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Bayer-Roundup-Vergleich: 7,25 Milliarden Dollar für Krebsklagen auf dem Prüfstand

Vergleichsvorschlag sieht Zahlungen über 21 Jahre vor – doch Erfolg bleibt ungewiss

Bayer-Roundup-Vergleich: 7,25 Milliarden Dollar für Krebsklagen auf dem Prüfstand

Der deutsche Pharma- und Chemiekonzern Bayer steht vor einer entscheidenden Phase im langjährigen Rechtsstreit um das Unkrautvernichtungsmittel Roundup. Das Unternehmen hat einen Vergleichsvorschlag über 7,25 Milliarden Dollar vorgelegt, der noch der gerichtlichen Genehmigung bedarf. Mit diesem Schritt will Bayer einen rechtlichen Schlussstrich unter Zehntausende Klagen ziehen, bei denen Kläger behaupten, dass Roundup Non-Hodgkin-Lymphome verursacht habe.

Der Vergleich sieht Zahlungen über einen Zeitraum von bis zu 21 Jahren vor und würde sowohl bestehende als auch künftige Klagen abdecken. Von den derzeit 65.000 anhängigen Verfahren vor US-Bundes- und Einzelstaatsgerichten könnte der Großteil durch die Vereinbarung beigelegt werden. Zudem sollen Personen entschädigt werden, die Roundup ausgesetzt waren und in Zukunft an der Krebserkrankung erkranken.

Gestaffelte Entschädigungszahlungen nach Alter und Schwere

Die individuellen Zahlungen würden je nach Alter, Expositionsdauer und Schwere der Krebserkrankung variieren. Patienten mit berufsbedingter Exposition, bei denen vor dem 60. Lebensjahr ein aggressives Non-Hodgkin-Lymphom diagnostiziert wurde, könnten durchschnittlich 165.000 Dollar erhalten. Deutlich geringer fallen die Zahlungen für ältere Betroffene aus: Patienten über 78 Jahre mit entsprechender Diagnose würden lediglich 10.000 Dollar bekommen.

Der außergewöhnlich lange Zeitraum von 21 Jahren ist strategisch gewählt. Non-Hodgkin-Lymphome können eine Latenzzeit von zehn Jahren oder mehr aufweisen. Da Bayer Glyphosat – den umstrittenen Wirkstoff in Roundup – erst 2023 aus seinen Produkten für Privatanwender entfernt hat, könnten über Jahre hinweg neue Ansprüche entstehen. Der Vergleich erfasst alle Personen, die Roundup vor dem 17. Februar 2026 verwendet haben und später erkranken.

Ungewisse Zustimmung gefährdet Vergleich

Ob der Vergleich tatsächlich zustande kommt, bleibt jedoch fraglich. Bayer kann die Vereinbarung kündigen, falls sich zu wenige Kläger anschließen. Das Unternehmen macht allerdings keine Angaben dazu, wie hoch die erforderliche Zustimmungsquote sein muss. Zwar gibt Bayer an, dass zahlreiche Anwaltskanzleien den Vergleich unterstützen, doch die genaue Anzahl wird nicht offengelegt.

Einige mit dem Rechtsstreit vertraute Anwälte äußern Bedenken gegen Bayers Strategie, bestehende Fälle durch eine neue Sammelklage zu ersetzen, anstatt die Ansprüche direkt zu adressieren. Mindestens eine große Kanzlei hat bereits Widerstand gegen das Vergleichsangebot signalisiert. Viele Anwaltskanzleien mit einer großen Anzahl von Mandanten prüfen die Vereinbarung noch.

Supreme Court könnte Wendepunkt bringen

Parallel zum Vergleichsvorschlag verfolgt Bayer eine weitere Strategie vor dem Obersten Gerichtshof der USA. Die mündliche Verhandlung ist für den 27. April angesetzt. Das Gericht wird entscheiden, ob Bayer nach einzelstaatlichem Recht verklagt werden kann, weil das Unternehmen nicht vor angeblichen Krebsrisiken gewarnt hat, obwohl Bundesvorschriften keinen Warnhinweis vorschreiben.

Ein Urteil zugunsten von Bayer könnte Tausende von Klagen hinfällig machen und potenzielle Schadensersatzforderungen in Milliardenhöhe abwenden. Die meisten aktuellen Rechtsstreitigkeiten basieren auf der Theorie der mangelnden Warnung. Doch selbst bei einem positiven Urteil könnten Kläger versuchen, andere Haftungstheorien zu verfolgen.

Hohe Urteile erhöhen Druck auf Bayer

Die bisherigen Gerichtsverfahren zeigen, dass viel auf dem Spiel steht. Zwar hat Bayer eine Reihe von Roundup-Prozessen gewonnen, doch Kläger konnten mehrere spektakuläre Erfolge erzielen. Eine Jury in Georgia sprach 2025 Schadensersatz in Höhe von 2,1 Milliarden Dollar zu, ein kalifornisches Gericht verurteilte Bayer 2023 zu 332 Millionen Dollar.

Der Vergleich sieht jährliche Bekanntmachungen vor, um künftige Kläger zu informieren. Diese haben ab ihrer Krebsdiagnose zwei Jahre Zeit, um über eine Teilnahme zu entscheiden. Bayer hofft, dass sich künftige Kläger eher für den Vergleich entscheiden, als das Risiko eines Prozesses einzugehen. Da sie sich jedoch gegen eine Teilnahme entscheiden können, bleibt das Risiko weiterer Geschworenenprozesse bestehen.

Falls der Vergleich genehmigt wird und der Supreme Court sich auf die Seite des Unternehmens stellt, stünden die Kläger unter erhöhtem Druck, ihre Ansprüche beizulegen. Der Vergleich könnte dann eine schnellere Auszahlung bieten, insbesondere wenn der Supreme Court künftige Klagen erschwert hat.

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