Drogentestbranche kämpft gegen Cannabis-Umstufung in den USA
Ein Branchenverband für Drogentests und ein Biopharma-Unternehmen wollen die Neueinstufung von Marihuana auf Bundesebene juristisch stoppen.

Ein Branchenverband für Drogentests und ein auf Cannabis spezialisiertes biopharmazeutisches Unternehmen haben ein Bundesberufungsgericht aufgefordert, die Trump-Administration daran zu hindern, die Neueinstufung von Marihuana voranzutreiben. In ihrer Argumentation bezeichnen sie Cannabis als „gefährliche Droge, die Leben zerstört". Dieser Schritt zeigt, wie vielfältig die Interessengruppen sind, die sich gegen eine Reform der bundesweiten Cannabis-Klassifizierung stellen – darunter auch Akteure, die wirtschaftlich vom bestehenden Drogentestsystem profitieren.
Die Neueinstufung von Marihuana ist in den USA seit Jahren ein zentrales politisches Thema. Derzeit ist Cannabis auf Bundesebene als Schedule-I-Droge eingestuft – in der strengsten Kategorie, gemeinsam mit Heroin. Eine Herabstufung auf Schedule III würde weitreichende Konsequenzen für Forschung, Besteuerung und den legalen Cannabismarkt haben. Die nun eingereichte Klage ist ein weiterer Versuch, diesen Prozess juristisch zu blockieren.
Politische Konflikte in Kentucky und Pennsylvania
Auch auf Ebene der Bundesstaaten sorgt das Thema Cannabis für politischen Zündstoff. Der demokratische Gouverneur von Kentucky, Andy Beshear, kritisierte einen führenden republikanischen Abgeordneten scharf wegen eines „völligen Mangels an Menschlichkeit". Hintergrund: Der Abgeordnete hatte gefordert, Personen strafrechtlich zu verfolgen, die im Einklang mit einer jüngsten Exekutivverordnung zur Ausweitung des Zugangs zu medizinischem Cannabis handeln.
In Pennsylvania wiederum macht ein republikanischer Senator Gouverneur Josh Shapiro (D) dafür verantwortlich, dass ein Gesetzentwurf zur Regulierung von Marihuana und Hanf in einer Plenumabstimmung gescheitert ist. Der Senator wirft Shapiro vor, demokratische Stimmen gegen den Entwurf mobilisiert zu haben. Das Büro des Gouverneurs erklärte hingegen, Shapiro bevorzuge eine „umfassende Cannabis-Regulierung", einschließlich eines „einnahmenschaffenden Marktes für den Freizeitkonsum durch Erwachsene".
In Massachusetts kam es zu einem ungewöhnlichen Vorfall rund um eine Petition, die darauf abzielt, die Marihuana-Legalisierung im Bundesstaat rückgängig zu machen. Die Kampagne entließ einen Unterschriftensammler wegen „völlig inakzeptablen" Verhaltens, nachdem ein Video veröffentlicht wurde, in dem er scheinbar Wähler, die den legalen Cannabis-Zugang befürworten, dazu aufforderte, die Petition zu unterzeichnen – mit dem Argument, dies würde Reformen voranbringen oder schützen.
Entwicklungen auf Bundesebene und in den Bundesstaaten
Auf Bundesebene gaben die US-Botschaft und Konsulate in Mexiko eine Warnung an US-Bürger heraus, die zur Fußball-Weltmeisterschaft reisen: „Drogenbesitz oder die Einfuhr von Drogen, einschließlich medizinischem Marihuana, in Mexiko ist illegal." Zudem hörte ein Unterausschuss des Finanzausschusses im Repräsentantenhaus Aussagen über Geldwäsche im Zusammenhang mit illegalen Marihuana-Anbaubetrieben.
In den Bundesstaaten gab es ebenfalls mehrere bemerkenswerte Entwicklungen:
Rhode Island
: Gouverneur Dan McKee unterzeichnete ein Gesetz zur Regelung von Wohnsitzanforderungen, die die Cannabis-Lizenzierung blockiert hatten.
New York
: Ein Berufungsgericht hob eine einstweilige Verfügung auf, die Durchsetzungsmaßnahmen gegen nicht lizenzierte Marihuana-Geschäfte blockiert hatte.
Virginia
: Ein Abgeordneter erklärte, Legalisierungsbestimmungen für Freizeitmarihuana sollten nicht in die aktuelle Haushaltsgesetzgebung aufgenommen werden.
Florida
: Regulierungsbehörden erwägen Änderungen an den Werbe- und Marketingregeln für medizinisches Cannabis.
Illinois
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Wissenschaft: Psilocybin und CBD im Fokus
Auch aus der Forschung gibt es neue Erkenntnisse. Eine Studie belegte eine „stabile und klinisch bedeutsame, lang anhaltende antidepressive Wirkung" von einer oder zwei 25-mg-Dosen Psilocybin in Kombination mit Psychotherapie – und das bis zu zwölf Monate nach der Behandlung bei Patienten mit behandlungsresistenter Depression. Eine weitere Studie untersuchte ein CBD-Hydrogel als Verabreichungsplattform, das die Löslichkeitsbeschränkungen von CBD überwindet und die therapeutische Wirksamkeit bei entzündlichen Hauterkrankungen verbessern soll.
Die Vielzahl der aktuellen Entwicklungen verdeutlicht, wie dynamisch und vielschichtig die Cannabis-Debatte in den USA derzeit ist – von juristischen Blockadeversuchen auf Bundesebene über politische Grabenkämpfe in einzelnen Bundesstaaten bis hin zu vielversprechenden wissenschaftlichen Erkenntnissen.


