Warnstreik bei Kaufland: Was Kunden und Anleger jetzt wissen müssen
Verdi ruft Beschäftigte von über 100 Kaufland-Filialen bundesweit zum Ausstand auf – Tarifstreit im Einzelhandel eskaliert weiter.

Die Gewerkschaft Verdi hat erneut zum Warnstreik im Einzelhandel aufgerufen – diesmal trifft es Kaufland. Bundesweit sind Beschäftigte aus mehr als 100 Filialen der Handelskette zum Arbeitsausstand aufgefordert. Kunden müssen sich am Donnerstag auf mögliche Einschränkungen einstellen, wobei konkrete betroffene Standorte zunächst nicht bekannt gegeben wurden.
Kaufland betreibt nach eigenen Angaben deutschlandweit mehr als 790 Filialen und beschäftigt über 92.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das Unternehmen gehört – ebenso wie der Discounter Lidl – zur Schwarz-Gruppe mit Sitz in Neckarsulm. Verdi-Vorstandsmitglied Silke Zimmer betonte, dass Firmengründer Dieter Schwarz „mit Abstand der reichste Mensch in Deutschland" sei, während viele seiner Beschäftigten mit ihrem Lohn nicht bis zum Monatsende kämen.
Wie stark die Arbeitsniederlegung tatsächlich spürbar sein wird, bleibt abzuwarten. Erfahrungsgemäß haben Streiks im Handel begrenzte Auswirkungen auf den Einkaufsalltag. Der Handelsverband Deutschland (HDE) hatte bei früheren Streikwellen erklärt, keine nennenswerten Folgen für Verbraucher zu erwarten.
Tarifstreit: Große Kluft zwischen Forderungen und Angebot
Im Zentrum des Konflikts steht eine erhebliche Differenz zwischen den Positionen beider Seiten. Verdi fordert sieben Prozent mehr Lohn – mindestens jedoch 225 Euro monatlich – bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Arbeitgeberseite hingegen bot zuletzt in mehreren Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen und Hamburg eine Erhöhung von zwei Prozent ab November an, gefolgt von weiteren 1,5 Prozent ab August 2027 – bei einer zweijährigen Laufzeit. Verdi lehnte dieses Angebot ab.
Die Gewerkschaft macht Kaufland dabei eine besondere Mitverantwortung für das bisherige Ergebnis. Da Kaufland-Vertreter an den regionalen Tarifverhandlungen teilnehmen, habe das Unternehmen erheblichen Einfluss in den Arbeitgeberkommissionen – und trage damit Mitverantwortung für das aus Gewerkschaftssicht „inakzeptable Angebot mit Nullmonaten und Reallohnverlusten".
Die Verhandlungen für den Einzel- sowie den Groß- und Außenhandel hatten im April in den ersten Landesbezirken begonnen. Bereits Mitte Mai und Anfang Juni hatte Verdi zu bundesweiten Warnstreiks aufgerufen. Zuletzt war auch die Möbelhauskette Ikea von einem Ausstand betroffen.
Millionen Beschäftigte im Blick – Einigung mit Signalwirkung
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Zur AktienanalyseDie Tragweite der laufenden Tarifverhandlungen ist erheblich: Im deutschen Handel sind laut Verdi rund 5,2 Millionen Menschen beschäftigt, davon 3,4 Millionen allein im Einzelhandel. Eine Einigung hat damit weit über die betroffenen Unternehmen hinaus Signalwirkung für die gesamte Branche.
Die vorherigen Tarifverhandlungen zogen sich über mehr als ein Jahr hin und endeten schließlich mit einem Einkommensplus von insgesamt rund 14 Prozent für die Jahre 2023 bis 2025. Ob die aktuellen Gespräche ähnlich lange dauern werden, ist offen.
Die nächsten Verhandlungstermine sind für diesen Freitag angesetzt: für den Einzelhandel in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie für den Groß- und Außenhandel in Baden-Württemberg. Für Anleger, die den deutschen Konsumsektor im Blick haben, bleibt der Ausgang dieser Gespräche ein wichtiger Indikator für die Lohnkostenentwicklung im Handel.


