Chinas E-Auto-Hersteller expandieren nach Thailand
Trotz Zöllen in Europa stärken BYD und andere ihre Präsenz in Asien

Chinas Elektroautohersteller trotzen den Sonderzöllen in Europa und den USA, indem sie ihre Marktpräsenz in anderen Regionen stärken. BYD, Chinas größter Elektroautohersteller, hat eine neue Fabrik in Thailand eröffnet, was ein bedeutender Schritt in der internationalen Expansionsstrategie des Unternehmens ist. Diese Fabrik ist das erste PKW-Werk, das BYD außerhalb Chinas in Eigenregie betreibt. Trotz der Bemühungen des Westens, chinesische E-Autos auszuschließen, soll das Werk in Thailand BYDs dominante Stellung in den Wachstumsmärkten Asiens weiter stärken.
Thailand, die zweitgrößte Volkswirtschaft Südostasiens, ist seit Jahrzehnten das Zentrum der Automobilindustrie in der Region. Bislang dominierten japanische Hersteller den Markt, doch im Bereich der Elektroautos haben chinesische Anbieter die Führung übernommen. Laut Daten von Counterpoint Research entfielen im ersten Quartal dieses Jahres 70 Prozent aller in Südostasien verkauften Elektroautos auf chinesische Hersteller, wobei BYD einen Marktanteil von 47 Prozent hält. US-Marktführer Tesla hingegen kommt in der Region nur auf einen Marktanteil von vier Prozent.
Für die neue Fabrik in Thailand hat BYD etwa 490 Millionen US-Dollar investiert und plant, dort 10.000 Menschen zu beschäftigen. Die Produktionskapazität liegt bei 150.000 Fahrzeugen pro Jahr. Im vergangenen Jahr wurden in Thailand etwa 80.000 Elektroautos verkauft, was bedeutet, dass etwa jeder zehnte Neuwagen im Land elektrisch fährt. Für das laufende Jahr rechnen Branchenbeobachter mit einem Absatz von 100.000 bis 130.000 Elektroautos. Die thailändische Regierung unterstützt die E-Auto-Produktion mit Subventionen und hofft, dass bis 2030 fast jedes dritte der jährlich 2,5 Millionen in Thailand hergestellten Fahrzeuge ein Elektroauto sein wird.
BYD-Chef Wang Chuanfu betont die Bedeutung Thailands für die zukünftige Automobilproduktion und verspricht, Technologie aus China nach Thailand zu bringen. Neben Thailand errichtet BYD auch Fabriken in Ungarn, Brasilien und Usbekistan. In Rayong, dem Standort der neuen thailändischen Fabrik, haben auch andere chinesische Hersteller wie Chery und Hozon Interesse. Insgesamt belaufen sich die Investitionen chinesischer E-Auto-Hersteller in Thailand auf etwa 1,5 Milliarden Dollar.
Die Bedeutung Südostasiens als Absatzmarkt für chinesische Hersteller dürfte angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen in Europa und den USA weiter zunehmen. Kurz nach der Eröffnung des BYD-Werks in Thailand verhängte die EU-Kommission Einfuhrzölle von bis zu 37,6 Prozent auf chinesische Elektroautos. Es bleibt unklar, ob BYD das Werk in Thailand nutzen kann, um die Zölle zu umgehen. Laut Narit Therdsteerasukdi von der thailändischen Investitionsbehörde BOI dient Thailand als Produktionszentrum für den Export innerhalb Südostasiens und in viele andere Länder.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseNeben Thailand wirbt auch Indonesien um Investitionen in die Elektroautoindustrie und lockt mit Zugang zu Rohstoffen wie Nickel für die Batterieproduktion. Der koreanische Autokonzern Hyundai hat kürzlich in Zusammenarbeit mit LG eine Batteriefabrik in Indonesien eröffnet, und auch BYD plant, bis 2026 eine eigene Fertigung in dem Land zu errichten. Prognosen des Beratungsunternehmens EY zufolge könnte Indonesien Thailand als größten Markt für Elektromobilität in der Region ablösen, mit einem erwarteten jährlichen Absatz von 4,5 Millionen Elektrofahrzeugen bis 2035. Die Umsätze der Branche könnten in Südostasien auf bis zu 100 Milliarden Dollar jährlich steigen.


