DAX klebt knapp über 24.900 Punkten fest – Impuls aus USA erwartet
Der aktuelle Marktbericht von Aktien.news

Der DAX klebt knapp über 24.900 Punkten fest – als würde der Markt auf ein einziges Wort warten. Nach einem kleinen Plus zum Start driftete der Leitindex wieder ins Minus und fand gegen Mittag keinen Takt. Das ist diese Art von Ruhe, die selten beruhigt: Sie riecht nach Entscheidung.
Die kommt nicht aus Frankfurt, sondern aus der heutigen Fed-Sitzung. Um 20:00 Uhr deutscher Zeit veröffentlicht die US-Notenbank ihr Statement, um 20:30 Uhr folgt die Pressekonferenz. Eine Leitzinsänderung wird zwar nicht erwartet – doch wer sich nur an Basispunkten festhält, verpasst den Kern. Entscheidend sind die Hinweise, wie die Notenbank in den kommenden Monaten agieren will. Viele Marktteilnehmer haben die nächste Zinssenkung erst für Juni eingepreist. Aber wie tragfähig ist diese Wette wirklich?
Wenig Spielraum, hoher Erwartungsdruck
Allzu große Hoffnung auf schnelle Lockerungen wäre fehl am Platz. Die Inflation in den USA bleibt hartnäckig: Im Dezember lag sie bei 2,7 Prozent, die Kernrate bei 2,6 Prozent. Genau deshalb hat die Fed kaum Raum, sich festzulegen – und gleichzeitig umso mehr Grund, ihre Linie sauber zu begründen. Commerzbank-Ökonom Bernd Weidensteiner sieht in der Pause auch ein Signal: Unabhängigkeit lässt sich nicht nur behaupten, man muss sie im Zweifel demonstrieren.
Nur: Ausgerechnet diese Unabhängigkeit wird zum Marktfaktor. Donald Trump attackiert Jerome Powell seit Langem wegen dessen geldpolitischer Haltung; zuletzt eskalierte der Konflikt laut Bericht mit rechtlichen Schritten gegen den Fed-Chef. Während Gold und Silber Rekorde markieren, gerät der Dollar unter Druck. Man kann es drehen und wenden, wie man will: Das ist ein Misstrauensvotum, das Anleger ernst nehmen müssen.
Personalfrage als zusätzlicher Zinstreiber
Zur Unsicherheit über den Kurs kommt die Unsicherheit über den Kopf. Powells Amtszeit endet im Mai. Beobachter erwarten, dass Trump einen Nachfolger ernennt, der stärkere Zinssenkungen befürwortet. Als Kandidaten werden Rick Rieder (BlackRock) und der frühere Notenbanker Kevin Warsh gehandelt – beide eher moderat.
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Zur AktienanalyseDas ist mehr als Washington-Geräusch. Denn selbst wenn im Juni noch eine Senkung um einen Viertelprozentpunkt möglich scheint, ist eine deutliche Lockerung nach Trumps Wunschliste laut Berenberg-Ökonom Felix Schmid unwahrscheinlich. Wer auf schnelle Entspannung am Zinsmarkt setzt, sollte bedenken: Die Inflation bremst – und moderate Kandidaten stehen eher für Kursdisziplin als für Kurswechsel.
Hinzu kommt der juristische Zündstoff um Fed-Direktorin Lisa Cook: Das Oberste Gericht hat zuletzt deutliche Zweifel am Versuch geäußert, Cook sofort zu entlassen – Trump kann die Stelle voraussichtlich nicht neu besetzen. Die Leitfrage für den Abend ist damit klar: Liefert die Fed heute einen Satz, der den Märkten endlich Bewegung gibt – oder bleibt der DAX im Wartemodus, bis neben der Zins- auch die Machtfrage geklärt ist?


