Wall Street: Historisch schwacher Juni droht Aktienmarkt zu belasten
Nach der starken Rally seit März warnen Saisonalität und Technik vor einer schwierigen Sommerphase für US-Aktien.

Nach dem Memorial-Day-Wochenende stehen US-Aktien vor einer historisch belasteten Phase. Laut dem renommierten Stock Trader's Almanac ist der Juni in Zwischenwahljahren der schlechteste Monat für alle drei großen amerikanischen Indizes. Die Datenlage ist eindeutig: Der S&P 500 verlor in solchen Jahren im Durchschnitt 2,1 Prozent, der Dow Jones Industrial Average und der Nasdaq Composite gaben jeweils rund 1,9 Prozent nach.
Zum Vergleich: Über alle Jahre hinweg – basierend auf Daten bis zurück ins Jahr 1950 – legte der S&P 500 in einem durchschnittlichen Juni immerhin um 0,2 Prozent zu. Der Unterschied zu Zwischenwahljahren ist damit besonders deutlich und gibt Anlass zur Vorsicht für Anleger, die auf eine Fortsetzung der bisherigen Aufwärtsbewegung setzen.
Technische Warnsignale häufen sich
Neben der Saisonalität verschlechtert sich auch das technische Bild zunehmend. Immer weniger Aktien beteiligen sich an der laufenden Rally, das Momentum lässt spürbar nach. Ein konkretes Verkaufssignal wurde bereits am Montag, den 18. Mai, ausgelöst. Jeff Hirsch, Chefredakteur des Stock Trader's Almanac, wertet dies als das Ende der sogenannten „besten sechs Monate" für den Dow Jones und den S&P 500. Die „besten acht Monate" des Nasdaq enden üblicherweise erst im Juni.
Der S&P 500 hat seit Ende März eine beeindruckende Rally von rund 19 Prozent hingelegt und überschritt in der vergangenen Woche erstmals die Marke von 7.500 Punkten. Zuletzt notierte der Index knapp unterhalb dieser Höchststände. Auch an der Wall Street wächst der Konsens, dass nach diesem rasanten Anstieg eine Konsolidierung über die Sommermonate wahrscheinlich ist.
Mögliche Korrektur von bis zu 12 Prozent
Jeff Hirsch sieht die Marke von 7.150 Punkten beim S&P 500 als wichtige Unterstützung. Dies würde einem Rückgang von etwa 4 bis 5 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau entsprechen. Hirsch schließt jedoch auch einen tieferen Rückfall auf 6.600 bis 6.700 Punkte nicht aus, um die sogenannte Waffenstillstands-Kurslücke vom April zu schließen – was einer Korrektur von 10 bis 12 Prozent gleichkäme.
Zu den makroökonomischen Belastungsfaktoren zählt derzeit ein Energieschock infolge des US-Krieges im Iran, der die Inflation antreibt und die Renditen von US-Staatsanleihen nach oben drückt. Diese Gemengelage erhöht den Druck auf die Aktienmärkte zusätzlich.
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Zur AktienanalyseOptimistischer Ausblick auf das Jahresende
Trotz der kurzfristigen Risiken bleibt Hirsch für das Gesamtjahr optimistisch. Er geht davon aus, dass eine unruhige Kursentwicklung im Sommer den Markt besser auf eine Rally zum Jahresende vorbereiten wird. Seine Prognose: Der Aktienmarkt beendet das Jahr mit einem Plus von 8 bis 12 Prozent gegenüber dem Schlussstand von 2025.
„Die saisonale Lage verschlechtert sich von hier an zunächst, bevor sie wieder besser wird", schrieb Hirsch. Für deutsche Anleger mit US-Engagements bedeutet dies: Kurzfristige Volatilität einplanen, den langfristigen Ausblick aber nicht aus den Augen verlieren.


