Windkraftaktien im Spannungsfeld von Politik und Märkten
Von geplatzten Projekten bis zu Chancen bei Zulieferern und Infrastruktur

Die jüngste Auktion der Bundesnetzagentur für Offshore-Windparkflächen in der Nordsee endete ohne Gebot. Die beiden Gebiete N-10.1 und N-10.2 fanden keinen Investor, obwohl sie vorab auf ihre Eignung geprüft und Umweltberichte erstellt worden waren. Es ist das erste Mal, dass in Deutschland ein solches Bieterverfahren scheiterte. Branchenvertreter sehen darin ein Zeichen für gestiegene Risiken in der Entwicklung von Offshore-Projekten. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hat inzwischen angekündigt, den Ausbau von Windkraft auf See zu verlangsamen, um Kosten für die Netzanbindung zu sparen.
Noch drastischer sind die Entwicklungen in den USA. Präsident Donald Trump ordnete Ende August per Dekret den Baustopp des Projekts Revolution Wind an. Der dänische Entwickler Ørsted hatte bereits neun Jahre in Planung und Genehmigungen investiert, zudem waren Fundamente und ein Großteil der Turbinen installiert. Nun liegt die Entscheidung über die Zukunft des Projekts bei Richtern, während Ørsted täglich hohe Stillstandskosten trägt. An der Börse verlor die Aktie des Konzerns seither rund 40 Prozent. Auch Wettbewerber wie Vestas und EDP Renováveis verzeichneten deutliche Kursrückgänge.
Trotz dieser Rückschläge steigt der globale Strombedarf weiter. Der Anteil der Windkraft liegt derzeit bei acht Prozent am Energiemix. Experten rechnen mit zusätzlichem Wachstum durch Anwendungen wie Künstliche Intelligenz, Elektroautos und Wärmepumpen. Dennoch bleibt die Unsicherheit für Anleger hoch. Besonders Projektentwickler wie Ørsted kämpfen mit hohen Risiken. Der Konzern muss zusätzlich rund acht Milliarden Euro über eine Kapitalerhöhung einwerben, um Lücken bei Projekten wie Sunrise Wind zu schließen.
Stabiler präsentiert sich Nordex. Der Hamburger Turbinenbauer hat in 40 Jahren Windanlagen mit einer Kapazität von 57 Gigawatt errichtet und ist international breit aufgestellt. Rückstellungen für frühere Qualitätsprobleme könnten bald entlastend wirken. Neue Aufträge aus Ecuador und Deutschland stärken die Position, zudem wächst das margenstarke Servicegeschäft zweistellig. Die Bilanz ist schuldenfrei, und die Auftragsbücher sind gut gefüllt.
Auch Siemens Energy zeigt Stärke. Nach einer schwierigen Phase mit der Windtochter Gamesa hat der Konzern seinen Auftragsbestand auf 133 Milliarden Euro gesteigert. Mit großen Offshore-Turbinen will Gamesa die chinesische Konkurrenz überholen. Siemens Energy profitiert zugleich von der politischen Förderung von Gaskraftwerken, die im Zusammenspiel mit Windanlagen die Stromversorgung sichern.
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Zur AktienanalyseAndere Unternehmen setzen auf Infrastruktur. Prysmian liefert Hochleistungskabel für Windparks und Stromnetze und profitiert von der Energiewende. Cadeler wiederum betreibt Spezialschiffe für Installation und Wartung von Offshore-Anlagen und verfügt über langfristige Verträge. Beide Unternehmen bieten margenstarke und planbare Geschäfte, die weniger direkt von politischen Risiken betroffen sind.


