Weißes Haus übernimmt Kontrolle über Zugang zu Frontier-KI-Modellen
Die Trump-Regierung schreibt vor, welche Unternehmen Zugang zu den leistungsfähigsten KI-Modellen erhalten – eine historische Machtverschiebung.

Die Trump-Regierung greift tief in die Kontrolle über die Veröffentlichung von KI-Modellen ein. Wie CNBC von zwei mit der Angelegenheit vertrauten Personen erfahren hat, schreibt das Weiße Haus nun vor, welche Unternehmen und Organisationen Zugang zu den neuesten sogenannten Frontier-Modellen erhalten dürfen. Damit endet eine Ära, in der die großen US-amerikanischen KI-Konzerne diese Entscheidung eigenständig trafen.
Bisher hatten Anthropic und OpenAI selbst bestimmt, wer ihre leistungsfähigsten Modelle nutzen darf. Anthropic stellte sein stärkstes Cybersicherheitsmodell „Mythos" einem kleinen Kreis ausgewählter Partner im Rahmen des Programms „Project Glasswing" vor. OpenAI unterhielt mit „Daybreak" ein ähnliches Konsortium für sein Cybersicherheitsmodell und wurde von der Regierung aufgefordert, die jüngste Veröffentlichung von GPT-5,6 zu beschränken.
Neue Clearingstelle „Gold Eagle" als Schaltzentrale
Diese Woche startete die Regierung ihr eigenes Programm namens „Gold Eagle", das auf die Zusammenarbeit mit dem Privatsektor abzielt, um Cyber-Schwachstellen zu finden und zu beheben. Diese sogenannte Clearingstelle soll das Weiße Haus künftig in die Lage versetzen, darüber zu entscheiden, welche Unternehmen Zugang zu neuen KI-Modellen erhalten – so eine mit der Angelegenheit vertraute Person, die anonym bleiben wollte.
Die Schritte der Regierung werfen ein Fragezeichen hinter die Zukunft unternehmensgeführter Initiativen wie „Project Glasswing" und OpenAIs „Daybreak". Laut einer Insider-Quelle werden diese Rollouts künftig eine ausdrückliche Genehmigung der Regierung erfordern, welche Partner beteiligt sein dürfen.
Ein Beamter des Weißen Hauses betonte gegenüber CNBC, dass man keine Genehmigungen für KI-Veröffentlichungen privater Unternehmen erteile. Jegliches Engagement, Tests oder Treffen mit Regierungsexperten seien „freiwillig", und „Entscheidungen über den Zeitpunkt und den Umfang von Veröffentlichungen liegen allein bei den Unternehmen". Dabei verwies er auf Trumps jüngsten Präsidialerlass. „Die Regierung arbeitet weiterhin mit allen führenden US-Laboren zusammen, um die Sicherheit dieser Technologie zu stärken, ohne die Innovation zu bremsen", hieß es weiter.
Blockade von Anthropic-Modellen als Präzedenzfall
Die Praxis des Weißen Hauses ist jedoch bereits konkret spürbar geworden. Im vergangenen Monat blockierte die Trump-Regierung die Modelle „Claude Mythos 5" und „Fable 5" von Anthropic aufgrund von „Bedenken hinsichtlich der nationalen Sicherheit". Der Zugang wurde erst nach wochenlangen intensiven Verhandlungen mit Anthropic wieder freigegeben. OpenAI erklärte daraufhin, neue KI-Modelle auf „vertrauenswürdige Partner" zu beschränken, um den Forderungen der Regierung nachzukommen.
Den Ausgangspunkt für die neue Regulierungsrichtung bildete ein Präsidialerlass von Donald Trump im Juni, in dem Unternehmen aufgefordert wurden, der Regierung freiwillig frühzeitigen Zugang zu Modellen für Testzwecke zu gewähren. Die Regierung begründet ihre verstärkte Aufsicht mit den massiven Cybersicherheitsrisiken, die hochentwickelte KI-Tools mit sich bringen.
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Zur AktienanalyseChinesische Konkurrenz erhöht den Druck
Der Regulierungsdruck trifft die US-KI-Branche zu einem heiklen Zeitpunkt. Das chinesische Startup Moonshot AI stellte am Freitag sein Modell Kimi K3 vor, das leistungsmäßig weitgehend zu „Fable" und GPT-5,6 aufgeschlossen hat und die US-Frontier-Modelle in mindestens einem unabhängigen Benchmark sogar übertraf. Günstigere Open-Weight-Modelle aus China holen den Vorsprung der US-Frontier-Labore damit schnell auf.
David Sacks, Gründer von Craft Ventures und ehemaliger KI-Beauftragter des Weißen Hauses, bezeichnete den Durchbruch von Kimi als „besorgniserregend". „So verliert man das KI-Wettrennen", schrieb er. „Der Rest der Welt wird sich nicht an unsere Regeln halten, wenn wir uns selbst ausbremsen." Die Debatte über das richtige Gleichgewicht zwischen Sicherheit und Innovationsfreiheit dürfte damit erst am Anfang stehen.


