWS, bringt die Lage auf den Punkt: Volkswagen sei nicht immun gegen die tektonischen Verschiebungen der Kundenpräferenzen im globalen und speziell im chinesischen Automarkt. „Er muss permanent Krisen bewältigen, anstatt wirklich gestalten zu können, obwohl sich das Unternehmen in der umfangreichsten Transformation seiner Geschichte befindet", so der DWS-Experte.

Strategie und Konzernstruktur auf dem Prüfstand

Bei der Aufsichtsratssitzung geht es nicht allein um Werksschließungen. Zur Debatte stehen auch die künftige Modellstrategie und die organisatorische Aufstellung des Konzerns. Insidern zufolge soll die Marke Volkswagen in eine eigenständige Gesellschaft überführt werden, während die Volkswagen AG künftig als Holding firmieren würde. „Die Mehrmarkenstrategie Volkswagens ist ein Erbe Ferdinand Piëchs, und sie scheint an ihre Grenzen gekommen zu sein", sagte DWS-Experte Schmidt. Liebgewonnenes müsse nun kritisch hinterfragt werden.

Erschwerend kommt hinzu, dass nach dem überraschenden Ausscheiden der ehemaligen Renk-Chefin Susanne Wiegand ein Patt im Aufsichtsrat besteht – selbst wenn Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch seine doppelte Stimme einsetzt. Gut möglich, dass das Gremium die großen Entscheidungen zunächst vertagt. „Ohne die Gewerkschaft kann man gar nichts machen", betonte Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer.

Sparen allein reicht nicht

Letztlich dürfte Blumes Schicksal an der Frage hängen, ob seine Pläne zur Neuausrichtung des Konzerns tatsächlich aufgehen. „Blume ist derjenige, der derzeit in der Verantwortung steht, und deswegen ist es nur fair, ihn für die Strategie und ihre Umsetzung verantwortlich zu machen", sagte Marc Liebscher von der Aktionärsvereinigung SdK – auch wenn die strukturellen Probleme bei Volkswagen weit zurückreichen.

Doch selbst wenn die Sparziele erreicht werden, ist die Arbeit nicht getan. Es braucht einen überzeugenden Plan für die Zeit danach. „Im Moment sehe ich keine Strategie", sagte Liebscher. „Sparen allein ist keine Strategie, das bringt den Laden nicht voran. Das verzögert nur den Untergang." Für Privatanleger, die die VW-Aktie im Depot halten, bleibt die Lage damit vorerst angespannt.

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