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ZF Friedrichshafen kehrt zur Eigenfertigung von E-Motoren zurück

Nach monatelangem Machtkampf dreht ZF eine umstrittene Entscheidung zurück – doch der Stellenabbau geht weiter.

ZF Friedrichshafen kehrt zur Eigenfertigung von E-Motoren zurück

ZF Friedrichshafen hat eine der umstrittensten Entscheidungen der jüngsten Unternehmensgeschichte revidiert: Der Automobilzulieferer will E-Motoren und Wechselrichter künftig wieder selbst fertigen. Was wie ein Erfolg klingt, ist das Ergebnis eines monatelangen, zermürbenden Konflikts zwischen Vorstand, Betriebsrat und Aufsichtsrat – und kostet dennoch weitere Arbeitsplätze.

Im Sommer 2025 eskalierte der Streit bei ZF. Der damalige Vorstandschef Holger Klein wollte die Antriebsparte Division E ausgliedern und im schlimmsten Fall sogar verkaufen. Hintergrund: Schulden von über zehn Milliarden Euro drückten auf das Unternehmen. Der Betriebsrat schlug Alarm. Hunderte Mitarbeiter in den Werken Schweinfurt und Auerbach fertigen E-Motoren und Wechselrichter – ein Zukauf dieser Komponenten hätte massiven Stellenabbau bedeutet. Gesamtbetriebsratsvorsitzender Achim Dietrich erklärte damals öffentlich, das Vertrauen der Beschäftigten sei verloren.

Mitte 2025 genehmigte der Aufsichtsrat schließlich eine strategische Planung, die den Fremdbezug dieser Schlüsselkomponenten vorsah. Auf Betriebsversammlungen gab es Buh-Rufe. ZF-Personalvorständin Lea Corzilius schloss betriebsbedingte Kündigungen nicht mehr aus. Die Stimmung war vergiftet.

Führungswechsel als Wendepunkt

Der entscheidende Einschnitt kam Ende September 2025: Der Aufsichtsrat trennte sich von CEO Klein. Sein Nachfolger Mathias Miedreich schlug von Beginn an einen anderen Kurs ein. Er besuchte persönlich zahlreiche Standorte, suchte das Gespräch mit den Belegschaften und setzte auf Konsens statt Konfrontation. Mit den Arbeitnehmervertretern schloss er ein Bündnis: Arbeitszeitreduzierungen auf breiter Front, eine verschobene Tariferhöhung und ein Freiwilligenprogramm wurden vereinbart.

Miedreich sagte zudem zu, die Entscheidung zum Fremdbezug von E-Motoren und Wechselrichtern im Rahmen einer Sonderprüfung zu überprüfen. Das schuf Vertrauen – und Aufbruchstimmung. Eine Führungskraft beschrieb die Lage damals so: Der Priester habe bei ZF schon zur letzten Salbung vor der Tür gestanden. Viele hatten ernsthaft gezweifelt, ob ZF die Milliardenschulden aus eigener Kraft stemmen könnte.

Parallel dazu verkaufte Miedreich Geschäftsfelder, senkte Kosten, beendete verlustreiche Projekte und baute in kleinem Umfang Schulden ab. Neue Milliardenaufträge kamen hinzu. Das Ergebnis dieser Kehrtwende: Die Entscheidung, E-Motoren und Wechselrichter extern zu beziehen, wird nun zurückgedreht. Miedreich bezeichnet dies als „Entscheidung im Schulterschluss mit der Arbeitnehmervertretung" und als Teil der neuen ZF-Unternehmenskultur.

Eigenfertigung bleibt – aber Stellen fallen trotzdem weg

Doch die Rückkehr zur Eigenfertigung bedeutet nicht, dass Arbeitsplätze gesichert sind. Im Gegenteil: Division-E-Leiter Sebastian Schmitt erklärte gegenüber der WirtschaftsWoche, dass aufgrund der sogenannten Make-Entscheidung für E-Motoren und Wechselrichter „zusätzlich eine dreistellige Zahl an Jobs" abgebaut werden müsse. Wo genau, will er zunächst seinen Mitarbeitern erläutern.

Bereits im Oktober 2025 war bekannt geworden, dass der Vorstand in der Division E bis 2030 mit einem Stellenabbau von 7.600 Positionen rechnet – bei zuletzt rund 20.000 Beschäftigten in Deutschland (Stand Ende 2024). Die ursprüngliche Ankündigung aus dem Sommer 2024, konzernweit in Deutschland bis 2028 zwischen 11.000 und 14.000 Stellen zu streichen, bleibt bestehen. Betriebsratschef Dietrich bezeichnete das Ergebnis dennoch als „großen Erfolg für uns und die Beschäftigten in Deutschland".

Optimierungen in Technik und Produktion

Das Team um Schmitt hat in den vergangenen Monaten intensiv an der Wettbewerbsfähigkeit der Antriebsparte gearbeitet. Die Maßnahmen im Überblick:

  • Optimierung von Design und Technik der Produkte
  • Suche nach neuen, günstigeren Lieferanten
  • Reduzierung von Varianten und Bauteilkomplexität
  • Erhöhung des Automatisierungsgrads in der Produktion
  • Längere Nutzung vorhandener Maschinen
  • Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Entwicklung

Ein konkretes Ergebnis: Ein neu entwickelter Wechselrichter kommt mit der Hälfte der bisherigen Komponenten aus und ist 1,5 Kilogramm leichter. Trotz spürbarer Kostenverbesserungen blieb jedoch eine Lücke zu den angestrebten Zielkosten. „Um vollständig wettbewerbsfähig zu werden, sind zusätzliche strukturelle Maßnahmen notwendig", sagte Schmitt.

Noch im Juni soll ein neues Freiwilligenprogramm in der Division E starten. Für welche Bereiche genau, steht noch nicht fest. Den Großteil der strukturellen Anpassungen plant Schmitt für 2026. Der gesamte Prozess werde sich über zwei bis drei Jahre erstrecken. „Ich bin optimistisch, dass es gelingt", so Schmitt.

Nächste Herausforderung: mögliche Produktionsverlagerungen

Kaum ist die E-Motor-Frage geklärt, wartet die nächste schwierige Entscheidung. Es geht um eine mögliche Verlagerung von Produktion in Niedriglohnländer. Betroffen sein könnten dabei auch andere deutsche Division-E-Werke – darunter das große ZF-Getriebewerk in Saarbrücken. Schmitt gibt sich hier bewusst bedächtig: „Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit."

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