Wells Fargo stuft Roku nach starkem Q2 auf „Equal Weight" herab
Trotz glänzender Quartalszahlen sieht Wells Fargo bei Roku kaum noch Kurspotenzial – die geplante Fox-Übernahme begrenzt den Spielraum.

Wells Fargo hat die Aktie von Roku am Freitag von „Overweight" auf „Equal Weight" herabgestuft. Gleichzeitig senkte die US-Großbank ihr Kursziel leicht von 167 auf 165 US-Dollar. Auslöser der Neubewertung ist nicht etwa eine schwache operative Entwicklung – im Gegenteil: Roku überzeugte im zweiten Quartal mit starken Zahlen. Das Problem liegt vielmehr in der Bewertung, die angesichts der bevorstehenden Übernahme durch Fox Corp. nur noch begrenztes Aufwärtspotenzial bietet.
Roku schloss am 13. August bei 154,08 US-Dollar. Wells Fargo bewertet die Aktie im Rahmen der geplanten Transaktion mit 96 US-Dollar je Aktie in bar sowie 69 US-Dollar in Fox-Aktien. Der Abschluss des Deals wird für die erste Jahreshälfte 2027 erwartet. Das Risiko des Scheiterns schätzt die Bank als gering ein, da kein alternativer Bieter in Sicht ist.
Starke Q2-Zahlen als Ausgangspunkt der Neubewertung
Der Plattformumsatz von Roku stieg im zweiten Quartal im Jahresvergleich um 25 Prozent auf 1,22 Milliarden US-Dollar und übertraf damit die Schätzungen von Wells Fargo um 4 Prozent. Die Einnahmen aus Abonnements und sonstigen Bereichen wuchsen um 25,6 Prozent. Besonders beeindruckend fiel das bereinigte EBITDA aus: Es erreichte 254,3 Millionen US-Dollar – deutlich über der Prognose des Brokerhauses von 175,9 Millionen US-Dollar. Der freie Cashflow belief sich auf 280,9 Millionen US-Dollar.
Wells Fargo hob daraufhin seine Umsatzprognosen für 2026 und 2027 um 3,8 beziehungsweise 4,6 Prozent an – auf 5,76 Milliarden beziehungsweise 6,45 Milliarden US-Dollar. Die Schätzung für das bereinigte EBITDA 2026 wurde um 12 Prozent auf 761 Millionen US-Dollar erhöht. Die Prognose für 2027 wurde hingegen von 869 Millionen auf 837 Millionen US-Dollar gesenkt, da die Bank höhere Betriebskosten zur Unterstützung des Geräteabsatzes erwartet.
Wachstumstreiber: Werbung, Abonnements und Sport
Wells Fargo betont, dass die Trends bei Werbung und Abonnements weiterhin stark seien und sich die Einnahmen im Bereich Medien und Unterhaltung weiter verbesserten. Schätzungen zufolge könnte politische Werbung rund 161 Millionen US-Dollar zum Umsatz im Jahr 2026 beitragen. Sportprogramme könnten das Abonnentenwachstum in der zweiten Jahreshälfte zusätzlich ankurbeln – insbesondere mit Beginn der Football-Saison.
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Zur AktienanalyseAuf der Kostenseite weist die Bank jedoch auf Druck bei den Gerätemargen hin. Höhere Chip- und Speicherkosten belasten das Segment. Zudem könnten die Ausgaben für Vertrieb und Marketing in der zweiten Jahreshälfte steigen, um den Absatz über Distributoren und Kanäle zu fördern. Bemerkenswert: Der Bruttogewinn im Gerätesegment im zweiten Quartal enthielt eine geschätzte Zollrückerstattung von 38 Millionen US-Dollar vor Steuern – ein Einmaleffekt, der die Zahlen positiv beeinflusst hat.
Für Anleger bedeutet die Herabstufung durch Wells Fargo vor allem eines: Der Markt preist die Fox-Übernahme zunehmend ein, und der Kurs nähert sich dem implizierten Transaktionswert. Wer auf einen deutlichen Kursanstieg über das Übernahmeniveau hinaus spekuliert, dürfte laut Wells Fargo enttäuscht werden. Die operative Stärke von Roku ist unbestritten – doch das Kurspotenzial ist durch den laufenden Deal gedeckelt.


