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Wie viele Ladesäulen braucht Deutschland?

Wie die private Ladeinfrastruktur die E-Mobilität in Deutschland vorantreibt

Wie viele Ladesäulen braucht Deutschland?

Die Verkehrswende zur Elektromobilität hat in Deutschland längst begonnen. Die Zahl der zugelassenen Elektroautos steigt stetig, ebenso wie die Anzahl der Ladestationen. Doch wie sieht es mit der öffentlichen Ladeinfrastruktur in Deutschland aus? Braucht es mehr öffentliche Ladesäulen oder sind private Wallboxen der Schlüssel zur Verkehrswende?

Die Statistik der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur zeigt, dass bislang 688.562 der geförderten Wallboxen in Betrieb genommen wurden. Weitere 285.887 Wallboxen sind noch in Planung. Privatpersonen profitierten über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) von staatlichen Fördermitteln in Höhe von bis zu 900 Euro pro Stück. Doch nicht nur Privatpersonen profitierten von dieser Förderung. Auch Unternehmen und Kommunen konnten über die KfW finanzielle Unterstützung für ihre Flotten erhalten.

Auf ein reines E-Auto kommt in Deutschland derzeit mutmaßlich ein Ladepunkt. Insgesamt wurden zum Stichtag 1. Januar 2023 rund 1,01 Millionen Elektroautos in Deutschland zugelassen. Hinzu kommen knapp 865.000 Plug-in-Hybride. Doch auch wenn sich immer mehr private Haushalte eine eigene Ladestation installieren, ist die öffentliche Ladeinfrastruktur nach wie vor eine Herausforderung.

Der Automobilverband VDA konzentriert sich in seinem Ladesäulen-Ranking ausschließlich auf die öffentliche Infrastruktur. Ende April veröffentlichte der Verband seine neue Jahresauswertung, in der er feststellte, dass der Ausbau der Ladeinfrastruktur noch immer hinterherhinkt. VDA-Präsidentin Hildegard Müller forderte daher mehr Tempo und Entschlossenheit beim Ausbau. Die Statistik der Bundesnetzagentur verzeichnet zum Jahresbeginn 80.541 öffentliche Ladesäulen. Im Durchschnitt teilen sich rund 23 Elektroautos - reine E-Autos sowie Plug-in-Hybride - einen öffentlichen Ladepunkt. Doch die Unterschiede innerhalb Deutschlands sind enorm.

Je nach Region gibt es noch immer große Unterschiede bei der öffentlichen Ladeinfrastruktur. Während in der Stadt Emden auf eine öffentliche Ladesäule 5,9 E-Autos kommen, müssen in Offenbach 116,9 E-Autos um einen Ladepunkt in der Stadt kämpfen. Die große Herausforderung besteht jedoch in den Ballungszentren, in denen viele Menschen in Mietwohnungen leben und keine eigenen Parkplätze haben. Hier sind private Wallboxen keine Option, und es bedarf öffentlicher Ladeinfrastruktur, um die Verkehrswende voranzutreiben.

Der Experte Till Gnann vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung in Karlsruhe sieht die Frage nach der öffentlichen Ladeinfrastruktur differenziert. Er betont, dass Lademöglichkeiten zu Hause und am Arbeitsplatz genauso viel oder sogar mehr bewirken können. Rund 60 Prozent aller Pkw-Fahrer verfügten über eine eigene Garage, und die Hälfte aller Pkw in Deutschland stünden in Gemeinden, die weniger als 20.000 Einwohner hätten, so Gnann. Das Großstadt-Problem, das VDA-Präsidentin Hildegard Müller anspricht, sieht der Fraunhofer-Experte deshalb nicht als entscheidende Hürde an. Allerdings räumt er ein, dass Schnellladesäulen in Ballungszentren noch zu dünn gesät seien. Er schlägt daher vor, alternative Konzepte zu entwickeln, die für all jene funktionieren, die zu Hause keine private Wallbox haben. Ein Beispiel dafür wäre ein Anwohner-Laden auf Parkplätzen von Einkaufszentren oder Supermärkten, die nachts mit Wallboxen ausgestattet zum Laden benutzt werden können.

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