Fed-Juni-Sitzung wird neuen Vorsitzenden Warsh auf die Probe stellen
Deutsche Bank warnt vor erheblicher Marktvolatilität, wenn Kevin Warsh seine erste Fed-Sitzung leitet.

Die bevorstehende Juni-Sitzung der US-Notenbank Federal Reserve wird zur entscheidenden Bewährungsprobe für den neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh. George Saravelos, Leiter der Devisenforschung bei der Deutschen Bank, warnt vor erheblicher Marktvolatilität rund um das Ereignis. Warsh tritt damit die Nachfolge von Jerome Powell an und leitet nächste Woche seine erste Sitzung und Pressekonferenz.
„Der Markt wird den Vorsitzenden Warsh testen, er wird seine Glaubwürdigkeit auf die Probe stellen, und wir könnten potenziell eine beträchtliche Volatilität erleben", sagte Saravelos am Dienstag in einem Interview mit Bloomberg TV. Die Aussage unterstreicht, wie aufmerksam die Finanzmärkte den Amtsantritt des neuen Fed-Chefs beobachten werden. Für einen neuen Notenbankchef ist die erste öffentliche Pressekonferenz stets ein Moment, in dem Märkte die geldpolitische Ausrichtung neu einschätzen.
Die entscheidende Frage: Sind die US-Zinsen restriktiv genug?
Im Mittelpunkt der Debatte steht laut Saravelos die Frage, ob das aktuelle Zinsniveau in den USA ausreichend restriktiv ist. Das Wachstum bleibe solide, die Inflation ziehe an und die Fiskalpolitik lockere sich – ein Umfeld, das die Notenbank unter Druck setzt. Die Geldmärkte preisen bereits für Oktober mindestens eine Zinserhöhung um einen Viertelprozentpunkt ein.
Politisch brisant: US-Präsident Donald Trump erklärte öffentlich, die Fed läge falsch, wenn sie die Zinsen anheben würde. Damit steht Warsh von Beginn an zwischen den Erwartungen der Finanzmärkte und dem politischen Druck aus dem Weißen Haus. Wie er mit diesem Spannungsfeld umgeht, dürfte seine Glaubwürdigkeit als unabhängiger Notenbankchef maßgeblich prägen.
Dollar profitiert von Zinserhöhungserwartungen
Während die Märkte Zinserhöhungen sowohl von der Fed als auch von der Europäischen Zentralbank (EZB) erwarten, sieht Saravelos den Dollar in einer relativen Vorteilsposition. Die Aussicht auf höhere Zinsen sei „deutlich unterstützender für den Dollar" als für den Euro, betonte der Devisenexperte. Für Anleger mit Euro-Perspektive ist dies ein wichtiger Faktor bei der Einschätzung von Währungsrisiken.
Saravelos erläuterte dabei einen wichtigen Unterschied: „Zinserhöhungen aufgrund der Inflation und aus den falschen Gründen sind für eine Währung natürlich nicht so vorteilhaft wie eine positive Wachstumsdynamik." Dennoch überwiege derzeit die dollar-positive Tendenz. „Wenn ich mir die aktuelle Preisgestaltung der Zentralbanken und die damit verbundenen Risiken ansehe, würde ich sagen, dass sie eher in eine dollar-bullishe Richtung tendieren. Das ist einer der Gründe, warum wir in den letzten Monaten davon abgesehen haben, eine bearishe Einschätzung für den Dollar zu äußern", so Saravelos.
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Zur AktienanalyseTaubenhafte Haltung Warschs könnte Dollar belasten
Gleichzeitig warnt der Deutsche-Bank-Experte vor einem Risikoszenario: Sollte Warsh eine taubenhafte – also zinssenkungsfreundliche – Haltung einnehmen, könnte dies zu deutlichen Neubewertungen am langen Ende der Zinskurve führen, was sich negativ auf den Dollar auswirken würde. „Ich denke, die Fed muss sich von dieser Lockerungstendenz abwenden, damit es zu einer potenziellen positiven Folgebewegung für den Dollar kommt", sagte Saravelos.
Für deutsche Privatanleger ist die Entwicklung bei der Fed von unmittelbarer Relevanz: Ein stärkerer Dollar bedeutet einen schwächeren Euro, was Importe verteuert und exportorientierte deutsche Unternehmen im Wettbewerb beeinflusst. Die Juni-Sitzung der Fed wird damit nicht nur in den USA, sondern auch hierzulande mit großer Aufmerksamkeit verfolgt werden.


