Berkshire Hathaway verliert relativen Vorsprung gegenüber dem S&P 500
Technische Analysten warnen: Berkshire Hathaway übertrifft den S&P 500 nicht mehr beständig – ein Trend mit fast zwei Jahrzehnten Vorgeschichte.

Jahrzehntelang galt Berkshire Hathaway als verlässliches Mittel, um den breiten Aktienmarkt zu schlagen. Doch diese Annahme gerät zunehmend ins Wanken. Technische Analysten weisen auf wachsende Anzeichen hin, dass die Aktien des Konglomerats im Vergleich zum S&P 500 an Dynamik verlieren.
Eine Chartanalyse von 22V Research zeigt, dass die Berkshire-Aktie gegenüber dem Benchmark-Index auf Niveaus zurückgekehrt ist, die zuletzt um das Jahr 2007 verzeichnet wurden. Das bedeutet: In relativer Betrachtung hat das Unternehmen über fast zwei Jahrzehnte kaum Fortschritte erzielt. „Berkshire Hathaway war ein guter Indikator für den S&P, aber dieses Verhältnis scheint sich zu ändern", schrieb 22V Research in einer Mitteilung an Kunden.
Absolute Stärke, relative Schwäche
Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen absoluter und relativer Performance. In absoluten Zahlen hat Berkshire in diesem Zeitraum kräftig zugelegt und notiert aktuell nur rund 6 Prozent unter seinem im November erreichten Allzeithoch. Das Problem liegt nicht im Kursverfall, sondern in der nachlassenden Fähigkeit, den Markt zu übertreffen.
Die Divergenz hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verschärft. Der durch künstliche Intelligenz befeuerte Boom trieb Technologie-Schwergewichte in die Höhe, die den S&P 500 dominieren. Berkshire hingegen hat weitgehend darauf verzichtet, in die stärksten KI-Profiteure zu investieren – obwohl das Unternehmen weiterhin eine beträchtliche Beteiligung an Apple hält.
Seit Jahresbeginn verdeutlicht sich das Bild: Die Berkshire-Aktien sind um etwa 4 Prozent gefallen, während der S&P 500 im gleichen Zeitraum rund 9 Prozent zulegte. Für Anleger, die auf Berkshire als Marktschläger gesetzt haben, ist das eine ernüchternde Bilanz.
Rekord-Cashbestand und neue Führung sorgen für Diskussionen
Ein weiteres Thema, das Marktbeobachter beschäftigt, ist Berkshires Rekord-Cashbestand. Im ersten Quartal lag dieser bei fast 400 Milliarden US-Dollar. Optimisten sehen darin reichlich „Firepower" für den Fall, dass die Märkte ins Straucheln geraten. Kritiker hingegen betrachten die enormen Barreserven als potenzielle Belastung, solange die Aktienkurse weiter steigen.
Unter der neuen Führung von CEO Greg Abel hat Berkshire die Aktienrückkäufe nach einer fast zweijährigen Pause zudem nur in bescheidenem Umfang wieder aufgenommen. Das enttäuschte Anleger, die angesichts der enormen Liquidität aggressivere Rückkäufe erwartet hatten. Warren Buffett war Anfang 2026 als CEO zurückgetreten.
Buffett selbst dämpfte Erwartungen bereits 2023
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Zur AktienanalyseBemerkenswert ist, dass Buffett die gedämpften Erwartungen selbst vorwegnahm. In seinem jährlichen Aktionärsbrief 2023 schrieb er: „Mit unserem derzeitigen Geschäftsmix sollte Berkshire etwas besser abschneiden als der Durchschnitt der amerikanischen Unternehmen und, was noch wichtiger ist, auch mit wesentlich geringerem Risiko eines dauerhaften Kapitalverlusts operieren. Alles, was über ‚etwas besser' hinausgeht, ist jedoch Wunschdenken."
Der Kommentar spiegelt Buffetts Einschätzung wider, dass Berkshires Portfolio aus reifen, diversifizierten Unternehmen – von BNSF Railway bis See's Candies – stetige Gewinne bei geringerem Risiko erwirtschaften soll, anstatt die übermäßigen Renditen früherer Jahrzehnte zu wiederholen.
Berkshires langfristige Bilanz bleibt dennoch beeindruckend. Seit Buffett in den 1960er-Jahren die Kontrolle übernahm, hat das Unternehmen eine der erfolgreichsten Investitionsgeschichten der Börsengeschichte geschrieben. Die aktuelle Entwicklung zeigt jedoch, dass selbst legendäre Investmentstrategien im Angesicht struktureller Marktveränderungen – wie dem KI-getriebenen Technologieboom – an ihre Grenzen stoßen können.


