Bank of England hält Leitzins bei 3,75 Prozent stabil
Zwei von neun Ratsmitgliedern votierten für eine sofortige Zinserhöhung auf 4 Prozent – trotz sinkender Ölpreise.

Die Bank of England hat ihren Leitzins unverändert bei 3,75 Prozent belassen. Das Ergebnis der Abstimmung fiel mit 7 zu 2 Stimmen deutlich aus, dennoch zeigt die Gegenstimme zweier Ratsmitglieder, dass die Debatte über den weiteren geldpolitischen Kurs keineswegs abgeschlossen ist. Der Ausschuss beobachtet die Lage am Ölmarkt und die geopolitischen Entwicklungen rund um ein mögliches Iran-Abkommen aufmerksam.
Das externe Ratsmitglied Megan Greene schloss sich dem Chefökonomen Huw Pill an, der bereits im April als einziger Abweichler für eine Zinserhöhung gestimmt hatte. Beide votierten für eine sofortige Anhebung des Leitzinses auf 4 Prozent. Greene begründete ihre Haltung mit dem nach wie vor instabilen Preisausblick – trotz der jüngsten diplomatischen Entspannung zwischen den USA und dem Iran.
Ölpreisrückgang als ermutigendes Signal
Die Notenbank bezeichnete den jüngsten Rückgang der Ölpreise als „ermutigend". Dieser Rückgang steht im Zusammenhang mit den Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran, die an den Energiemärkten für Entspannung gesorgt haben. Günstigere Energiepreise können die Inflation dämpfen und damit den Druck auf die Notenbank verringern, die Zinsen weiter anzuheben.
Trotz dieser positiven Entwicklung bleibt die Inflation ein zentrales Thema für den geldpolitischen Ausschuss. Die hartnäckig erhöhten Preise in Großbritannien haben in den vergangenen Monaten immer wieder für Diskussionen gesorgt, wie schnell und wie stark die Notenbank gegensteuern sollte. Die Mehrheit des Ausschusses entschied sich jedoch dafür, zunächst weitere Daten abzuwarten.
Inflationsprognose für das vierte Quartal gesenkt
Der Ausschuss hat seine Schätzung für den Inflationshöhepunkt im vierten Quartal dieses Jahres auf 3,25 Prozent gesenkt. Im April hatte die Bank of England noch einen Wert von 3,6 Prozent für diesen Zeitraum prognostiziert. Diese Revision nach unten deutet darauf hin, dass die Notenbank von einer etwas schnelleren Normalisierung der Preisentwicklung ausgeht als noch vor wenigen Wochen.
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Zur AktienanalyseDie sogenannte Forward Guidance – also die Hinweise der Notenbank auf den künftigen geldpolitischen Kurs – ließ der Ausschuss unverändert. Das bedeutet, dass die Bank of England keine konkreten Signale für eine baldige Zinsänderung in die eine oder andere Richtung sendet. Für Anleger und Märkte bleibt die weitere Entwicklung damit von den kommenden Konjunktur- und Inflationsdaten abhängig.
Für deutsche und europäische Anleger ist die Entscheidung der Bank of England von Bedeutung, da sie Rückschlüsse auf das geldpolitische Umfeld in anderen westlichen Volkswirtschaften erlaubt. Auch die Europäische Zentralbank steht vor ähnlichen Abwägungen zwischen Inflationsbekämpfung und wirtschaftlicher Stabilität. Die Entwicklungen in London werden daher an den Finanzmärkten genau verfolgt.


