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China beschränkt US-Aktienhandel – SpaceX-IPO in Gefahr

Peking geht gegen nicht lizenzierte Broker vor und trifft damit Hunderttausende chinesische Privatanleger, die auf den SpaceX-Börsengang hoffen.

China beschränkt US-Aktienhandel – SpaceX-IPO in Gefahr

Chinesische Behörden haben in den vergangenen Wochen massiv gegen den Kauf ausländischer Aktien durch Festland-Investoren vorgegangen. Das Timing ist brisant: Die Maßnahmen erfolgten nur wenige Tage, nachdem Elon Musks SpaceX Details zu einem geplanten Börsengang (IPO) bekanntgegeben hatte – einem Ereignis, das enormes Interesse unter chinesischen Privatanlegern ausgelöst hatte. Auch das KI-Unternehmen Anthropic reichte in dieser Woche Unterlagen für einen Börsengang ein.

Die chinesische Wertpapieraufsichtsbehörde CSRC wies Anleger an, ausländische Aktien ausschließlich über offizielle Kanäle zu erwerben. Gleichzeitig verhängte sie Geldstrafen gegen drei Brokerhäuser, die Festland-Investoren über ein Schlupfloch den Zugang zu US-Märkten ermöglicht hatten: Futu Holdings, Tiger Brokers und Longbridge. Die Hongkonger Behörden folgten mit Warnungen und leiteten Prüfungen bei 12 weiteren Firmen ein.

Bestehende Anleger dürfen ihre Konten bei den betroffenen Brokern noch zwei Jahre lang nutzen – jedoch ausschließlich zum Verkauf von Vermögenswerten und zur Abhebung von Geldern. Der Kauf neuer Aktien ist ihnen untersagt.

Milliardenschwere Auswirkungen für Festland-Anleger

Das Ausmaß des Durchgreifens ist erheblich. Laut einer Berechnung von Citic Securities könnten Vermögenswerte von Festland-Anlegern im Wert von bis zu 32 Milliarden US-Dollar von den Beschränkungen betroffen sein oder letztlich abgezogen werden müssen. Generell wurden alle Wertpapierbroker in China und Hongkong angewiesen, sicherzustellen, dass Konten, die in ausländische Aktien investieren, vollständig regelkonform sind.

Die Aktien von Futu und Tiger, die beide in den USA notiert sind, fielen nach Bekanntwerden der Geldstrafen um fast 30 Prozent. Seitdem haben sie sich jedoch wieder erholt. Tiger erklärte, man werde die „regulatorischen Anforderungen strikt einhalten und aktiv am entsprechenden Prozess mitwirken". Futu und Longbridge kündigten ebenfalls an, die Vorschriften zu befolgen.

Finanzanwalt Shivagar Siva aus Hongkong ordnet die Maßnahmen in einen größeren Kontext ein: „Kapitalbewegungen vom Festland, die nicht über die vorgeschriebenen Kanäle erfolgen, sind nichtig." Die jüngsten Schritte seien „das unvermeidliche Satzzeichen in einem Satz, den die Regulierungsbehörden bereits vor einigen Jahren entworfen haben." China versucht seit Langem, die Kapitalflucht ins Ausland einzudämmen.

Privatanleger suchen nach Alternativen

Für viele chinesische Privatanleger trifft das Durchgreifen einen wunden Punkt. Der heimische Immobilienmarkt ist eingebrochen, und attraktive inländische Anlagealternativen sind rar. Die annualisierten Renditen von Festgeldern in Yuan liegen laut Angaben im Artikel bei weniger als 2 Prozent. Die Nachfrage nach ausländischen Aktien spiegelt sich in konkreten Zahlen wider: Investitionen in offiziell zugelassene QDII-Fonds haben sich laut dem Datenanbieter Wind in den letzten zwei Jahren auf 372,9 Milliarden Renminbi (rund 55 Milliarden US-Dollar) mehr als verdreifacht. Privatanleger machen dabei mehr als 85 Prozent des Programms aus.

Stephanie Peng, eine 38-jährige Angestellte aus Shanghai, schildert die Situation aus Anlegerperspektive. Sie bemerkte das Durchgreifen, als eine Pop-up-Nachricht auf ihrem Telefon den Zugriff auf ihr Wertpapierdepot bei der Citic Bank International blockierte. „Es hat mich unvorbereitet getroffen. Ich kann mich nicht erinnern, dass eine solche Verifizierung früher für den bloßen Handel erforderlich war", sagte Peng. Ihr US-Aktienportfolio im Wert von 2 Millionen Renminbi (rund 296.000 US-Dollar) umfasst unter anderem Aktien von Advanced Micro Devices, die sie zu etwa 30 US-Dollar je Aktie erwarb – derzeit notieren AMD-Aktien bei fast 500 US-Dollar.

Peng erwägt nun, ihr Kapital in eine andere Jurisdiktion zu transferieren, etwa in die USA oder nach Singapur. „Es war nicht einfach, dieses Konto zu eröffnen, und mein Mann und ich haben viel Energie darauf verwendet, einen Teil unseres Vermögens außer Landes zu bringen. Warum sollten wir uns die Mühe machen, es wieder zurückzuholen?", fragte sie.

Unterschiedliche Reaktionen unter Anlegern

Nicht alle Investoren reagieren gleich. Jean Yang, eine Kundenbetreuerin bei der Hongkonger Einheit eines chinesischen Brokerhauses, berichtet, dass einige ihrer Kunden das Durchgreifen als bärisches Signal für US-Vermögenswerte werten. „Wir hatten einige Kunden, die nun in Renminbi-Anlagen wechseln wollen", sagte Yang. „Sie glauben, dass China jetzt in einer stärkeren Position ist und dass der US-Dollar weiter fallen könnte."

Zhao Ming, ein Pekinger Investor, der sein Longbridge-Konto in Hongkong bereits aufgelöst hat, sieht das Problem grundsätzlicher: „Es gibt im Inland einfach nicht genug attraktive, risikoarme Finanzprodukte." Trotz des Hypes um SpaceX oder OpenAI bleibt er skeptisch: „Man weiß nie, wann die Blase platzt."

Während Festland-Chinesen unter Druck geraten, profitieren Inhaber ausländischer Pässe oder Hongkonger Ausweise von der Situation. Eric Huang, Leiter eines Family Offices in Hongkong, berichtet von verstärkten Anfragen von Kunden, die eine steuerliche Ansässigkeit außerhalb des Festlands anstreben – etwa durch den Erwerb einer Hongkonger ID. Ruby Liu, eine 36-jährige Versicherungsvertreterin, die vor zwei Jahren vom Festland nach Hongkong gezogen ist, sieht im Durchgreifen sogar eine Chance: „Wenn überhaupt, könnte es bedeuten, dass weniger Leute in die SpaceX-IPO-Zuteilungen drängen, was mir eine bessere Chance gibt, zum Zug zu kommen."

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