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WTI-Rohöl: Preisabschlag zu Brent auf 8-Monats-Tief

Der Preisabschlag von US-Rohöl (WTI) gegenüber Brent hat den größten Stand seit acht Monaten erreicht. Grund sind massive Öl-Umverteilungen aus Venezuela in die USA, die das Angebot deutlich erhöhen.

WTI-Rohöl: Preisabschlag zu Brent auf 8-Monats-Tief

Der Preisunterschied zwischen US-amerikanischem WTI-Rohöl und dem globalen Referenzwert Brent ist seit Anfang Januar um rund 1 Dollar pro Barrel gestiegen. Am Dienstag wurde WTI mit einem Abschlag von 4,76 Dollar pro Barrel gegenüber Brent gehandelt – der größte Unterschied seit April 2024.

Venezuela-Krise verändert Ölmärkte

Auslöser der Entwicklung ist die politische Krise in Venezuela. Nach der Absetzung von Präsident Nicolas Maduro am 3. Januar durch die USA wurden die Ölströme des südamerikanischen Landes neu geordnet. Bis zu 50 Millionen Barrel venezolanisches Rohöl sollen nun in den US-Markt gelangen, nachdem Washington eine Einigung mit der Übergangsregierung in Caracas erzielt hat.

Die WTI-Brent-Spanne weitete sich in der vergangenen Woche um 21 Prozent aus – die größte wöchentliche Veränderung seit Juni 2025. Millionen Barrel, die ursprünglich für andere Märkte bestimmt waren, wurden in US-Häfen umgeleitet.

US-Ölexporte vor deutlichem Anstieg

Experten erwarten einen deutlichen Anstieg der US-Rohölexporte. Matt Smith, leitender Ölanalyst beim Schiffsverfolgungsunternehmen Kpler, rechnet mit einer Steigerung um zusätzliche 100.000 Barrel pro Tag in den ersten drei Monaten 2025. Im Dezember exportierten die USA durchschnittlich 3,7 Millionen Barrel pro Tag.

Händler benötigen normalerweise einen Abschlag von mindestens 4 Dollar pro Barrel, um bei Exporten nach Europa oder Asien Gewinn zu erzielen. Diese Schwelle ist aktuell erreicht, was das Arbitragefenster für transatlantische Ölgeschäfte öffnet.

Geopolitische Spannungen belasten Brent stärker

Die wachsende Preisdifferenz hat mehrere Ursachen. Eskalierende Spannungen im Iran treiben den Brent-Preis schneller nach oben als WTI. Gleichzeitig dämpft die Erwartung reichlicher Vorräte durch venezolanische Lieferungen die WTI-Preise.

"Ein höheres US-Rohölangebot würde mehr inländische WTI-Barrel in die Exportmärkte drängen", erklärt Dylan White, Direktor für nordamerikanische Rohölmärkte bei Wood Mackenzie. "Es wird erwartet, dass die relativen WTI-Preise stärker rabattiert werden, da zusätzliche Exporte in einen überversorgten Weltmarkt gelangen."

Auswirkungen auf europäische Märkte

Auch in Europa zeigen sich die Effekte. Das Nordsee-Rohöl Forties, Teil des Dated-Brent-Korbs, wurde für Anfang März mit einem Aufschlag von 1,30 Dollar pro Barrel gegenüber WTI-Ladungen in Europa bewertet. Analysten von Sparta Commodities weisen darauf hin, dass eine solche Spanne selten lange aufrechterhalten wird.

Der Aufschlag von Brent gegenüber dem Nahost-Referenzwert Dubai stieg am Dienstag auf den höchsten Stand seit Juli. John Evans, Analyst bei PVM Oil Associates, sieht darin einen Hinweis auf mögliche Verschiebungen bei asiatischen Käufern: "Wenn China wieder in den Kauf einsteigt und iranisches Rohöl nicht verfügbar ist, werden sich Ersatzkäufe bei Nahost-Sorten stärker in Brent als in WTI niederschlagen."

Langfristige Marktentwicklung unsicher

Wie sich die WTI-Brent-Spanne langfristig entwickelt, hängt maßgeblich davon ab, wie viel venezolanisches Rohöl tatsächlich dauerhaft in die USA gelangt. Wenn ein größerer US-Überschuss entsteht, werden diese Barrel voraussichtlich nach Europa oder Asien verlagert, was die globalen Handelsströme nachhaltig verändern könnte.

Der bisherige Rekord für US-Rohölexporte liegt bei 4,47 Millionen Barrel pro Tag aus dem März 2023. Damals betrug der WTI-Abschlag etwa 6,50 Dollar pro Barrel.

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