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Wie US-Unternehmen trotz Inflation und hoher Zinsen überzeugen

Hohe Ölpreise, hartnäckige Inflation und ein schwacher Immobilienmarkt – dennoch übertrafen 84% der S&P-500-Unternehmen die Analystenerwartungen.

Wie US-Unternehmen trotz Inflation und hoher Zinsen überzeugen

Das wirtschaftliche Umfeld in den USA bleibt widersprüchlich. Ölpreise auf hohem Niveau, eine Inflation, die hartnäckig über dem Zielwert der US-Notenbank Federal Reserve verharrt, und Hypothekenzinsen von nahezu 7%, die den Immobilienmarkt belasten – unter normalen Umständen würde man erwarten, dass diese Kombination die Unternehmensgewinne spürbar unter Druck setzt.

Stattdessen zeigt die aktuelle Berichtssaison ein überraschendes Bild: Rund 84% der Unternehmen im S&P 500, die Ergebnisse für das erste Quartal vorlegten, übertrafen die Schätzungen der Analysten beim Gewinn je Aktie (EPS). Doch wie lässt sich diese Diskrepanz erklären?

Effizientere Konzerne als Schlüssel zum Erfolg

Ein wesentlicher Teil der Antwort liegt in der gestiegenen operativen Effizienz der Großkonzerne. Während des Inflationsschubs der vergangenen Jahre haben viele Unternehmen aggressiv Kosten gesenkt, Abläufe automatisiert, das Personalwachstum reduziert und Lieferketten optimiert. Entscheidend dabei: Die meisten dieser Effizienzmaßnahmen verschwanden nicht, als die Inflation nachließ – in vielen Fällen wurden sie dauerhaft etabliert.

Gleichzeitig erwiesen sich mehrere Sektoren als überraschend widerstandsfähig. Reisen und Freizeit, Technologie, Energie, Gesundheitswesen und Konsumdienstleistungen zeigten sich robuster als erwartet. Die US-Einzelhandelsumsätze beliefen sich im April auf insgesamt mehr als 757 Milliarden US-Dollar, während die Arbeitslosigkeit mit 4,3% relativ niedrig blieb. Die Konsumausgaben haben sich zwar von ihren Höchstständen nach der Pandemie verlangsamt, sind aber nicht eingebrochen.

KI und Cloud treiben Technologiegewinne

Eine besonders wichtige Rolle spielt der Technologiesektor. Large-Cap-Technologieunternehmen profitieren weiterhin von Ausgaben im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz (KI), der Nachfrage nach Cloud-Infrastruktur und Software-Abonnements, die wiederkehrende Umsätze generieren. Microsoft meldete kürzlich ein vierteljährliches Umsatzwachstum von 18%, während der Umsatz von Nvidia im Bereich Rechenzentren im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt wurde. Diese Unternehmen allein haben ein enormes Gewicht für die gesamten Gewinnergebnisse des S&P 500.

Hinzu kommt ein oft übersehener Faktor: die Erwartungen selbst. Analysten an der Wall Street haben einen Großteil des vergangenen Jahres damit verbracht, ihre Gewinnprognosen angesichts von Rezessionssorgen, höheren Zinsen und verlangsamtem Wachstum zu senken. In vielen Fällen benötigten die Unternehmen gar keine spektakulären Ergebnisse, um die Schätzungen zu übertreffen – sie brauchten lediglich Ergebnisse, die weniger schlecht ausfielen als befürchtet.

Risiken bleiben bestehen

Das bedeutet jedoch nicht, dass die Wirtschaft außergewöhnlich stark ist. Die Aktivitäten am Immobilienmarkt bleiben schwach, Zahlungsausfälle nehmen in bestimmten Konsumkategorien allmählich zu, und viele Haushalte mit geringerem Einkommen stehen weiterhin unter dem Druck erhöhter Kreditkosten und der Inflation. Kleine Unternehmen und zyklische Branchen bleiben zudem weitaus anfälliger als große multinationale Konzerne mit Preismacht und starken Bilanzen.

Auch die Nachhaltigkeit der aktuellen Gewinndynamik ist fraglich. Es gibt eine Grenze dafür, wie stark Kostensenkungen das Gewinnwachstum stützen können. Sobald die leichteren Effizienzgewinne ausgeschöpft sind, könnten Unternehmen eine stärkere zugrunde liegende Nachfrage benötigen, um ihre Gewinne im gleichen Tempo weiterzusteigern.

Zudem konzentrieren sich einige der größten Beiträge zum Gewinnwachstum des S&P 500 stark auf eine Handvoll Mega-Cap-Technologieunternehmen, die von KI-bezogenen Ausgaben profitieren. Sollte sich dieser Investitionszyklus verlangsamen oder die Technologiebudgets der Unternehmen gekürzt werden, könnte das gesamte Gewinnwachstum des Index deutlich schwächer ausfallen.

Das aktuelle Umfeld spiegelt daher weniger eine breite wirtschaftliche Stärke wider, sondern zeigt vielmehr, wie widerstandsfähig eine relativ kleine Gruppe dominanter Unternehmen geworden ist. Sollten die Konsumausgaben weiter nachlassen, die Arbeitslosigkeit steigen oder die Kreditbedingungen zu lange restriktiv bleiben, könnte sich die Lücke zwischen starken Unternehmensgewinnen und einer schwächeren zugrunde liegenden Wirtschaft letztlich schließen.

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