Zentralbanken sehen Stagflation als wahrscheinlichstes Fünfjahresszenario
Eine UBS-Umfrage zeigt: 52% der Reservemanager erwarten Stagflation – Diversifizierung weg von US-Vermögenswerten beschleunigt sich deutlich.

Laut der jährlichen Reserve Manager Survey von UBS Asset Management hält eine Mehrheit der Zentralbank-Reservemanager Stagflation für das wahrscheinlichste wirtschaftliche Szenario der kommenden fünf Jahre. 52% der Befragten nannten Stagflation als ihr Hauptszenario – ein deutlicher Anstieg gegenüber 39% im Vorjahr. Die Umfrage basiert auf Erkenntnissen von rund 30 führenden Zentralbanken, die beim Reserve Management Seminar der UBS in Wolfsberg in der Schweiz befragt wurden.
Stagflation bezeichnet eine wirtschaftliche Lage, in der gleichzeitig schwaches Wachstum, hohe Inflation und steigende Arbeitslosigkeit auftreten – eine besonders schwierige Kombination für Notenbanken und Anleger. Dass nun mehr als die Hälfte der befragten Reservemanager dieses Szenario für das wahrscheinlichste halten, unterstreicht die wachsende Besorgnis über die globale Wirtschaftsentwicklung.
Inflation verdrängt Geopolitik als Top-Thema
Besonders auffällig ist die Verschiebung der Prioritäten: Anhaltende Inflation und steigende langfristige Renditen haben die Geopolitik als dominierendes Thema abgelöst. Rund 82% der Befragten nannten steigende US-Zinsen und die Inflation als Hauptsorge bei der Anlage von Währungsreserven. Noch deutlicher ist das Bild beim Inflationsausblick: 79% der Reservemanager glauben, dass „wir in eine Phase höherer Inflation eingetreten sind, die über einen längeren Zeitraum anhalten wird".
Massimiliano Castelli, Leiter Strategie und Beratung bei UBS Asset Management, kommentierte die Ergebnisse mit den Worten, dass „Inflation und steigende langfristige Renditen wieder in das Zentrum der Sorgen gerückt sind". Er ergänzte, dass sich die Reservemanager „langsam auf ein multipolareres Währungssystem zubewegen", wobei der Euro und der Renminbi als Hauptprofiteure der Diversifizierungstrends gelten.
Diversifizierung weg von US-Vermögenswerten nimmt Fahrt auf
Die Abkehr von US-Vermögenswerten beschleunigt sich spürbar. 42% der Befragten haben ihr Engagement in US-Vermögenswerten bereits reduziert oder planen dies – nach lediglich 29% im Jahr 2024. Diese Entwicklung spiegelt das wachsende Interesse an einem breiteren, multipolareren Währungssystem wider, in dem der US-Dollar nicht mehr die alleinige Reservewährung dominiert.
Auch das Bild bei den bevorzugten Anlageklassen hat sich markant verändert. Gold, das im Vorjahr noch von 67% der Befragten als die Anlageklasse mit der besten Wertentwicklung über fünf Jahre eingestuft wurde, verlor massiv an Attraktivität: Nur noch 29% sehen Gold als Top-Performer. Auf risikobereinigter Basis werden nun stattdessen Aktien aus Industrie- und Schwellenländern als führende Anlageklasse angesehen.
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Zur AktienanalyseFed-Unabhängigkeit unter Beobachtung
Ein weiteres zentrales Thema der Umfrage betrifft die US-Notenbank Federal Reserve. 56% der befragten Reservemanager gaben an, dass die Ernennung von Warsh zum Fed-Vorsitzenden „die Unabhängigkeit der Fed etwas geschwächt hat". Die Unabhängigkeit der Zentralbanken gilt als entscheidender Faktor für die Glaubwürdigkeit der Geldpolitik und die Stabilität der Finanzmärkte – entsprechend aufmerksam verfolgen internationale Reservemanager personelle Veränderungen an der Fed-Spitze.
Die Ergebnisse der UBS-Umfrage zeichnen insgesamt ein Bild einer globalen Finanzwelt im Wandel: Stagflationsrisiken, eine nachlassende Dominanz des US-Dollars und Fragen zur institutionellen Unabhängigkeit der wichtigsten Notenbank der Welt prägen das Denken derjenigen, die weltweit Billionen von Dollar an Währungsreserven verwalten.

