Afrika fordert Wertschöpfung bei kritischen Mineralien für Industrialisierung
Südafrikas Minister Lamola mahnt: Afrika muss Rohstoffreichtum durch lokale Verarbeitung in echten Wohlstand und Arbeitsplätze verwandeln.

Südafrikas Minister für internationale Beziehungen und Zusammenarbeit, Ronald Lamola, hat beim „Ambassadorial Breakfast on Africa's Growth Through Critical Minerals" in Johannesburg eindringlich gefordert, dass Afrika seine enormen Vorkommen an kritischen Mineralien nicht länger unverarbeitet exportieren darf. Die Veranstaltung wurde am 7. August 2024 von der Absa Group in Zusammenarbeit mit dem südafrikanischen Außenministerium ausgerichtet. Lamola betonte, der Kontinent stehe im Zentrum der globalen Energiewende – und müsse diesen Moment strategisch nutzen.
Afrika verfügt laut Lamola über viele der Mineralien, die für saubere Energietechnologien unverzichtbar sind. Dazu zählen Metalle der Platingruppe (PGMs), Kupfer, Mangan, Bauxit und Graphit. „Diese Mineralien sind essenziell für Technologien, die von Solarpaneelen und Windturbinen bis hin zu Elektrofahrzeugen und Energiespeichersystemen reichen. Afrika steht daher im Mittelpunkt des Übergangs zu einer kohlenstoffarmen Zukunft", sagte Lamola.
Rohstoffexport ohne Mehrwert – ein altes Muster
Trotz dieses Reichtums warnte der Minister, dass Ressourcen allein keinen Wohlstand garantieren. Afrika müsse langjährige Muster durchbrechen, bei denen Mineralien zur Verarbeitung in andere Regionen exportiert und anschließend als höherwertige Produkte reimportiert werden. Stattdessen brauche der Kontinent eine stärkere lokale Wertschöpfung und den Aufbau industrieller Kapazitäten.
Lamola hob hervor, dass Länder wie Südafrika, Namibia, Simbabwe und Malawi bereits politische Maßnahmen zur Förderung der lokalen Wertschöpfung ergriffen haben. Diese Bemühungen unterstützen die Umsetzung der afrikanischen Strategie für grüne Mineralien sowie den G20-Rahmen für kritische Mineralien. Auch innerafrikanische Zahlungssysteme wurden im Rahmen der G20 als kritischer Bereich der Zusammenarbeit identifiziert.
Die steigende globale Nachfrage nach kritischen Mineralien birgt jedoch auch Risiken. Lamola warnte, dass diese Nachfrage entweder eine neue Ära des gemeinsamen Wohlstands einläuten oder aber Abbau, Konflikte und Instabilität verschärfen könnte – je nachdem, ob Regierungen eine umsichtige, langfristige und wachstumsfördernde Politik umsetzen. „Wie wir mit den Chancen und Gefahren dieses Augenblicks umgehen, wird darüber entscheiden, ob wir die Vision der Agenda 2063 eines friedlichen, integrierten und wohlhabenden Afrikas verwirklichen", betonte er.
Demografischer Druck erfordert Millionen neue Arbeitsplätze
Ein zentrales Argument Lamolas betrifft Afrikas demografische Herausforderung: Jährlich treten zwischen 10 und 20 Millionen junge Menschen in den Arbeitsmarkt ein, während der Kontinent lediglich rund 3 Millionen formelle Arbeitsplätze pro Jahr schafft. Diese massive Lücke macht die Industrialisierung nach Ansicht des Ministers zur dringlichsten wirtschaftspolitischen Aufgabe.
Kenny Fihla, CEO der Absa Group, teilte diese Einschätzung. „Afrika befindet sich an einem Wendepunkt. Die weltweite Nachfrage nach kritischen Mineralien hat unseren Kontinent als strategischen Lieferanten für die Welt neu positioniert, aber die Frage, mit der wir uns nun grundlegender auseinandersetzen müssen, ist, ob Afrika diesen Moment nutzen kann, um seine eigene Industrialisierung voranzutreiben", sagte Fihla. Er betonte zudem, dass Afrikas zukünftige Wettbewerbsfähigkeit nicht dadurch bestimmt werde, was es abbaut, sondern dadurch, was es aufbaut.
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Zur AktienanalyseÖffentlich-private Partnerschaften als Schlüssel
Fihla argumentierte, dass die Erschließung des Mineralreichtums eine engere Zusammenarbeit zwischen Regierungen, Finanzwesen und Industrie erfordere. Zudem seien eine stärkere Umsetzung der afrikanischen kontinentalen Freihandelszone (AfCFTA) sowie größere Investitionen in regionale Industriekapazitäten notwendig.
Lamola schloss seine Ausführungen mit einem Appell an die Wirtschaft, Seite an Seite mit den Regierungen zu arbeiten, um Wachstum durch Bergbau, Fertigung und Landwirtschaft zu beschleunigen. Er unterstrich, dass stärkere öffentlich-private Partnerschaften unerlässlich seien. Langfristig hänge auch die Bekämpfung der Ursachen von Migration – darunter Arbeitslosigkeit, schwaches Wirtschaftswachstum, Klimawandel und Konflikte – davon ab, inklusivere und integriertere afrikanische Volkswirtschaften zu schaffen.


