IWC entwickelt Fliegeruhr speziell für den Weltraum
Der Schweizer Uhrenhersteller IWC hat gemeinsam mit dem Raumfahrtunternehmen Vast eine Uhr von Grund auf neu für die bemannte Raumfahrt entwickelt.

Der Schweizer Luxusuhrenhersteller IWC Schaffhausen betritt mit der neuen Pilot's Venturer Vertical Drive eine völlig neue Dimension. Die Uhr wurde nicht etwa als Variante eines bestehenden Modells konzipiert, sondern von Grund auf neu entwickelt – speziell für den Einsatz in der bemannten Raumfahrt. Damit hebt sich IWC bewusst von früheren „Weltraum-Uhren" ab, darunter die legendäre Omega Speedmaster.
Entwickelt wurde die Pilot's Venturer Vertical Drive in Zusammenarbeit mit Vast, einem in Long Beach ansässigen Unternehmen für Weltraumhabitate, das kommerzielle Projekte im erdnahen Orbit vorantreibt. Die Uhr wurde denselben Startsimulationstests unterzogen wie die reguläre Raumfahrtausrüstung von Vast – ein Qualifikationsstandard, der sie von bisherigen Uhren im All klar unterscheidet.
Ziel: Die erste kommerzielle Raumstation
Die Uhr hat die offizielle Qualifikation für den Einsatz auf der Haven-1 erhalten, die als weltweit erste kommerzielle Raumstation geplant ist und im nächsten Jahr starten soll. Auf Haven-1 soll Haven-2 folgen, die langfristig die Internationale Raumstation (ISS) ersetzen soll. Die ISS wurde 1998 von der NASA und anderen Weltraumorganisationen in Betrieb genommen und soll bis 2030 aus dem Orbit genommen werden.
IWC-Chef Chris Grainger-Herr erklärt die Motivation hinter dem Projekt: „Der Weltraum ist wirklich die letzte Grenze. Wenn man Grenzen verschiebt und sich wirklich auf die Probe stellt, entstehen oft echte Innovationen und Fortschritte." Das Engagement im Weltraumbereich ist für IWC kein Neuland – es ist Teil einer langfristigen Strategie, die bereits um 2016 mit Partnerschaften in der professionellen Militärluftfahrt begann.
Im Jahr 2021 schickte IWC mit der Inspiration4-Mission – dem ersten rein zivilen orbitalen Weltraumflug – erstmals eine Uhr ins All: einen Pilot's Watch Chronograph. Neun weitere IWC-Uhren folgten, darunter vier auf dem Polaris-Dawn-Flug im Jahr 2024. Bei dieser fünftägigen, privat finanzierten Mission unternahm der Milliardär Jared Isaacman einen Weltraumspaziergang – derselbe Isaacman, der im Dezember 2024 zum NASA-Administrator ernannt wurde.
Design für Astronauten mit Handschuhen
Die besonderen Anforderungen der Raumfahrt spiegeln sich direkt im Design der Uhr wider. Da Astronauten Raumanzüge mit Handschuhen tragen, verzichtet die Pilot's Venturer Vertical Drive vollständig auf eine Krone. Stattdessen werden alle Funktionen über ein zum Patent angemeldetes Drehlünettensystem gesteuert. Ein Wippschalter an der Gehäuseseite ermöglicht es dem Träger, zwischen verschiedenen Funktionen zu wechseln – darunter das Aufziehen des Uhrwerks sowie das Einstellen der Heimat- oder Missionszeit.
Die Anzeige der Missionsreferenzzeit erfolgt im 24-Stunden-Format, um den vertrauten Tagesrhythmus der Erde beizubehalten. Das ist kein Detail am Rande: An Bord der Haven-1, die die Erde in etwa 450 Kilometern Höhe umkreisen wird, erlebt die Besatzung bis zu 16 Sonnenauf- und -untergänge innerhalb von 24 Stunden. Die Crew arbeitet nach einem strengen Zeitplan, der in Fünf-Minuten-Schritten festgelegt ist.
Grainger-Herr beschreibt den Designansatz so: „Es war sehr klar, dass wir die Essenz der Tool Watch finden wollten, aber gleichzeitig die Klarheit und intuitive Bedienung beibehalten und etwas schaffen wollten, das sich wirklich auf den Menschen konzentriert." IWC bezeichnet diesen Aspekt – die Verbindung zur Heimat und vertraute Routinen – als die „menschliche Erfahrung".
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Auch bei den Materialien setzt IWC auf Weltraumtauglichkeit. Die Uhr ist aus Ceratanium gefertigt – dem keramisiertem Titan von IWC. Keramiken werden in der Luft- und Raumfahrtindustrie wegen ihrer Robustheit und Widerstandsfähigkeit gegenüber extremen Temperaturschwankungen geschätzt. Das Material wurde gezielt wegen seiner Beständigkeit gegen plötzliche Temperaturwechsel gewählt, wie sie im Weltraum auftreten.
Mechanische Uhren gelten in der Raumfahrt seit Jahrzehnten als zuverlässige Redundanz- und Backup-Systeme. Im Weltraum fehlen die üblichen natürlichen Zeitindikatoren, und Entfernungen werden in Zeit gemessen – Präzision und Zuverlässigkeit sind daher keine Kür, sondern Pflicht. Mit der Pilot's Venturer Vertical Drive positioniert sich IWC als ernsthafter Partner der kommerziellen Raumfahrt – und nicht nur als Uhrenhersteller mit einem Weltraum-Marketingauftritt.


