Zillow-CEO setzt auf KI für die nächste Immobilienrevolution
Jeremy Wacksman will den gesamten Hauskaufprozess per App abwickeln – und setzt dabei massiv auf Künstliche Intelligenz.

Eine Liste mit Adressen und ein Auto: So sieht die Haussuche für Amerikaner seit Jahrzehnten aus. Zillow-CEO Jeremy Wacksman kennt dieses Bild gut – und will es grundlegend verändern. Gemeinsam mit NBC News fuhr er kürzlich durch New Jersey, vorbei an einem Haus in Rutherford für rund 600.000 Dollar und kleinen Häusern in der Nachbarschaft für bis zu 2 Millionen Dollar. „Im Immobilienbereich hat sich vieles verändert", sagte Wacksman. „Aber es gilt immer noch ‚Lage, Lage, Lage'."
Wacksman ist seit 2009 bei Zillow – lange genug, um sich an eine Zeit zu erinnern, als Online-Immobilienanzeigen noch als Neuheit galten und der Gedanke, ein Haus online zu kaufen, exotisch und riskant wirkte. Seitdem hat Zillow den Markt maßgeblich mitgeprägt. Käufer und Verkäufer verfügen heute dank digitaler Plattformen über weitaus mehr Informationen als noch vor wenigen Jahrzehnten. Doch für Wacksman ist das erst der Anfang.
KI soll den Hauskauf in die App verlagern
Der nächste große Schritt, den Wacksman anstrebt, ist die vollständige Digitalisierung des Kaufprozesses selbst – unterstützt durch Künstliche Intelligenz. Derzeit verbringen Hauskäufer laut Wacksman über einen Zeitraum von fünf Monaten zwei bis drei Stunden pro Woche damit, von der ersten Besichtigung bis zum akzeptierten Angebot, der Finanzierung und dem Abschluss zu kommen. „Wir versuchen, die Software so zu entwickeln, dass Sie all das direkt in der App erledigen können", sagte er.
Konkret bedeutet das: Häuser auf Zillow finden, Favoriten speichern, eine Besichtigung buchen, den Makler treffen – und dann den gesamten weiteren Prozess digital abwickeln. Das Auto soll dabei weiterhin eine Rolle spielen, aber der bürokratische und zeitaufwändige Teil des Kaufs soll in die App wandern.
Im März rollte Zillow einen vollständigen „KI-Modus" aus und stellte die Technologie damit ins Zentrum seines Geschäftsmodells. Bereits im September hatte das Unternehmen eine KI-gestützte Funktion für virtuelles Staging eingeführt. Hinzu kommt SkyTour, ein drohnengestützter Videoservice. Beide Funktionen sollen potenziellen Käufern einen realistischen Eindruck einer Immobilie vermitteln – ohne das Auto verlassen zu müssen.
Proptech-Markt boomt – Milliarden fließen in die Branche
Zillow ist dabei nicht allein. Der Markt für technologieorientierte Immobilienunternehmen – in der Branche als „Proptech" bezeichnet – erlebt einen deutlichen Aufschwung. Laut dem Center for Real Estate Technology & Innovation erreichten die Proptech-Investitionen im ersten Quartal des laufenden Jahres 3,3 Milliarden Dollar, verglichen mit 2 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. KI gilt als wesentlicher Treiber dieses Wachstums.
Zu den prominenten Wettbewerbern zählt Opendoor, gegründet 2014, das Häuser ungesehen kauft und verkauft und mit Angeboten wirbt, die innerhalb von Minuten erstellt werden. Das Unternehmen Propy sammelte in diesem Jahr 100 Millionen Dollar ein, um KI und Blockchain-Technologie zur Automatisierung von Immobilienabschlüssen einzusetzen. Der Wettbewerb um die Digitalisierung des Immobilienmarkts ist also in vollem Gange.
Wacksman sieht Zillows wichtigsten Vorteil in den proprietären Daten, die das Unternehmen über Jahre hinweg angesammelt hat – von der bekannten „Zestimate"-Funktion zur automatisierten Immobilienbewertung bis hin zu virtuellen Hausbesichtigungen. „Ich denke, die einzige Konstante bei all dem ist, dass man das beste Produkt bauen muss", sagte er. „Man muss Käufern und Verkäufern eine Möglichkeit geben, mehr Informationen zu erhalten und sich handlungsfähiger zu fühlen."
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Zur AktienanalyseRisiken durch KI nicht außer Acht gelassen
Der rasante Fortschritt der KI-Technologie bringt jedoch auch Risiken mit sich. Es wurde bereits festgestellt, dass Vermieter KI einsetzen, um alte Immobilien in Inseraten besser aussehen zu lassen als sie tatsächlich sind. Im Dezember warnte das US-amerikanische Government Accountability Office, dass KI in Immobilien-Tools Bedenken hinsichtlich fairer Kreditvergabe, fairem Wohnungsbau sowie Verbraucher- und Datenschutzgesetzen aufwerfe.
Wacksman betonte, Zillow stelle sicher, offenzulegen, wenn KI zur Veränderung eines Bildes verwendet wird. Virtuelle Staging-Funktionen und KI-Modus sollen den Kaufprozess erleichtern, nicht die Realität verschleiern. Persönliche Besichtigungen und das klassische Auto-Scouting bleiben nach wie vor Teil des Prozesses – KI soll sie ergänzen, nicht ersetzen.

