Zuckerberg präsentiert erste KI-Brille mit Display
Pannen bei der Vorstellung, strategische Abkehr von Apple und Google

Mark Zuckerberg hat bei der hauseigenen Entwicklerkonferenz Connect im kalifornischen Menlo Park die erste KI-Brille mit hochauflösendem Display vorgestellt – ein Gerät, das der Meta-Chef als „Eye Phone“ bezeichnet. Die Premiere verlief allerdings nicht ohne Pannen. Ein virtueller Assistent, der beim Kochen helfen sollte, gab unlogische Anweisungen, und ein geplanter WhatsApp-Videoanruf über die neue Brille scheiterte. Zuckerberg führte die Probleme auf Verbindungsprobleme mit dem WLAN zurück, wirkte kurzzeitig irritiert, setzte seine Präsentation jedoch fort.
Die neue Brille ist in Zusammenarbeit mit dem italienischen Brillenkonzern EssilorLuxottica entstanden und soll eine neue Generation der Smart Glasses einläuten. Anders als die bisherigen Ray-Ban Meta Glasses kann das Modell Kurznachrichten, Fotos oder Navigationshinweise direkt ins Sichtfeld projizieren. Das Display ist so hell, dass es selbst in direkter Sonneneinstrahlung erkennbar bleibt, und blendet sich nach kurzer Zeit automatisch aus, um den Nutzer nicht dauerhaft zu stören.
Als Steuerung dient das sogenannte Meta Neural Band, ein Armband, das minimale Muskelbewegungen am Handgelenk erkennt. Damit lassen sich Nachrichten schreiben, Musik steuern oder Anrufe annehmen, ohne das Gerät zu berühren. Zuckerberg erklärte, er könne mit dieser Technik bereits 30 Wörter pro Minute eingeben. Die Brille versteht sich als Hybrid aus klassischem Smartphone und tragbarem Display und soll laut dem Konzern ein Schritt in Richtung „Personal Superintelligence“ sein – ein digitaler Begleiter, der permanent verfügbar ist und Informationen kontextabhängig bereitstellt.
Die Einführung hat für Meta auch eine strategische Dimension. Bislang ist das Unternehmen vollständig von Apples iOS und Googles Android abhängig, da Facebook, Instagram und WhatsApp nur über deren Plattformen verfügbar sind. Mit eigener Hardware will Meta selbst zum Gatekeeper werden. Seit der Umbenennung von Facebook in Meta im Jahr 2021 hat der Konzern fast 70 Milliarden Dollar in Reality Labs investiert, das für die Hardware zuständig ist. Allein im zweiten Quartal dieses Jahres beliefen sich die Verluste auf 4,5 Milliarden Dollar.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseDas neue Brillenpaket inklusive Armband soll in den USA ab Ende September für 799 Dollar erhältlich sein. Damit liegt der Preis auf dem Niveau des iPhone 17. Vorerst beschränkt sich Meta auf den US-Markt und ausgewählte Händler, eine Expansion nach Europa ist für 2026 geplant. Analysten sehen in der Entwicklung eine riskante Wette: Sollte Meta den Durchbruch schaffen, könnte das Unternehmen die Kontrolle über die nächste Plattform-Generation sichern. Scheitert das Projekt, droht Reality Labs jedoch zu einem dauerhaften Milliardengrab zu werden.

