Weniger Ausbildungsplätze in jedem vierten Betrieb
Viele Firmen finden keine geeigneten Bewerber und setzen zunehmend auf Azubis aus dem Ausland

Immer mehr Unternehmen in Deutschland reduzieren ihr Ausbildungsangebot – obwohl viele händeringend nach Fachkräften suchen. Laut einer aktuellen Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) plant mehr als jedes vierte Unternehmen, in diesem Jahr weniger Ausbildungsplätze anzubieten. Besonders ausgeprägt ist dieser Rückgang bei Betrieben in wirtschaftlichen Schwierigkeiten: Dort will fast jedes zweite Unternehmen das Ausbildungsangebot kürzen.
Die wirtschaftliche Lage erweist sich für viele Firmen als größte Herausforderung. Während 26 Prozent der Unternehmen ihre Ausbildungszahlen verringern wollen, planen nur 15 Prozent eine Ausweitung. Die Mehrheit von 59 Prozent bleibt beim bisherigen Niveau. DIHK-Experte Achim Dercks warnt vor den langfristigen Folgen: Wer heute zu wenig ausbilde, habe morgen zu wenig Fachkräfte. Die Zahlen belegen zudem, dass fast jeder zweite Betrieb im vergangenen Ausbildungsjahr nicht alle Stellen besetzen konnte.
Besonders betroffen von den Besetzungsschwierigkeiten sind Unternehmen aus Industrie, Bau, Handel und Verkehr. Die Ursachen dafür liegen laut der Umfrage weniger im allgemeinen Mangel an Bewerbungen – diesen nennen nur rund ein Drittel der betroffenen Betriebe. Viel gravierender wiegt, dass fast drei Viertel der Unternehmen keine geeigneten Bewerber fanden. Mängel bei den schulischen Grundkenntnissen sowie im Arbeits- und Sozialverhalten zählen zu den Hauptproblemen.
Insgesamt 87 Prozent der Firmen sehen Defizite bei den Ausbildungsvoraussetzungen der Bewerber. Besonders oft genannt werden fehlende Belastbarkeit, mangelnde Disziplin sowie unzureichende mentale Leistungsfähigkeit und Motivation. Hinzu kommt, dass es an Basisfähigkeiten wie Lesen, Schreiben und Rechnen mangelt. Dercks fordert daher einen stärkeren Fokus der Schulen auf grundlegende Kompetenzen, um Jugendlichen den Einstieg ins Berufsleben zu erleichtern.
Trotz aller Schwierigkeiten übernehmen zwei Drittel der Unternehmen alle ausgebildeten Azubis. Angesichts leerer Bewerbermappen setzen viele Betriebe inzwischen auch auf Auszubildende aus Nicht-EU-Staaten. Jeder dritte Betrieb hat bereits junge Menschen aus sogenannten Drittstaaten eingestellt, ein weiteres Viertel plant dies für die Zukunft. Dabei kämpfen die Unternehmen allerdings mit Hindernissen wie fehlenden Sprachkenntnissen, hoher Bürokratie und knappem Wohnraum.
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Zur AktienanalyseKleine und mittelständische Unternehmen sind besonders betroffen: Sie erhalten häufig überhaupt keine Bewerbungen mehr. Immer mehr von ihnen schauen sich daher international um. 57 Prozent der Betriebe suchen bereits gezielt im Ausland nach Nachwuchskräften – ein Trend, der sich in Zukunft wohl noch verstärken wird.


