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Zentralbanken im Fokus: SNB hält Kurs bei Nullzinsen

Während globale Märkte auf geopolitische Entspannung reagieren, bleibt die Schweizerische Nationalbank bei ihrer ultralockeren Geldpolitik.

Zentralbanken im Fokus: SNB hält Kurs bei Nullzinsen

Die Finanzmärkte stehen vor einer entscheidenden Woche: Mehrere große Zentralbanken weltweit verkünden ihre geldpolitischen Entscheidungen. Im Mittelpunkt steht dabei die Schweizerische Nationalbank (SNB), die laut einer Reuters-Umfrage unter 35 Ökonomen ihren Leitzins bei 0 % belassen wird. Diese Einschätzung ist einstimmig – alle befragten Experten erwarten keine Änderung.

Der Schweizer Leitzins ist derzeit der niedrigste weltweit. Laut der Umfrage, die zwischen dem 11. und 15. Juni durchgeführt wurde, soll dieser Satz bis Ende 2026 unverändert bleiben. Nur eine kleine Minderheit der Analysten rechnet mit möglichen Zinserhöhungen im Jahr 2027.

Starker Franken als Inflationsbremse

Ein wesentlicher Grund für die stabile Geldpolitik der SNB ist die außergewöhnlich niedrige Inflation in der Schweiz. Die Teuerungsrate lag im Mai bei lediglich 0,6 % – weit innerhalb des SNB-Zielkorridors von 0 % bis 2 %. Damit hebt sich die Schweiz deutlich von anderen großen Volkswirtschaften ab, die mit dem Inflationsdruck steigender Energiepreise zu kämpfen hatten.

Experten sehen im Schweizer Franken eine starke „desinflationäre Kraft", die die heimische Wirtschaft vor externen Preisschocks schützt. Der Franken hat in diesem Jahr gegenüber dem Euro um rund 1,2 % aufgewertet. Alessandro Di Spirito, Zinsstratege bei Barclays, beobachtet, dass die SNB weniger auf den globalen Energiepreisschock reagiert, sondern vielmehr auf Entwicklungen am Devisenmarkt und mögliche Turbulenzen im Zusammenhang mit dem Nahen Osten achtet. Die SNB hat signalisiert, bei Bedarf am Devisenmarkt zu intervenieren. Die Wachstumsprognosen für die Schweiz wurden leicht nach unten korrigiert: Für das laufende Jahr wird nun ein BIP-Wachstum von 1,0 % erwartet, für 2027 sind es 1,4 %.

Geopolitische Entspannung bewegt die Märkte

Parallel zur SNB-Entscheidung sorgt eine bedeutende geopolitische Entwicklung für Bewegung an den globalen Finanzmärkten. Ein US-iranisches Friedensabkommen hat die Nachfrage nach sicheren Häfen wie dem US-Dollar spürbar gedämpft. Der US-Dollar-Index fiel um 0,3 % auf ein 10-Tages-Tief, nachdem Washington und Teheran einem Rahmenabkommen zur Beendigung ihres Konflikts und zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus zugestimmt haben – einer kritischen Wasserstraße für globale Öllieferungen.

Die Entspannung schlug sich auch auf den Rohstoffmärkten nieder: Brent-Rohöl-Futures fielen um knapp 5 %. In Asien verbesserte sich die Risikobereitschaft der Anleger, und Währungen wie die indische Rupie verzeichneten merkliche Gewinne. Am 19. Juni sollen Vertreter der USA und des Iran in der Schweiz das Abkommen offiziell unterzeichnen – ein Schritt, der die Rolle der Schweiz als neutralen diplomatischen Knotenpunkt erneut unterstreicht.

Zentralbankwoche mit weiteren Entscheidungen

Die SNB-Entscheidung ist nur ein Teil einer ereignisreichen Woche für die globale Geldpolitik. Mehrere weitere wichtige Zentralbanken stehen im Blickpunkt der Investoren:

Federal Reserve (USA):

Die US-Notenbank wird nach ihrem zweitägigen Treffen, das am 17. Juni endet, voraussichtlich die Zinsen unverändert lassen. Besondere Aufmerksamkeit gilt den aktualisierten Wirtschaftsprojektionen und den Aussagen von Fed-Chef Kevin Warsh.

Bank of Japan:

Analysten erwarten einen bedeutenden Schritt der japanischen Notenbank, die ihren Leitzins auf 1 % anheben soll – ein Niveau, das seit über drei Jahrzehnten nicht mehr erreicht wurde.

Weitere Entscheidungen:

Auch die Reserve Bank of Australia, die Bank of England sowie Zentralbanken in Indonesien, Taiwan und den Philippinen werden in dieser Woche ihre geldpolitischen Beschlüsse bekanntgeben.

Trotz des Optimismus rund um den US-iranischen Waffenstillstand bleiben Analysten vorsichtig. MUFG-Analysten wiesen darauf hin, dass die langfristige Tragfähigkeit des Abkommens von den noch nicht offengelegten konkreten Bedingungen abhängt. Für die SNB bleibt die zentrale Herausforderung, die desinflationären Vorteile eines starken Frankens gegen die Notwendigkeit abzuwägen, eine Binnenwirtschaft zu stützen, deren Wachstumsaussichten leicht nach unten revidiert wurden. Marktbeobachter werden in den kommenden Tagen genau auf jede Veränderung in der Kommunikation der SNB achten, die auf eine Abkehr von ihrer aktuellen ultralockeren Haltung hindeuten könnte.

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