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Mit 73 von Dividenden leben: Wie viel Puffer braucht man?

Ein 73-jähriger Rentner in Kalifornien lebt vollständig von Dividenden – und fragt sich, wie viel Sicherheitspuffer wirklich nötig ist.

Mit 73 von Dividenden leben: Wie viel Puffer braucht man?

Ein 73-jähriger Anleger aus Kalifornien hat eine bemerkenswerte finanzielle Situation aufgebaut: Er lebt zu 100 Prozent von den Dividendenerträgen seines Aktienportfolios. Das Portfolio besteht ausschließlich aus US-amerikanischen Large-Cap-Aktien – also Standardwerten großer, etablierter Unternehmen. Sein Eigenheim ist vollständig abbezahlt, und er verfügt über eine Liquiditätsreserve, die seine gesamten Jahresausgaben abdeckt.

Trotz dieser soliden Ausgangslage stellt sich der Rentner eine zentrale Frage: Wie viel Dividendenertrag über die laufenden Kosten hinaus ist notwendig, um wirklich abgesichert zu sein? Diese Frage beschäftigt viele Privatanleger im Ruhestand – und sie ist alles andere als trivial.

Die Risiken einer reinen Dividendenstrategie

Der Anleger benennt selbst die drei größten Risikofaktoren seiner Strategie: Marktveränderungen, Dividendenkürzungen und unerwartete Ausgaben. Diese Sorgen sind berechtigt. Dividenden sind keine garantierten Zahlungen – Unternehmen können sie jederzeit kürzen oder ganz streichen, insbesondere in wirtschaftlich schwierigen Phasen. Wer ausschließlich auf Dividendeneinkommen angewiesen ist, trägt dieses Risiko unmittelbar im Alltag.

Ein Portfolio, das zu 100 Prozent aus Aktien besteht, unterliegt zudem den vollen Schwankungen des Aktienmarkts. Zwar sind Large-Cap-Werte in der Regel stabiler als kleinere Unternehmen, doch auch sie sind vor Kursverlusten oder Dividendenkürzungen nicht gefeit. Die Frage nach dem richtigen Sicherheitspuffer ist daher keine akademische Übung, sondern eine sehr praktische Herausforderung.

Der Begriff „kugelsicheres Portfolio", den der Anleger selbst verwendet, ist dabei mit Vorsicht zu genießen. Wie MarketWatch betont, mag ein wirklich kugelsicheres Portfolio unmöglich sein – man kann jedoch versuchen, ihm nahezukommen, wenn ausreichend Kapital vorhanden ist.

Puffer, Notreserve und Planungshorizont

Der Rentner hat bereits wichtige Grundlagen geschaffen: Das abbezahlte Eigenheim reduziert die monatlichen Fixkosten erheblich, und die einjährige Liquiditätsreserve gibt ihm Zeit, auf Marktveränderungen zu reagieren, ohne sofort Aktien verkaufen zu müssen. Diese Kombination ist eine solide Basis für eine Dividendenstrategie im Ruhestand.

Die entscheidende Folgefrage lautet jedoch: Reicht ein Jahr Liquiditätspuffer aus? Dividendenkürzungen können sich über mehrere Jahre hinziehen, wie etwa während der Finanzkrise 2008 oder der Corona-Pandemie 2020 zu beobachten war. Viele Finanzplaner empfehlen daher, nicht nur die laufenden Ausgaben, sondern auch mögliche Einkommensausfälle in die Planung einzubeziehen.

Für deutsche Privatanleger ist diese Situation ebenfalls relevant. Auch hierzulande setzen immer mehr Ruheständler auf Dividendenstrategien, um ein regelmäßiges passives Einkommen zu erzielen. Die Grundprinzipien – ausreichende Diversifikation, Liquiditätspuffer und realistische Einkommensplanung – gelten unabhängig vom Wohnsitzland.

Was Anleger aus diesem Fall lernen können

Der Fall des 73-Jährigen zeigt exemplarisch, welche Fragen sich Dividendeninvestoren im Ruhestand stellen sollten:

  • Wie hoch ist der Anteil der Dividendenerträge, der über die laufenden Kosten hinausgeht?
  • Wie lange reicht die Liquiditätsreserve bei einem vollständigen Ausfall der Dividenden?
  • Ist das Portfolio breit genug gestreut, um Dividendenkürzungen einzelner Unternehmen abzufedern?
  • Welche unerwarteten Ausgaben – etwa für Gesundheit oder Pflege – könnten im Alter entstehen?

Diese Fragen haben keine universelle Antwort. Sie hängen von der individuellen Lebenssituation, dem Gesundheitszustand, den persönlichen Ausgaben und der Risikobereitschaft ab. Klar ist jedoch: Wer im Ruhestand vollständig von Dividenden lebt, sollte nicht nur auf die aktuelle Ertragslage schauen, sondern auch Szenarien für schlechtere Zeiten durchdenken.

Die Frage des Anlegers, die er an die Kolumne „Fix My Portfolio" von MarketWatch gerichtet hat, berührt damit einen der zentralen Aspekte der Ruhestandsplanung: die Balance zwischen aktuellem Einkommensbedarf und langfristiger finanzieller Sicherheit.

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