Wachsende Investitionen in deutsche DefenceTech-Start-ups
Unternehmen entwickeln KI, Drohnen und Roboter für zivile und militärische Zwecke

Mehr als fünf Milliarden Dollar wurden im vergangenen Jahr in europäische Technologieunternehmen aus dem Verteidigungssektor investiert. Insbesondere deutsche Start-ups erhielten 2024 die meisten Mittel, wie eine Auswertung des Analysedienstes Dealroom zeigt. Betrachtet man jedoch einen längeren Zeitraum, liegen Großbritannien und Frankreich vor Deutschland. Die zunehmende Relevanz von DefenceTech spiegelt sich in der steigenden Zahl von Investitionen wider. Start-ups reagieren schneller auf aktuelle Bedürfnisse als große Konzerne, wodurch sie für Kapitalgeber attraktiver werden. Einige Unternehmen konzentrieren sich ausschließlich auf militärische Anwendungen, während andere einen Dual-Use-Ansatz verfolgen, der zivile Nutzungsmöglichkeiten einbezieht.
Helsing ist das finanziell am besten ausgestattete Unternehmen in diesem Bereich. Die Münchner Firma erhielt allein im vergangenen Jahr 450 Millionen Euro von Investoren und konnte seit ihrer Gründung insgesamt über 760 Millionen Euro einsammeln. Das Unternehmen entwickelt eine künstliche Intelligenz, die bestehende Verteidigungssysteme aufrüstet. Wie genau die Technologie funktioniert, bleibt unklar, da Helsing keine Finanz- oder Leistungskennzahlen veröffentlicht. Die Bundeswehr setzt die Software für ihre Eurofighter ein, und neuerdings entwickelt das Unternehmen auch Kampfdrohnen.
Quantum Systems, ein Drohnen-Start-up mit Sitz in Gilching bei München, vermarktet unbemannte Luftfahrzeuge sowohl für kommerzielle als auch militärische Zwecke. Das Unternehmen hat seit 2015 über 130 Millionen Euro Wagniskapital erhalten und wirtschaftet profitabel. Eine Tochterfirma, Stark, konzentriert sich auf bewaffnete Drohnen und konnte im Oktober ein Investment des Risikokapitalgebers Sequoia sichern. Quantum Systems plante für 2024 einen Umsatz von 106 Millionen Euro bei Bestellungen im Wert von 132 Millionen Euro.
Vyoma Space, ein weiteres Münchner Start-up, erhielt bislang 16 Millionen Euro Wagniskapital. Das Unternehmen entwickelt ein System zur Überwachung von Weltraumschrott und Satellitenverkehr. Ab diesem Jahr sollen eigene Satelliten ins All gebracht werden, um Kollisionen zu vermeiden. Neben zivilen Kunden wie Satellitenbetreibern und Versicherungen nutzen auch Geheimdienste die Technologie. Ein Vertrag mit der EU-Kommission brachte Vyoma Space mehrere Millionen Euro an Einnahmen.
Arx Robotics hat sich auf autonome Mini-Panzer spezialisiert, die unter anderem zur Rettung verwundeter Soldaten oder zum Transport von Gegenständen eingesetzt werden. Die Firma erhielt bisher rund zehn Millionen Euro von Investoren, darunter der Investmentarm der NATO. Mehrere NATO-Staaten nutzen bereits die Roboter, 30 Einheiten sind an der ukrainischen Front im Einsatz. Zusätzlich verkauft Arx Robotics eine KI-Software zur Aufrüstung bestehender Fahrzeugflotten.
Das Start-up Alpine Eagle, gegründet vor knapp zwei Jahren, entwickelte ein System zur Drohnenabwehr. Streitkräfte können vorhandene Drohnen mit dieser Technologie ausstatten, um feindliche Fluggeräte oder Minen zu erkennen und bei Bedarf zu neutralisieren. Ein Investor ist der High-Tech Gründerfonds, der teilweise vom Wirtschaftsministerium finanziert wird. Alpine Eagle erwirtschaftete im ersten Geschäftsjahr einen siebenstelligen Umsatz, und die Bundeswehr zählt zu den Kunden.
WargDrones, ein Hamburger Unternehmen, entwickelt seit 2019 Drohnen zur Entschärfung von Sprengfallen. Die britische Regierung kaufte Geräte des Start-ups und stellte sie der ukrainischen Armee zur Verfügung. Die Drohnen nutzen künstliche Intelligenz zur Erkennung von Minen. Neben privaten Investoren beteiligte sich zuletzt der Bremer Stahlrohrhersteller Buhlmann mit einer mittleren sechsstelligen Summe an dem Unternehmen.
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Zur AktienanalyseTytan Technologies wurde Ende 2023 im Rahmen des TUM Venture Labs gegründet. Das Unternehmen stellt KI-gesteuerte Interceptor-Drohnen her, die Ziele durch Aufprall unschädlich machen. Die Bundeswehr testet die Technologie derzeit. Investoren wie Lakestar, der ukrainische Defence-Fonds D3 und die Münchner Gruppe 10x finanzierten das Start-up, ohne die genaue Summe offenzulegen.
Hypersonica ist ein weiteres Start-up aus dem Münchner TUM-Programm. Das Unternehmen aus Weßling entwickelt Hyperschalltechnologie. Die Investorenliste umfasst den US-Fonds General Catalyst sowie Gründer aus der Verteidigungsbranche. Über das Projekt selbst sind bislang kaum Details bekannt, da sich das Start-up noch im Stealth-Modus befindet.


