Weltbank-Chefökonom Indermit Gill tritt im August in den Ruhestand
Weltbank-Präsident Ajay Banga informierte Mitarbeiter per Memo über den bevorstehenden Abgang des langjährigen Chefökonomen.

Der Chefökonom der Weltbank, Indermit Gill, wird Ende August in den Ruhestand treten. Das geht aus einem internen Memo von Weltbank-Präsident Ajay Banga hervor, das Reuters am Donnerstag einsehen konnte. Gill hatte das Amt des Chefökonomen und Senior-Vizepräsidenten im September 2022 übernommen.
Banga würdigte in dem Schreiben Gills langjährige Karriere bei der Weltbankgruppe. Zuvor hatte Gill als Vizepräsident für gerechtes Wachstum, Finanzen und Institutionen gewirkt. Auf den Posten des Chefökonomen berufen hatte ihn Bangas Vorgänger David Malpass.
Karriere zwischen Wissenschaft und Entwicklungspolitik
Gill ist gebürtiger Inder und eingebürgerter US-Staatsbürger. Bevor er 1993 zur Weltbank kam, lehrte er an der University of Chicago und der State University of New York. Später unterrichtete er mehrere Jahre an der Duke University und leitete dort das internationale Entwicklungszentrum.
Banga hob in seinem Memo besonders Gills Beitrag zur Förderung von Transparenz durch Daten hervor. Konkret verwies er auf die Arbeit des Ökonomen zur Verbesserung der Schuldentransparenz, Nachhaltigkeit und Umstrukturierung für Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen. „Unter seiner Führung wurde die Forschung zu Kleinstaaten, einkommensschwachen Ländern, Industriepolitik, Klimaresilienz und öffentlichen Finanzen gestärkt", schrieb Banga.
Neustart nach dem „Doing Business"-Skandal
Eine besondere Aufgabe übernahm Gill im Zusammenhang mit dem sogenannten „Doing Business"-Ranking der Weltbank. Dieses musste 2022 eingestellt werden, nachdem peinliche Enthüllungen über Datenunregelmäßigkeiten und Bevorzugungen gegenüber China bekannt geworden waren. Gill leitete daraufhin die Bemühungen, ein neues, glaubwürdiges Nachfolgeformat zu etablieren – das heute unter dem Namen „Business Ready" bekannt ist und das Geschäftsklima in bis zu 180 Ländern bewertet.
Banga betonte zudem, dass Gill dazu beigetragen habe, die Forschungsarbeit der Weltbank durch engere Partnerschaften mit Think Tanks und Forschungszentren in Rom und Tokio in globale politische Debatten einzubringen. Die Weltbank werde in Kürze mit dem Prozess zur Auswahl eines Nachfolgers beginnen, kündigte Banga an.
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Zur AktienanalyseGleichzeitiger Abgang beim IWF
Gills Abgang fällt zeitlich mit einem weiteren hochrangigen Personalwechsel zusammen: Auch Pierre-Olivier Gourinchas, Chefökonom des Internationalen Währungsfonds (IWF), wird seinen Posten in diesem Sommer verlassen. Der IWF hatte dies am 1. Mai bekanntgegeben.
Die Abgänge beider Chefökonomen erfolgen in einer besonders turbulenten Phase der Weltwirtschaft. Sowohl die Weltbank als auch der IWF warnen derzeit davor, dass ein schwerer Energieschock infolge des anhaltenden Konflikts im Nahen Osten die Inflation in die Höhe treibt und das globale Wachstum bremst. In diesem Umfeld kommt der Besetzung beider Schlüsselpositionen besondere Bedeutung zu.

