Goldpreis fällt fast 2%: Ölpreisanstieg befeuert Fed-Zinssorgen
Steigende Ölpreise und neue Inflationsängste belasten Gold – trotz geopolitischer Spannungen im Nahen Osten.

Der Goldpreis hat am Donnerstag deutlich nachgegeben und einen Großteil seiner jüngsten Gewinne wieder abgegeben. Um 09:44 Uhr ET (13:44 GMT) sank der Spot-Goldpreis um 1,7% auf 4.060,96 US-Dollar pro Unze, während Gold-Futures sogar um 2,4% auf 4.051,72 US-Dollar nachgaben. Zuvor hatte das Edelmetall in den vorangegangenen zwei Handelssitzungen noch rund 3% zugelegt und ein Zwei-Wochen-Hoch erreicht.
Auslöser des Rücksetzers sind steigende Ölpreise, die neue Inflationssorgen schüren. Die Rohölsorte Brent kletterte erstmals seit Ende Mai über die Marke von 100 US-Dollar pro Barrel. Hintergrund sind Angriffe der vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen im Jemen auf zwei saudi-arabische Öltanker im Roten Meer. Die Attacken wecken Befürchtungen, dass Störungen der weltweiten Rohölversorgung über die Straße von Hormus hinausgehen könnten.
Geopolitische Spannungen treiben Ölpreise
Gleichzeitig zeigen die USA und der Iran kaum Anzeichen für eine Rückkehr zu Verhandlungen, während sich die Feindseligkeiten weiter verschärfen. Die angespannte Lage im Nahen Osten sorgt für anhaltende Unsicherheit an den Rohstoffmärkten und hält die Risikoprämien bei Öl hoch.
Der Anstieg der Ölpreise befeuert jedoch die Sorge, dass die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) ihre restriktive Geldpolitik länger als erwartet aufrechterhalten könnte. Höhere Zinsen belasten traditionell den Goldpreis, da das Edelmetall keine laufenden Erträge abwirft und damit gegenüber verzinslichen Anlagen an Attraktivität verliert – die sogenannten Opportunitätskosten steigen.
Psychologisch wichtige Marke von 4.000 Dollar hält
Trotz des Tagesverlustes hält sich Gold bislang über der psychologisch bedeutsamen Marke von 4.000 US-Dollar. Händler beobachten nun, ob das Metall genügend Dynamik aufbauen kann, um den Widerstand nahe 4.200 US-Dollar zu testen. Vom Rekordhoch im Januar war der Goldpreis zuvor deutlich eingebrochen.
David Morrison, Senior Market Analyst bei Trade Nation, kommentierte die Lage wie folgt: „Könnte dies lediglich eine kleine Phase von Gewinnmitnahmen sein, die bald ausläuft, oder sind noch tiefere Zyklustiefs in Aussicht? Es gibt eine leichte Unterstützung um 4.080 Dollar, und wenn sich Gold hier halten kann, scheint eine Erholung möglich. Es muss jedoch mit einiger Überzeugungskraft über 4.200 Dollar ausbrechen, um die Bullen wirklich an Bord zu holen. Ob dies gelingen kann, während der US-Dollar stark bleibt, ist weiterhin eine große Frage."
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Zur AktienanalyseAnleger bauen Long-Positionen trotzdem aus
Trotz des Gegenwinds durch die Zinspolitik zeigen sich viele Investoren weiterhin zuversichtlich für Gold. Analysten der australischen ANZ-Bank stellen fest, dass Anleger ihre Goldpositionen trotz der Aussicht auf anhaltend hohe Zinsen weiter ausgebaut haben. Dies deute darauf hin, dass die jüngste Kursschwäche eher Käufer angelockt als neue Verkäufe ausgelöst habe.
Die spekulativen Netto-Long-Positionen sind laut ANZ auf den höchsten Stand seit Januar gestiegen. Zudem verzeichnen goldbesicherte börsengehandelte Fonds (ETFs) erneut Zuflüsse. Dies deutet darauf hin, dass einige Anleger Gold gezielt zur Absicherung gegen überreizte Aktienbewertungen einsetzen – ein klassisches Motiv für eine strategische Goldallokation im Portfolio.


