Kleinstmünzen vor dem Aus?
Warum Deutschland über das Rundungsmodell bei Barzahlungen nachdenkt

Die Abschaffung von Ein- und Zwei-Cent-Münzen könnte in Deutschland bald Realität werden. Das Nationale Bargeldforum, eine von der Bundesbank initiierte Plattform mit Vertretern aus Einzelhandel, Bankenverbänden, Geldtransporteuren und Verbraucherschutzorganisationen, schlägt vor, Bargeldzahlungen auf den nächsten Fünf-Cent-Betrag aufzurunden. Damit würde sich Deutschland an mehreren europäischen Ländern orientieren, die eine ähnliche Regelung bereits eingeführt haben.
Laut einer Umfrage der EU-Kommission befürwortet eine knappe Mehrheit der Deutschen den Verzicht auf die kleinsten Euro-Münzen. 53 Prozent der Befragten gaben an, sie abschaffen zu wollen. Der Vorschlag des Bargeldforums würde bedeuten, dass etwa ein Betrag von 4,99 Euro auf 5,00 Euro aufgerundet wird, während 1,02 Euro auf 1,00 Euro abgerundet würde. Eine gesetzliche Regelung zur Rundung könne die Akzeptanz von Bargeld erhöhen und den Zahlungsverkehr vereinfachen, argumentieren die Befürworter.
Ein wesentlicher Punkt in der Debatte sind die hohen Kosten für die Herstellung und den Transport der Münzen. Bundesbank-Vorstand Burkhard Balz betont, dass der Verzicht auf Ein- und Zwei-Cent-Münzen den Bargeldkreislauf effizienter und nachhaltiger machen könne. Die kleinen Kupfermünzen würden ohnehin häufig in Sparschweinen landen oder verloren gehen, sodass sie in der Praxis bereits aus dem Umlauf verschwinden.
Dorothea Mohn vom Verbraucherzentrale Bundesverband sieht in dem Vorschlag eine Chance, Bargeld attraktiver zu gestalten. Viele Menschen hätten ohnehin ungern Kleinstmünzen in ihrem Portemonnaie, da sie an der Kasse das Bezahlen umständlicher machten. Sie begrüßt daher Überlegungen, mit denen die Nutzung von Bargeld vereinfacht wird.
Der Handelsverband HDE zeigt sich hingegen zurückhaltend. Zwar erkenne man logistische und umweltpolitische Vorteile der Maßnahme, jedoch sei der Einzelhandel auf krumme Preise angewiesen, um flexible Preisgestaltungen zu ermöglichen. Solange Cent-Münzen als Zahlungsmittel im Umlauf bleiben, entstünden zudem zusätzliche Aufwände für Händler, die die Münzen annehmen, aber nicht mehr herausgeben würden.
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Zur AktienanalyseIn anderen europäischen Ländern sind ähnliche Rundungsregeln längst etabliert. Finnland verzichtet bereits seit Jahren auf die kleinsten Münzen, indem Barzahlungen gesetzlich auf fünf Cent gerundet werden. Auch in den Niederlanden, Italien, Belgien, Irland, der Slowakei und Estland existieren vergleichbare Regelungen. Die vollständige Abschaffung von Ein- und Zwei-Cent-Münzen wäre jedoch nur auf EU-Ebene möglich.


