VW erwägt Schließung von vier deutschen Werken – 45.000 Jobs bedroht
Volkswagen prüft die Schließung der Standorte Hannover, Zwickau, Emden und Neckarsulm – zusätzlich zu bereits vereinbarten Stellenstreichungen.

Volkswagen steht vor einer der größten Restrukturierungen seiner Geschichte. Der Automobilhersteller erwägt laut zwei mit der Angelegenheit vertrauten Personen die Schließung von vier deutschen Werken: Hannover, Zwickau, Emden und der Audi-Standort Neckarsulm. Mehr als 45.000 Arbeitsplätze wären davon direkt betroffen.
Die möglichen Schließungen kämen zusätzlich zu den 50.000 Stellenstreichungen, die bereits Ende 2024 mit den Gewerkschaften vereinbart wurden. Als Haupttreiber der Krise gilt der wachsende Druck durch chinesische Konkurrenten, die insbesondere im Elektrofahrzeugsegment massiv aufholen.
Die betroffenen Standorte im Überblick
Das Werk in Emden ist der erste Volkswagen-Standort in Niedersachsen – einem Bundesland mit rund 8 Millionen Einwohnern, das zugleich zweitgrößter Aktionär von Volkswagen ist. Das 1964 gegründete Werk nutzte von Beginn an die Nähe zum Seehafen und spezialisierte sich zunächst auf den legendären VW Käfer. Seit Ende 2024 produziert Emden ausschließlich Elektrofahrzeuge der ID.-Serie. Mehr als 7.700 Mitarbeiter sind dort beschäftigt; im Jahr 2025 verließen rund 147.000 Fahrzeuge das Werk – bemerkenswert, da die Stadt Emden selbst nur etwa 50.000 Einwohner zählt.
Der Standort Hannover blickt auf eine noch längere Tradition zurück. Hier begann 1956 die Produktion des legendären VW „Bulli". Heute fertigen die rund 14.000 Beschäftigten die sechste und siebte Generation der T-Serie – darunter Transporter und Minivans – sowie den vollelektrischen ID. Buzz. Auf einer Fläche von 1,1 Millionen Quadratmetern werden neben Fahrzeugen auch Wärmetauscher produziert, während die werkseigene Gießerei Zylinderköpfe und Saugrohre für den gesamten Konzern herstellt.
Audi Neckarsulm und das Elektropionier-Werk Zwickau
Der Audi-Standort in Neckarsulm beschäftigte mit Stand März 2026 insgesamt 15.509 Mitarbeiter. Dort werden Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren, Hybridtechnologien und vollelektrische Modelle produziert – darunter Varianten des A5, A6, A8 sowie der e-tron GT. Audi bezeichnet Neckarsulm als Geburtsstätte des vollelektrischen e-tron GT und unterhält dort den Hauptsitz der Audi Sport GmbH.
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Zur AktienanalyseDas Werk in Zwickau wurde 1990 gegründet und hat seitdem sieben Millionen Fahrzeuge produziert. Im Juni 2020 lief das letzte Fahrzeug mit Verbrennungsmotor vom Band – der Standort war damit das erste Werk im gesamten VW-Konzern, das vollständig auf Elektromobilität umgestellt wurde. Die Umrüstung kostete 1,2 Milliarden Euro. Die rund 8.000 Mitarbeiter produzieren heute Modelle wie den VW ID., den Audi Q4 e-tron und den Seat Cupra Born. Zudem werden dort die Karosserien für den Bentley Bentayga und den Lamborghini Urus gefertigt. Im Jahr 2025 verließen 212.000 Fahrzeuge sowie die Karosserien von 10.800 weiteren Autos das Werk.
Die möglichen Werksschließungen verdeutlichen das Dilemma, in dem sich Volkswagen befindet: Der Konzern hat Milliarden in die Elektromobilität investiert, kämpft aber gleichzeitig mit schwacher Nachfrage und wachsender internationaler Konkurrenz. Für die betroffenen Regionen – insbesondere Niedersachsen als Anteilseigner – hätten Schließungen weitreichende wirtschaftliche und politische Konsequenzen.


