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Altersvorsorgedepot: Guter Start, aber Deutschland braucht mehr

Der Bundestag hat das Altersvorsorgedepot beschlossen – doch für eine echte Rentenwende reicht das allein nicht aus.

Altersvorsorgedepot: Guter Start, aber Deutschland braucht mehr

Deutschland reformiert seine private Altersvorsorge grundlegend. Ab dem kommenden Jahr können Bürger das neue Altersvorsorgedepot besparen – ohne Garantiepflichten, die bislang die Rendite aufgefressen haben. Stattdessen entscheiden Sparer selbst über ihre Anlage, und der Staat belohnt sie mit attraktiven Zulagen. Der Bundestag hat den entsprechenden Beschluss gefasst.

Damit endet nach 25 Jahren die Ära der renditeschwachen Riester-Verträge. Was der Finanzindustrie einst üppige Einnahmen beschert hatte, brachte Sparern wegen der starren Garantiepflichten kaum Ertrag. Das Altersvorsorgedepot setzt nun auf Kapitalmarktrenditen statt auf staatlich verordnete Sicherheitspuffer.

Nicht alles ist perfekt: Der Kostendeckel von einem Prozent bleibt zu hoch und dürfte vor allem Finanzberater freuen. Dennoch zeigt die Reform – gemeinsam mit der bereits beschlossenen Frühstartrente für Kinder – klar in die richtige Richtung. Die Politik hat erkannt, dass Aktien und andere Kapitalmarktprodukte für langfristigen Vermögensaufbau unverzichtbar sind.

Deutschland braucht eine echte Aktienrente

Doch um Deutschland wirklich zu einem Land der Aktiensparer zu machen, braucht es mehr als ein neues Depot. Immer wieder flammt die Debatte auf, Sozialversicherungsbeiträge auch auf Kapitalerträge zu erheben – zuletzt brachte die SPD diese Idee ins Spiel. Für die private Altersvorsorge wäre das kontraproduktiv und würde die Reformbemühungen untergraben.

Darüber hinaus fehlt weiterhin eine staatliche Aktienrente. Ex-Vizekanzler Christian Lindner (FDP) hatte in der Ampelkoalition das sogenannte Generationenkapital konzipiert – ein staatlicher Kapitalfonds aus Aktien und Anleihen für alle Bürger. Das Projekt verschwand jedoch in der Schublade, und in dieser Legislaturperiode ist angesichts der angespannten Haushaltslage keine Neuauflage zu erwarten.

Dabei zeigt ein Blick ins Ausland, was möglich wäre: Der norwegische Staatsfonds wurde 1990 aufgelegt und verwaltet heute ein Vermögen von über 1,8 Billionen Euro – das entspricht rund 327.000 Euro pro Bürger. Ein solcher Kapitalstock hätte einen entscheidenden Vorteil gegenüber dem Altersvorsorgedepot: Er würde automatisch jeden Bürger erreichen, unabhängig von Eigeninitiative oder Kapitalmarkterfahrung.

Das Prinzip Hoffnung reicht nicht

Genau hier liegt die Schwäche des neuen Depots. Es profitieren nur jene, die sich aktiv um ihre Altersvorsorge kümmern. Zwar fallen die staatlichen Zulagen für Geringverdiener besonders üppig aus – doch wer keine Erfahrung mit dem Kapitalmarkt hat, wird die neuen Möglichkeiten womöglich gar nicht nutzen. Die Gefahr, dass ein Großteil der Bevölkerung das Angebot ignoriert, bleibt real.

Die Politik kann nicht einfach darauf hoffen, dass hohe Anreize allein ausreichen. Beim Thema Rente ist das Prinzip Hoffnung keine tragfähige Strategie. Die Richtung stimmt – jetzt muss das Tempo deutlich erhöht werden.

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