Walmart meldet starkes Quartal trotz wachsendem Druck auf US-Verbraucher
Umsatz steigt um 7,3 % auf 177,8 Milliarden Dollar – doch die Prognose enttäuscht und der Konsument gerät unter Druck.

Walmart hat im ersten Quartal einen Umsatz von 177,8 Milliarden Dollar erzielt – ein Plus von 7,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die flächenbereinigten Umsätze in den USA legten um 4,1 Prozent zu. Als Treiber nannte der Konzern das Wachstum im E-Commerce sowie steigende Einnahmen aus Mitgliedsgebühren. Besonders Haushalte mit höherem Einkommen trieben die Zuwächse über alle Kategorien hinweg an.
Doch das starke Umsatzwachstum konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass Walmart gleichzeitig eine Prognose für das laufende Quartal abgab, die hinter den Markterwartungen zurückblieb. Als größter privater Arbeitgeber der USA und einer der bedeutendsten Einzelhändler des Landes gelten die Quartalszahlen von Walmart als wichtiger Indikator für den Zustand der US-Wirtschaft und die Kaufkraft der Verbraucher.
Gespaltene Konsumlandschaft in den USA
Das Bild, das die Zahlen zeichnen, ist das einer tief gespaltenen Konsumgesellschaft. Haushalte mit höherem Einkommen, die von Aktiengewinnen und stärkerem Lohnwachstum profitieren, treiben einen überproportionalen Anteil der Konsumausgaben voran. Viele Haushalte am unteren Ende der sogenannten K-Kurve hingegen stellen fest, dass ihre Gehälter nicht mit den steigenden Kosten für Lebensmittel, Wohnraum, Versorgungsleistungen und Kinderbetreuung mithalten können.
Die Inflation verschärft die Lage zusätzlich: Im April stieg sie um 3,8 Prozent und erreichte damit den höchsten Stand seit fast drei Jahren. Als wesentlicher Treiber gelten die Auswirkungen des Iran-Krieges, der die Preise in der gesamten Wirtschaft in die Höhe treibt – darunter Benzin und Flugtickets. Normalbenzin kostete laut dem Automobilclub AAA zuletzt im landesweiten Durchschnitt 4,56 Dollar pro Gallone, verglichen mit 2,98 Dollar unmittelbar vor Kriegsbeginn. Diesel verteuerte sich auf durchschnittlich 5,66 Dollar – ein Anstieg von rund 2 Dollar seit Kriegsbeginn.
Walmart-CFO warnt vor weiterem Druck durch Treibstoffkosten
Walmart-Finanzvorstand John David Rainey äußerte sich in einem Interview mit dem US-Sender CNBC besorgt über die künftige Entwicklung. „Ich denke, dass höhere Steuerrückerstattungen einen Teil des Drucks durch die gestiegenen Treibstoffpreise abgefedert haben. Da wir uns nun in einem Zeitraum befinden, in dem diese Rückerstattungen weitgehend ausbleiben, werden die Verbraucher den Druck durch die höheren Treibstoffpreise wohl stärker spüren", sagte Rainey. „Das ist etwas, das wir genau beobachten."
Hinzu kommt, dass die Verbraucherpreise im April zum ersten Mal seit 2003 das Lohnwachstum überstiegen haben. Ökonomen warnen zudem, dass die vollen wirtschaftlichen Auswirkungen des Krieges erst noch bevorstehen. Die höheren Treibstoffkosten haben laut Walmart bereits die Gewinnzuwächse des Unternehmens teilweise zunichtegemacht.
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Zur AktienanalyseWettbewerb mit Amazon und mögliche Zollrückerstattungen
Die Ergebnisse von Walmart wurden einen Tag nach den Zahlen von Target veröffentlicht. Target meldete zwar ein Umsatzplus von mehr als 6 Prozent gegenüber dem Vorjahr, dennoch fielen die Aktien des Unternehmens am Mittwoch. Target, das von einem neuen CEO geführt wird, kämpft nach Jahren stagnierender Umsätze um eine Trendwende – unter anderem wegen Kritik an unübersichtlichen Filialen und der Rücknahme von Diversitäts- und Inklusionsinitiativen.
Im übergeordneten Wettbewerb des Einzelhandels hat Amazon Walmart zuletzt als weltweit umsatzstärkstes Unternehmen abgelöst. Walmart reagiert darauf mit einer stärkeren Ausrichtung auf Technologie, darunter Investitionen in künstliche Intelligenz. Einen möglichen finanziellen Rückenwind könnten Zollrückerstattungen bringen: Nachdem der Oberste Gerichtshof der USA Anfang des Jahres gegen einige der Zölle von Präsident Donald Trump entschieden hatte, schätzen Analysten der Citi, dass Walmart mehr als 10 Milliarden Dollar zurückerhalten könnte. In seiner Prognose berücksichtigte Walmart diese möglichen Rückerstattungen jedoch ausdrücklich nicht.


