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Globale Energieversorgung: Drei Meerengen gleichzeitig unter Beschuss

Hormuzstraße, Bab el-Mandeb und Schwarzes Meer: Simultane Bedrohungen gefährden die weltweite Ölversorgung und treiben die Preise auf Rekordhöhen.

Globale Energieversorgung: Drei Meerengen gleichzeitig unter Beschuss

Die globalen Ölmärkte stehen vor einer beispiellosen Häufung geopolitischer Risiken. Drei der wichtigsten maritimen Nadelöhre der Welt – die Straße von Hormuz, die Bab el-Mandeb-Straße und das Schwarze Meer – sind gleichzeitig von Instabilität betroffen. Energieanalysten warnen bereits vor einem „No-Way-Out"-Szenario für die Handelsschifffahrt, das die Ölpreise auf historische Höchststände treiben könnte.

Helima Croft, Leiterin der globalen Rohstoffstrategie, beschreibt die aktuelle Lage mit den Worten „everything, everywhere, all at once" – alles, überall, auf einmal. Das Scheitern eines US-iranischen Memorandums of Understanding (MOU) vom Juni hat eine kurze Phase relativer Ruhe in der Straße von Hormuz beendet. Iran beansprucht nun aktiv die Kontrolle über diesen Korridor, was zu einem starken Rückgang des Tankerverkehrs geführt hat. Seit dem 1. März wurden laut der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO) 61 Handelsschiffe im Persischen Golf, in der Straße von Hormuz und im Golf von Oman angegriffen – mit mindestens 17 Todesopfern.

Gleichzeitig ist die Bab el-Mandeb-Straße zum Krisenherd geworden. Nach einer Erklärung der Houthi-Rebellen, eine maritime Blockade gegen saudi-arabische Schiffe zu verhängen, ist der Tankerverkehr durch dieses kritische Verbindungsstück zwischen dem Roten Meer und dem Golf von Aden um mehr als die Hälfte eingebrochen. Immer mehr Schiffe drehen um oder verharren im Roten Meer, während Reeder die Transitrisiken neu bewerten.

Saudi-Arabiens Dilemma und logistische Engpässe

Saudi-Arabien, das zuvor auf seine Ost-West-Pipeline ausgewichen war, um Rohöl zum Hafen Yanbu am Roten Meer zu transportieren und so die Straße von Hormuz zu umgehen, sieht sich nun auch auf dieser Alternativroute bedroht. Mit der Bab el-Mandeb unter Beschuss steht das Königreich vor erheblichen Produktions- und Exportproblemen. Energy Aspects prognostiziert, dass die saudi-arabische Ölproduktion bei anhaltender Houthi-Blockade um 1 Million Barrel pro Tag sinken könnte – auf unter 6 Millionen Barrel täglich.

Logistische Einschränkungen verschärfen die Krise zusätzlich. Zwar kann ein Teil des Öls über den Suezkanal nach Norden umgeleitet werden, doch ist der Kanal für vollbeladene Supertanker zu flach. Diese Schiffe müssen entweder halb beladen fahren oder einen aufwendigen Prozess durchlaufen: Ladung in eine Pipeline bei Ain Sokhna abladen und bei Sidi Kerir wieder aufladen. Umwege um Afrika zur Versorgung asiatischer Märkte verlängern die Lieferzeiten um rund vier Wochen – Fahrten von Yanbu dauern dann über 50 Tage. Branchenschätzungen zufolge steigen die Treibstoffkosten durch diese Umleitung um über 1,6 Millionen US-Dollar pro Supertanker.

Ukrainische Angriffe treffen Russlands Energieinfrastruktur

Während der Nahe Osten die Schlagzeilen dominiert, ist auch das Schwarze Meer zum Schauplatz des anhaltenden Konflikts zwischen der Ukraine und Russland geworden. Die Ukraine hat Berichten zufolge über 150 Tanker und Frachtschiffe angegriffen, die mit Russlands sogenannter „Schattenflotte" in Verbindung stehen. Diese Aktionen haben zur Aussetzung der Verladungen am Terminal des Kaspischen Pipeline-Konsortiums (CPC) in Novorossiysk geführt und gefährden rund 80 Prozent der kasachischen Rohölexporte.

Darüber hinaus haben ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien Berichten zufolge mehr als 50 Prozent der russischen Raffineriekapazität lahmgelegt. Dies verschärft das globale Angebot sowohl an Rohöl als auch an raffinierten Produkten wie Diesel erheblich – mit spürbaren Folgen für die europäischen Energiemärkte.

Ölpreise auf dem Weg zu historischen Höchstständen

Die Ölpreise haben auf diese Entwicklungen mit einem Anstieg von über 30 Prozent im Juli reagiert. Der Brent-Rohölpreis hat erstmals seit Mai die Marke von 100 US-Dollar pro Barrel durchbrochen. Analysten modellieren nun Worst-Case-Szenarien für den Fall einer weiteren Eskalation der regionalen Konflikte zu einem Vollkrieg.

Helima Croft warnte, dass die Preise potenziell das 2022er-Hoch von 128 US-Dollar pro Barrel übertreffen könnten. Einige Projektionen deuten sogar auf einen Durchbruch des Rekordhochs von 2008 bei 148 US-Dollar pro Barrel hin, sollte die maritime Instabilität weiter zunehmen. Unter Analysten herrscht breiter Konsens, dass die gleichzeitige Störung mehrerer Nadelöhre eine systemische Bedrohung für die globale Energiesicherheit darstellt.

Die logistischen Hürden – insbesondere die Tiefenbeschränkungen des Suezkanals und die enormen Kosten einer Umleitung um Afrika – machen eine schnelle Lösung der Lieferkettenkrise unwahrscheinlich. Für deutsche Verbraucher und Unternehmen, die stark von importierten Energieträgern abhängig sind, könnten steigende Rohölpreise die ohnehin angespannte Energiekostensituation weiter verschärfen.

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