Wall Street unter Druck: Chip-Aktien fallen, Jobdaten belasten
Starke US-Arbeitsmarktdaten schüren Zinssorgen – Halbleiterwerte brechen ein, Nasdaq verliert deutlich über ein Prozent.

Die Wall Street hat am Freitag nachgegeben. Auslöser waren ein überraschend starker US-Arbeitsmarktbericht und ein kräftiger Rückgang bei Halbleiterwerten, die zuvor eine beeindruckende Rallye hingelegt hatten. Der Nasdaq Composite verlor 1,39% auf 26.456,94 Punkte, der S&P 500 fiel um 0,85% auf 7.519,68 Zähler, während der Dow Jones Industrial Average mit einem Minus von 0,25% auf 51.433,57 Punkte vergleichsweise moderat nachgab.
Im Mai entstanden außerhalb der Landwirtschaft 172.000 neue Stellen – nach 115.000 im April und weit über der Reuters-Prognose von 85.000. Diese Zahlen signalisieren einen robusten Arbeitsmarkt, der die US-Notenbank Federal Reserve zu weiteren Zinserhöhungen veranlassen könnte.
Zinswende rückt näher: Märkte preisen Fed-Schritt ein
Die Reaktion an den Geldmärkten war unmittelbar: Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte bis Jahresende schnellte auf 98% hoch – vor Veröffentlichung der Daten lag sie noch bei rund 60%. Die Zahlen fallen zudem in eine politisch sensible Phase: Ende des Monats tagt die Fed unter ihrem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh erstmals. Warsh übernimmt eine Wirtschaft, die mit erhöhter Inflation kämpft, die teilweise durch den anhaltenden Nahost-Konflikt verschärft wird.
Mark Malek, Chief Investment Officer bei Siebert Financial, ordnete die Lage nüchtern ein: „Man kann nicht von einem Arbeitsmarkt sprechen, dem es fabelhaft geht, aber man sieht auch keinen Arbeitsmarkt, der völlig zusammenbricht." Und weiter: „Es ist gesund für den Markt, ein wenig zurückzurudern und das Tempo zu drosseln."
Chip-Sektor im freien Fall – Nvidia und Co. unter Druck
Besonders hart traf es den Halbleitersektor. Der Philadelphia SE Semiconductor Index brach um über 5% ein. Nvidia, das nach Börsenwert größte Unternehmen, verlor 2,5%. Intel, Micron, AMD und Broadcom gaben zwischen 4,2% und 6,2% nach. Technologieaktien verzeichneten damit den dritten Rückgang in Folge und fielen als Sektor um 2,5%.
Chip-Aktien hatten maßgeblich zur Erholung der Wall Street von den Tiefstständen im März bis hin zu Rekordhöhen beigetragen. Neben dem KI-Boom hatten auch ein vorübergehender Waffenstillstand im Nahen Osten und starkes Gewinnwachstum die Kursgewinne gestützt.
Nicht alle Sektoren litten gleichermaßen: Sechs der elf S&P-500-Sektoren legten zu, angeführt von Basiskonsumgütern. Anleger schichteten Kapital aus dem Technologiebereich in defensivere Bereiche um – ein klassisches Zeichen für steigende Risikoaversion.
Einzelwerte: Lululemon bricht ein, Cooper Companies glänzen
Unter den Einzelwerten sorgte Lululemon Athletica für negative Schlagzeilen. Der Sportbekleidungshersteller senkte seine Jahresgewinnprognose und stellte für das zweite Quartal Ergebnisse deutlich unter den Erwartungen der Wall Street in Aussicht – die Aktie verlor daraufhin 8%.
Positiv stach Cooper Companies hervor: Der Kontaktlinsenhersteller übertraf die Erwartungen für das zweite Quartal und gewann 6,4%.
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Zur AktienanalyseAuch abseits der Quartalszahlen gab es Bewegung: Citi gab bekannt, das Aktienengagement nach einem starken Lauf zu reduzieren, und verwies auf steigende Inflation sowie Positionierungsrisiken. Langfristig bleibt die Bank jedoch konstruktiv für US-Aktien, gestützt durch KI-getriebene Gewinne.
S&P-500-Aufnahme: SpaceX bleibt vorerst draußen
S&P Global erklärte, die Zulassungskriterien für seine wichtigsten Indizes nicht zu ändern. Damit ist ein schneller Einzug von Elon Musks SpaceX in den S&P 500 nach einem möglichen Börsengang – der das weltweit größte IPO werden könnte – faktisch ausgeschlossen. Gleichzeitig gab S&P Dow Jones Indices bekannt, die Ergebnisse seiner Neugewichtung nach Börsenschluss zu veröffentlichen. Chiphersteller Marvell Technology, mit einer Bewertung von über 270 Milliarden US-Dollar, gilt als Anwärter auf eine Indexaufnahme.
Sollten die Verluste des Tages anhalten, würde der S&P 500 seinen ersten Wochenverlust seit April verbuchen. Der Nasdaq steuerte ebenfalls auf ein leichtes Wochenminus zu, während der Dow auf dem Weg zum dritten Wochenplus in Folge war. An der NYSE überwogen die Verlierer gegenüber den Gewinnern im Verhältnis von 2,04 zu 1, an der Nasdaq lag das Verhältnis bei 2,11 zu 1.


