Weltbank: Nigerias Wirtschaft wächst trotz Iran-Krieg und hoher Inflation
Die Weltbank erwartet für Nigeria 2026 ein Wachstum von 4,2 Prozent – trotz steigender Treibstoffpreise und anhaltend hoher Inflation.

Die nigerianische Wirtschaft zeigt sich widerstandsfähig und wird im ersten Halbjahr 2026 voraussichtlich wachsen. Das erklärte die Weltbank am Dienstag in der Hauptstadt Abuja. Gleichzeitig warnte sie, dass steigende Treibstoffkosten und eine anhaltend hohe Inflation die Einkommen schmälern und die Armutsbekämpfung verlangsamen könnten.
Fiseha Haile, leitender Ökonom der Weltbank für Nigeria, erläuterte, dass der Konflikt zwischen den USA und Israel auf der einen sowie dem Iran auf der anderen Seite die Preise zwar in die Höhe getrieben, die Produktion jedoch weitgehend unberührt gelassen habe. „Die allgemeine Geschäftstätigkeit hat in den letzten Monaten zugenommen, was darauf hindeutet, dass die Auswirkungen auf das Wachstum relativ begrenzt geblieben sind. Dennoch ist der Schock durch die höhere Inflation weiterhin spürbar", sagte Haile.
Tinubus Reformkurs zeigt erste Wirkung
Präsident Bola Tinubu, der sich nun in seinem dritten Amtsjahr befindet, hat die ehrgeizigste Wirtschaftsreform Nigerias seit Jahrzehnten eingeleitet. Er beendete kostspielige Treibstoff- und Energiesubventionen, wertete die Währung ab und reformierte das Steuersystem. Ziel war es, eine Wirtschaft zu stabilisieren, die durch hohe Inflation, Währungsschwäche und externe Schocks erschüttert worden war.
Die Inflation sank im Februar deutlich auf 15,06 Prozent, verglichen mit rund 33 Prozent im Dezember 2024. Dennoch bleibt sie im regionalen Vergleich hoch und steht seit Beginn des Nahostkonflikts erneut unter Druck. Die Treibstoffpreise sind während des Iran-Krieges um mehr als 50 Prozent gestiegen, was sich direkt auf Transport-, Lebensmittel- und Produktionskosten auswirkt. Haile empfahl, die Beschränkungen für Treibstoffimporte aufzuheben, um den Inflationsdruck zu mildern.
Haushalt und Schulden stabilisieren sich
Nigerias externe Puffer haben sich verbessert: Die Währungsreserven steigen, und die Volatilität lässt nach. Das Haushaltsdefizit weitete sich 2025 leicht auf 3,1 Prozent des BIP aus, bleibt jedoch niedriger als in den Jahren vor den Reformen. Haile hob hervor, dass die Schuldenquote zum ersten Mal seit einem Jahrzehnt gesunken sei – begünstigt durch stärkere Haushaltsdisziplin und Bewertungsgewinne beim Wechselkurs.
Dennoch bestehen Risiken: Strengere globale Finanzierungsbedingungen bedrohen weiterhin die Kapitalzuflüsse, die Kreditkosten und die Rücküberweisungen aus dem Ausland. Die Weltbank forderte die nigerianischen Behörden auf, Mehreinnahmen aus höheren Ölpreisen zu sparen, die Geldpolitik straff zu halten und pauschale Subventionen zu vermeiden.
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Zur AktienanalyseFrühkindliche Entwicklung als dringende Priorität
Über die makroökonomische Stabilisierung hinaus mahnte die Weltbank, die Reformen für ein inklusives langfristiges Wachstum zu beschleunigen. Besonderes Augenmerk legte Haile dabei auf die frühkindliche Entwicklung. Die Zahlen sind alarmierend: 110 Todesfälle pro 1.000 Kinder vor dem fünften Lebensjahr, rund 40 Prozent der Kinder sind in ihrer körperlichen Entwicklung beeinträchtigt, und mehr als die Hälfte erreicht vor der Einschulung keine entwicklungsbedingten Meilensteine. Haile bezeichnete diese Situation als „Krise".
Die Herausforderung bestehe laut Haile darin, ein „kohärentes, kontinuierliches und kindzentriertes Paket" von der Schwangerschaft bis zum fünften Lebensjahr bereitzustellen. Dieses müsse Gesundheit, Ernährung, Wasser- und Sanitärversorgung sowie grundlegendes Lernen umfassen. Jüngste Investitionen in Gesundheit und Ernährung seien zwar ermutigend, reichten aber noch nicht aus.


