Warum Fußball in Amerika trotz Messi keinen Durchbruch schafft
Der Sport wächst in den USA, doch die kulturelle Übernahme lässt seit über einem Jahrhundert auf sich warten.

Fußball ist in den Vereinigten Staaten größer, reicher und präsenter als je zuvor – und dennoch wartet die Welt seit mehr als 100 Jahren auf den versprochenen kulturellen Durchbruch des Sports in Amerika. Diese Frage stellt Bloomberg in einer aktuellen Analyse und beleuchtet dabei eine der hartnäckigsten Prophezeiungen der Sportgeschichte.
Bereits im Jahr 1913 verkündete Gustav Manning, der damalige Chef des US-Fußballs, gegenüber der New York Times, er sehe voraus, dass Fußball zum „nationalen Zeitvertreib des Winters" werden würde. Mit dieser Aussage setzte er einen Trend, der bis heute anhält: Generationen von Funktionären und Enthusiasten haben seitdem denselben Traum verkauft – ohne dass er sich je vollständig erfüllt hätte.
Die Versprechen der Vergangenheit
Besondere Zuversicht verbreiteten Mannings Nachfolger ab Mitte der 1970er-Jahre, als der brasilianische Superstar Pelé in New York landete, um sich einem experimentellen Team namens Cosmos anzuschließen. Das Unterfangen scheiterte nach wenigen Jahren. Doch das zugrunde liegende Argument – der globale Sport müsse in den USA früher oder später aufblühen – gewann dadurch paradoxerweise erst richtig an Fahrt.
Als Begründung dienten stets dieselben Faktoren: Globalisierung, Demografie und die wachsende Bedeutung von Medienrechten. Der Fußball gilt als demokratischste aller Sportarten, gespielt mit einem Ball auf jedem freien Stück Rasen der Welt. In einem Land mit einer stark wachsenden lateinamerikanischen Bevölkerung schienen die Voraussetzungen ideal.
Die Erwartungen stiegen nach dem Start der Major League Soccer (MLS) und der in den USA ausgetragenen Fußball-Weltmeisterschaft 1994 massiv an. Beide Ereignisse galten als Wendepunkte – und beide lösten die erhofften Dominoeffekte in der amerikanischen Sportkultur nicht aus.
Messi als letzter großer Hoffnungsträger
Den vorläufigen Höhepunkt der Erwartungen markierte das Jahr 2023. Lionel Messi, weithin als bester Fußballspieler der Geschichte angesehen, verließ sein Pariser Superteam und schloss sich einem vergleichsweise jungen Verein in Miami an. Die Ankunft des argentinischen Weltmeisters löste in den USA eine Euphorie aus, die ihresgleichen suchte.
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Zur AktienanalyseDoch auch Messi, so die Analyse von Bloomberg, konnte den seit Jahrzehnten versprochenen kulturellen Durchbruch nicht herbeiführen. Der Sport bleibt in Amerika zwar wachsend und wirtschaftlich bedeutsamer denn je – die tiefe kulturelle Verankerung, die Baseball, American Football oder Basketball genießen, fehlt dem Fußball jedoch weiterhin.
Für deutsche Beobachter ist dieses Phänomen schwer nachzuvollziehen. In Europa und weiten Teilen der Welt ist Fußball längst die unangefochtene Nummer eins. In den USA hingegen konkurriert er mit einer Vielzahl etablierter Sportarten um Aufmerksamkeit, Sendezeit und die Herzen der Fans – ein Kampf, den er trotz aller Fortschritte noch nicht gewonnen hat. Mit der Weltmeisterschaft 2026, die in den USA, Kanada und Mexiko ausgetragen wird, steht der nächste große Test bereits vor der Tür.


