Globaler Ausverkauf weitet sich aus: Märkte unter schwerem Druck
Nahostkrise, steigende Energiepreise und Inflationssorgen treiben Anleger weltweit in die Flucht.

Der globale Ausverkauf an den Finanzmärkten hat am Dienstag deutlich an Fahrt gewonnen. Ausgelöst durch die eskalierenden Spannungen im Nahen Osten gaben S&P 500, Nasdaq und Dow Jones jeweils rund 1% nach. Besonders hart traf es asiatische Märkte: Japan verlor 3%, Südkorea sogar 7%.
Auch europäische Leitindizes blieben nicht verschont und verloren zwischen 2,5% und 3,5%. Lateinamerika stand ebenfalls unter Druck – Brasilien und Mexiko büßten jeweils rund 3% ein. Alle elf Sektoren im S&P 500 schlossen im Minus, angeführt von Grundstoffen mit einem Minus von 2,7%.
Öl springt, Gold bricht ein
Der Ölpreis kletterte um 5%, Brent-Rohöl erreichte den höchsten Stand seit Juli 2024. US-Diesel notierte auf dem höchsten Niveau seit November 2023, europäisches LNG verteuerte sich sogar um 22%. Überraschend war die Schwäche bei traditionellen Sicherheitsanlagen: Gold verlor 4%, andere Edelmetalle sogar bis zu 9%.
Der Ausverkauf bei Gold und Silber ist kein Zufall – beide Metalle hatten Ende 2024 stark zugelegt und boten nun Spielraum für Gewinnmitnahmen. Ähnliches gilt für den südkoreanischen KOSPI, der in den ersten zwei Monaten des Jahres um 50% gestiegen war und nun zu den größten Tagesverlierern zählte. In Phasen akuter Liquiditätsnot werden zuerst die am stärksten gestiegenen Werte abgestoßen.
Am Devisenmarkt legte der US-Dollar kräftig zu. Der USD/JPY-Kurs näherte sich der kritischen Marke von 158,00 – eine Zone, in der Marktteilnehmer mit einer Intervention der Bank of Japan rechnen. Schwellenländerwährungen gerieten stark unter Druck: Der brasilianische Real verlor 2% und erlebte seinen schlechtesten Tag des Jahres, Chiles Peso büßte 3% ein.
Fed unter Druck: Zinssenkungen in weite Ferne gerückt
An den Anleihemärkten stiegen die US-Renditen um 2 Basispunkte. Zwei Zinssenkungen der US-Notenbank Fed für 2026 sind in den Zinsfutures nicht mehr vollständig eingepreist. Anleger bewerten den Energieschock derzeit stärker als Inflationsrisiko denn als Wachstumsbremse – ein schwieriges Umfeld für die Geldpolitik.
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Zur AktienanalyseBesonders brisant: Kevin Warsh, von Präsident Donald Trump als neuer Fed-Chef nominiert und voraussichtlich im Mai Nachfolger von Jerome Powell, könnte seine Amtszeit mit einer denkbar ungünstigen Ausgangslage beginnen. Marktbeobachter schließen mittlerweile nicht aus, dass der erste Schritt unter Warsh eine Zinserhöhung sein könnte.
Auch der Markt für Privatkredite gerät zunehmend unter Druck. Steigende Rücknahmen aus dem Flaggschiff-Privatkreditfonds von Blackstone trieben die Aktie um 5% nach unten. Konkurrenten wie KKR und Apollo gaben ebenfalls nach – alle drei Titel haben im laufenden Jahr rund 30% verloren und notieren 45 bis 50% unter ihren Allzeithochs.
Die geopolitischen Turbulenzen haben die Suche nach Liquidität beschleunigt und den Ausverkauf lawinenartig verstärkt. Das traditionelle 60-40-Portfolio – 60% Aktien, 40% Anleihen – bietet kaum Schutz, da beide Assetklassen gleichzeitig fallen. Anleger fragen sich, wo in diesem Umfeld noch echte Diversifikation zu finden ist.


