DAX unter Druck: Geopolitik und US-Zölle belasten Märkte
Eskalation im Nahen Osten und neue Strafzölle auf EU-Autos treiben die Volatilität am deutschen Aktienmarkt in die Höhe.

Der Mai beginnt für die globalen Finanzmärkte mit einem schwierigen Umfeld. Geopolitische Spannungen rund um die Straße von Hormus und neue Zolldrohungen aus Washington belasten den deutschen Leitindex DAX erheblich. Gleichzeitig liefert die laufende Berichtssaison einzelne Lichtblicke, die eine vollständige Talfahrt bisher verhindern.
Der DAX startete volatil in die neue Woche – zunächst mit einem leichten Plus, bevor er ins Minus drehte. Der Index bewegt sich aktuell rund um die Marke von 24.300 Punkten. Anleger stehen vor der Herausforderung, starke Unternehmensgewinne gegen externe makroökonomische Risiken abzuwägen.
Spannungen in der Straße von Hormus treiben Ölpreis
Im Zentrum der Marktverunsicherung steht die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Energieversorgungsrouten der Welt. Iranische Nachrichtenagenturen, die den Revolutionsgarden nahestehen, berichteten von einem Raketenangriff auf ein US-Kriegsschiff – eine Meldung, die sofortige Unsicherheit an den Märkten auslöste und den Ölpreis über die Marke von 100 Euro je Barrel trieb. Die US-Regierung dementierte anschließend, dass ein Schiff getroffen worden sei.
Dennoch bleibt die Lage angespannt. Der Iran warnte, Schiffe, die die Meerenge ohne Koordination durchfahren, könnten ins Visier genommen werden. Daraufhin initiierte das US-Militär eine Begleitmission für neutrale Handelsschiffe. Historisch gesehen werden rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports über diese Route abgewickelt. Trotz der jüngsten Entscheidung der OPEC+, die Förderquoten für Juni leicht anzuheben, gehen Analysten davon aus, dass die regionalen Spannungen einen deutlichen Rückgang der Ölpreise verhindern dürften.
Trumps Zolldrohungen belasten deutschen Automobilsektor
Zusätzlichen Gegenwind liefert US-Präsident Donald Trump. Über seine Plattform Truth Social kündigte er an, die Zölle auf EU-Fahrzeugimporte von 15 auf 25 Prozent anzuheben – gültig bereits ab dieser Woche. Die Ankündigung trifft den deutschen Automobilsektor hart: Aktien von BMW, Mercedes-Benz und Volkswagen verloren bis zu 2,2 Prozent.
Marktanalyst Jens Klatt von XTB mahnt jedoch zur Besonnenheit. Solche Zolldrohungen hätten in der Vergangenheit häufig als taktisches „Verhandlungsfutter" gedient und seien nicht immer in finale Politik umgesetzt worden. Die EU-Kommission signalisierte ihrerseits, bei einer tatsächlichen Umsetzung der Zollerhöhungen mit Gegenmaßnahmen bereit zu stehen – was die transatlantische Handelsbeziehung weiter belastet.
Rüstung und Tech als Gewinner, Einzelhandel unter Druck
Inmitten der Turbulenzen zeigen sich klare Gewinner und Verlierer. Rheinmetall führte den DAX mit einem Plus von 3 Prozent an, gestützt durch eine positive Analysteneinschätzung der Santander Bank. Der Rüstungskonzern gehört zudem zu den DAX-Schwergewichten, die in dieser Woche ihre Quartalszahlen vorlegen werden.
Im Technologiesektor zeigten Halbleiterwerte wie Aixtron und Infineon Widerstandsfähigkeit und spiegelten die positive Stimmung aus den USA und Asien wider. Dagegen brach die Aktie der Parfümeriekette Douglas um mehr als 6 Prozent ein, nachdem das Unternehmen enttäuschende Quartalsergebnisse und eine Senkung der Finanzprognose bekanntgegeben hatte.
Weitere bemerkenswerte Entwicklungen im Überblick:
Evotec:
Aktie stieg um 4,8 Prozent, nachdem das Unternehmen Fortschritte in seiner Dermatologie-Partnerschaft mit Almirall meldete – konkret die Identifizierung des ersten präklinischen Entwicklungskandidaten.
Thyssenkrupp:
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Zur AktienanalyseDer Konzern hat die geplante Veräußerung seiner Stahlsparte an den indischen Mischkonzern Jindal offiziell abgesagt. Mittelfristig hält Thyssenkrupp am Ausstieg aus dem Stahlgeschäft fest, die Absage des Deals führte jedoch zu einem leichten Kursrückgang.
Siltronic:
Trotz eines Kursanstiegs wurde die Aktie von Oddo BHF herabgestuft – ein Zeichen für die gemischte Stimmung am deutschen Markt.
Ausblick: Berichtssaison als Hoffnungsträger
In den kommenden Tagen rückt die Berichtssaison in den Vordergrund. Mehr als ein Dutzend DAX-Unternehmen werden ihre Quartalszahlen vorlegen, was Anlegern dringend benötigte Impulse liefern könnte. Die asiatischen Märkte reagierten gemischt auf die globale Nachrichtenlage: Während die chinesischen Börsen geschlossen blieben, verzeichnete der südkoreanische Markt ein Plus von 2,6 Prozent, getragen von starken Binnenwirtschaftsdaten.
Für den DAX dürfte das Zusammenspiel aus US-Handelspolitik und der Lage in der Straße von Hormus die entscheidenden Kurstreiber der nächsten Wochen bleiben. Anleger sind gut beraten, beide Entwicklungen genau im Blick zu behalten.


