Wall Street legt Pause vor US-Arbeitsmarktdaten ein
S&P 500 und Dow geben von Rekordhochs nach, während Anleger auf die Beschäftigungszahlen vom Freitag warten.

Der S&P 500 und der Dow Jones haben am Donnerstag eine Verschnaufpause nach ihren Rekordhochs des Vortages eingelegt. Der starke, von Unternehmensgewinnen getriebene Monatsauftakt verlor vorübergehend an Schwung. Gleichzeitig stiegen die Renditen von US-Staatsanleihen und der Dollar, da die Aufmerksamkeit der Märkte auf die US-Arbeitsmarktdaten am Freitag gerichtet ist.
An der Wall Street schloss der Dow Jones rund 1% im Minus, der S&P 500 verlor 0,3% und der Nasdaq gab 0,1% nach. In Asien zeigte sich ein deutlicheres Bild: Südkorea verlor 5%, Japan rund 1%. Die europäischen Märkte sowie die britische Börse schlossen kaum verändert.
Starke Ausschläge bei Einzelwerten
Auf Sektorebene fielen acht der elf S&P-500-Sektoren. Industrie, Rohstoffe und Immobilien verloren jeweils rund 0,8%. Einzig der Energiesektor legte mit einem Plus von 1,6% deutlich zu. Bei den Einzelwerten gab es erhebliche Bewegungen: Honeywell Aerospace brach um 23% ein, Western Digital verlor 13%. Auf der Gewinnerseite standen Motorola mit einem Plus von 8% sowie Disney mit einem Zuwachs von 3%.
Am Devisenmarkt verzeichnete der Dollar seinen besten Tag seit zwei Wochen und legte auf breiter Front zu. Der japanische Yen hat mittlerweile fast die Hälfte seiner Gewinne nach der jüngsten Intervention wieder abgegeben. Bei den Rohstoffen legte Öl deutlich zu: Brent stieg um 4%, WTI um 3%. Gold notierte kaum verändert bei rund 4.250 US-Dollar je Unze.
Fokus auf Non-Farm Payrolls
Die US-Beschäftigungsdaten für Juli – die sogenannten Non-Farm Payrolls – werden am Freitag veröffentlicht und gelten traditionell als einer der marktbewegendsten Datenpunkte überhaupt. Diesmal könnte die Reaktion jedoch gedämpfter ausfallen. Die Arbeitsmarktindikatoren sind derzeit uneinheitlich: Im Allgemeinen solide, mit einigen Anzeichen von Schwäche, die insgesamt ein Bild breiter Stabilität zeichnen.
Fed-Entscheidungsträger beschreiben den Arbeitsmarkt als in einer höchst ungewöhnlichen Lage – einem Stillstand aus „wenig Einstellungen und wenig Entlassungen" inmitten erhöhter Unsicherheit durch Künstliche Intelligenz. Da die US-Notenbank derzeit stärker auf die Inflationsseite ihres Mandats fokussiert ist als auf die Beschäftigungsseite, bräuchte es eine große Überraschung, um die Zinserwartungen maßgeblich zu verschieben. Fed-Mitglied Mary Daly bekräftigte, die Zentralbank habe richtig daran getan, die Zinsen bei der Juli-Sitzung unverändert zu lassen.
Die wenigen verbliebenen Wall-Street-Häuser, die baldige Zinssenkungen fordern – darunter die Citigroup – gehen von einer recht schnellen Verschlechterung des Arbeitsmarktes in den kommenden Monaten aus. Ob die Freitagsdaten erste Anzeichen dafür liefern, bleibt abzuwarten.
Yen-Intervention und ihre Grenzen
Die Debatte um die historische Yen-Intervention der vergangenen Woche hält an. Washingtons Beteiligung war dabei eher symbolischer Natur. Trotz Solidaritätszusagen gegenüber Tokio ist die Bereitschaft für weitere gemeinsame Maßnahmen begrenzt – nicht zuletzt, weil die USA keinen Verkauf von US-Staatsanleihen durch Japan sehen wollen. Auch die Kapazität der FIMA-Fazilität der US-Notenbank ist begrenzt.
Analysten sind sich einig: Nur eine bedeutende Änderung der japanischen Geldpolitik wird den Druck auf den Yen langfristig lindern. Die Erwartungen für Zinserhöhungen der Bank of Japan und der Fed im nächsten Monat liegen mit einer Wahrscheinlichkeit von jeweils rund 55% auf ähnlichem Niveau.
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Zur AktienanalyseK-förmige Wirtschaft: Unternehmen auf Rekordkurs
Ein weiteres strukturelles Thema rückt in den Vordergrund: Der Anteil der US-Arbeitnehmer am gesamtwirtschaftlichen Kuchen ist im zweiten Quartal auf ein neues Tief gefallen. Dies geschieht ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem die laufende Berichtssaison ein atemberaubendes Gewinnwachstum der US-Unternehmen zeigt – die Firmen genießen bereits einen Rekordanteil an der Gesamtwirtschaft.
Ökonom Mark Zandi von Moody's Analytics und andere Experten warnen, dass diese Entwicklung nicht nachhaltig sei. Die sogenannte „K-förmige" Wirtschaft – in der es Wohlhabenden und Kapitalbesitzern deutlich besser geht als dem Rest der Bevölkerung – könnte auch politische Konsequenzen haben. Verbraucher nehmen Hypothekenzinsen, Benzinpreise und die allgemeine Inflation wahr – und das könnten auch die Wähler im November tun.
Ausblick: Diese Daten bewegen die Märkte morgen
- Japan: Haushaltsausgaben (Juni)
- Deutschland: Industrieproduktion (Juni)
- USA: Beschäftigtenzahlen außerhalb der Landwirtschaft (Juli, Non-Farm Payrolls)
- USA: Rede von Thomas Barkin, Präsident der Richmond Fed


