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Kanada sucht asiatische Abnehmer für Öl und Gas

Ottawa diversifiziert Energieexporte nach China und Indien, während Handelskonflikte mit den USA zunehmen.

Kanada sucht asiatische Abnehmer für Öl und Gas

Kanadas Ölindustrie vollzieht eine strategische Neuausrichtung in Richtung Asien, um die starke Abhängigkeit vom US-Markt zu reduzieren. Premierminister Mark Carney treibt diese Diversifizierung aktiv voran und sucht neue Abnehmer in China und Indien für kanadisches Öl, Gas und Uran – dies vor dem Hintergrund wachsender Handelsspannungen mit Washington.

Die Strategie zeigt bereits Wirkung: Kanadas Ölverkäufe nach China haben sich 2025 auf 88,7 Millionen Barrel mehr als vervierfacht. Dieser dramatische Anstieg folgt der Eröffnung der erweiterten Trans-Mountain-Pipeline im Mai 2024, die erstmals größere Mengen kanadischen Rohöls von Alberta an die Westküste für den Export nach Asien transportieren kann.

Kanada ist der weltweit viertgrößte Ölproduzent und verfügt über die drittgrößten nachgewiesenen Reserven, hauptsächlich in den Ölsanden von Alberta. Die Branche fördert derzeit Rekordmengen und steigert Aktionärsrenditen trotz schwacher globaler Ölpreise. Zudem gehört das Land zu den größten Uranproduzenten weltweit – ein Rohstoff, der durch das erneute Interesse an Kernenergie wieder an Bedeutung gewinnt.

Diplomatische Offensive in Asien

Carney besuchte im vergangenen Monat Peking – der erste Besuch eines kanadischen Premierministers seit fast einem Jahrzehnt. Er pries den "Aufbau einer neuen strategischen Partnerschaft" mit China an. US-Präsident Donald Trump reagierte scharf auf diese Annäherung, drohte mit 100-prozentigen Zöllen gegen Kanada und behauptete in sozialen Medien, "China übernimmt erfolgreich und vollständig das einst großartige Land Kanada".

Anfang März reist Carney nach Neu-Delhi und Mumbai. Die Reise könnte die Unterzeichnung eines Uran-Deals im Wert von 3 Milliarden US-Dollar mit Cameco beinhalten, dem weltweit größten börsennotierten Uranunternehmen mit Sitz in Saskatchewan. Energieminister Tim Hodgson hatte kürzlich als erster kanadischer Bundesminister an der India Energy Week teilgenommen und berichtete von großem Interesse indischer Unternehmen an kanadischem Flüssigerdgas.

Infrastruktur als Engpass

Um die Ambitionen zu verwirklichen, muss Kanada massiv in Infrastruktur investieren. Das Land plant, seine LNG-Produktion zu verdoppeln und strebt beschleunigte Genehmigungen für neue Produktionsstätten an. Eine im November zwischen Alberta und Ottawa unterzeichnete Absichtserklärung signalisiert den Bedarf für eine neue Pipeline zur Westküste, die zusätzlich eine Million Barrel pro Tag für asiatische Märkte liefern könnte.

Doch am vergangenen Freitag erlitt diese Strategie einen Rückschlag: Enbridge, Nordamerikas größtes Pipeline-Unternehmen, erklärte, es sei nicht bereit, eine neue Pipeline von Alberta an die Westküste zu bauen. "Ich glaube nicht, dass Investoren oder Infrastrukturunternehmen all das Entwicklungsrisiko in Rechtsgebieten übernehmen sollten, die in der Vergangenheit Herausforderungen geschaffen haben", begründete Enbridge-Chef Gregory Ebel die Entscheidung.

Klimaziele in Gefahr

Carney verknüpft jede Steigerung der Ölproduktion mit der Bedingung, dass der Sektor eine Mega-Anlage zur Kohlenstoffabscheidung mitfinanziert. Das Pathways Alliance genannte Projekt soll Emissionen ausgleichen und wird auf Kosten zwischen 10 und 20 Milliarden kanadischen Dollar geschätzt. Das beteiligte Konsortium kanadischer Ölunternehmen zögert jedoch, das Dekarbonisierungsprojekt in seine jährlichen Betriebskosten aufzunehmen.

Kanadas Pro-Kopf-Emissionen gehören zu den höchsten der Welt. Trotz nur 40 Millionen Einwohnern ist das Land der zehntgrößte Verschmutzer des Planeten. Das Canadian Climate Institute berichtete am Freitag, dass Kanada weder das Zwischenziel zur Emissionsreduzierung für 2026 noch die Verpflichtungen des Pariser Abkommens für 2030 oder das Netto-Null-Ziel bis 2050 erreichen werde. "Das Land ist nicht auf Kurs für seine Ziele – tatsächlich hat es sich von ihnen entfernt", lautet das ernüchternde Fazit.

Wie Carney den Spagat zwischen mehr Öl- und Gasexporten nach Asien, der Beziehung zu Washington und den Klimazielen meistern will, unterstreicht die enormen Herausforderungen für sein Ziel, Kanada zu einer Energie-"Supermacht" zu machen.

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