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Nestlé übernimmt YFood: Milliardenboom bei Trinkmahlzeiten

Der Markt für Trinkmahlzeiten wächst rasant – doch Experten warnen vor gesundheitlichen Risiken und der Nutri-Score zeigt nun Rot.

Nestlé übernimmt YFood: Milliardenboom bei Trinkmahlzeiten

Der Wunsch nach gesunder Ernährung wächst – doch im Alltag scheitert er oft an Zeit und Verfügbarkeit. Immer mehr Verbraucher greifen deshalb zu sogenannten Trinkmahlzeiten: Flaschen mit 400 bis 500 Kalorien, die eine vollwertige Mahlzeit ersetzen sollen. Die Zielgruppe ist breit: von gestressten Managern über Pflege- und Rettungskräfte bis hin zu Gamern und Truckern.

Dabei steht die Produktkategorie im Widerspruch zu dem, was Ernährungsexperten empfehlen. Lebensmittelchemiker betonen, dass kaum jemand tatsächlich unter Proteinmangel leidet – was fehle, seien Ballaststoffe. Soziale Medien zeichnen jedoch ein anderes Bild und befeuern den Boom rund um Protein-Shakes und Supplements.

YFood: Vom Start-up zur Nestlé-Tochter

Das Münchner Start-up YFood, 2017 von Benjamin Kremer und Noel Bollmann gegründet, hat sich in diesem Markt als klarer Marktführer etabliert. Im Geschäftsjahr 2025 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von rund 150 Millionen Euro – ein zweistelliges Wachstum gegenüber dem Vorjahr. Der Marktanteil liegt laut den Gründern bei rund 70 Prozent. Der nächstgrößte Wettbewerber kommt gerade einmal auf sieben Prozent.

Bereits 2023 stieg der Schweizer Lebensmittelriese Nestlé mit 49 Prozent bei YFood ein – für 220 Millionen Euro laut Geschäftsbericht. Seit dieser Woche ist klar: Ab dem 3. Juli übernimmt Nestlé das Unternehmen vollständig. Die Gründer geben ihre verbliebenen Anteile ab und verlassen das Unternehmen. Die Kartellbehörden müssen dem Deal noch zustimmen. Über den Kaufpreis für die restlichen Anteile schwieg Nestlé.

YFood soll als eigenständiges Unternehmen mit Hauptsitz in München weitergeführt werden. Die Geschäftsführung übernimmt nach Abschluss der Transaktion Jolanda Schwirtz, eine erfahrene Nestlé-Führungskraft, die bereits in den vergangenen drei Jahren eng mit YFood zusammengearbeitet hat. Das strategische Ziel ist klar: Nestlé will YFood als „globale Smart-Food-Marke" positionieren. Aktuell ist das Produkt in 20 Ländern erhältlich, erste Schritte außerhalb Europas werden in Asien und dem Nahen Osten unternommen.

Branche im Aufbruch: Danone, Hipp und Alpro drängen in den Markt

Der Markt für Trinkmahlzeiten zieht immer mehr Großkonzerne an. Im März kündigte der französische Lebensmittelkonzern Danone die Übernahme des britischen Herstellers Huel an. Auch auf dem deutschen Markt drängen neue Anbieter in die Kategorie: Die Molkerei Ehrmann brachte 2023 ihr Produkt „Foodie" in den Handel, 2024 folgte Alois Müller mit „J*st Food" und 2025 der Cerealienhersteller Peter Kölln mit „Reload". Discounter wie Lidl und Penny ergänzen das Angebot mit eigenen Handelsmarken.

Vergangene Woche verkündeten gleich zwei weitere bekannte Marken ihren Einstieg: Hipp und Alpro. Für Hipp ist das Thema flüssige Ernährung dabei kein Neuland – der Hersteller produziert seit 20 Jahren Flüssignahrung, nicht nur für Babys, sondern auch hochkalorische Sondernahrung für kranke Erwachsene. „Diese besondere Expertise in der Ernährung für sensible Zielgruppen übertragen wir nun konsequent auf den Bereich der Trinkmahlzeiten", erklärt das Unternehmen. Erste Händler hätten bereits nachbestellen müssen, weil die Produkte schneller abverkauft waren als erwartet.

Ein Selbstläufer ist das Geschäft mit Trinkmahlzeiten jedoch nicht. Peter Kölln zog sich nach weniger als einem Jahr wieder aus der Kategorie zurück. „Wir haben uns entschieden, unsere trinkbare Mahlzeit vorerst vom Markt zu nehmen", teilte das Unternehmen im Januar mit. Der Erfolg von „Reload" blieb offenbar hinter den Erwartungen zurück – ein Zeichen dafür, wie schwer es ist, gegen YFoods dominante Marktstellung anzukommen.

Kritik von Verbraucherschützern und neuer Nutri-Score

Neben dem Wettbewerbsdruck gibt es auch inhaltliche Kritik an der Produktkategorie. Armin Valet, Lebensmittelchemiker bei der Verbraucherzentrale Hamburg, äußert sich skeptisch: „Wir sehen die Produktkategorie kritisch und können sie nicht empfehlen." Zwar seien Trinkmahlzeiten gesünder als eine Currywurst mit Pommes – aber: „Etwas Ungesundes durch etwas weniger Ungesundes zu ersetzen, halte ich für schwierig."

Das Hauptproblem liegt laut Valet im Blutzuckerspiegel: Weil in kurzer Zeit viele Kalorien aufgenommen werden, steigt dieser rasant an und fällt anschließend schnell wieder ab. Da zudem nicht gekaut wird, entsteht ein geringeres Sättigungsgefühl – was dazu verleiten kann, kurz darauf erneut zu essen.

Zusätzlich hat sich die Bewertung durch den Nutri-Score verändert. Seit diesem Jahr gilt alles, was getrunken wird, als Getränk – zuvor wurden Milchgetränke als Lebensmittel eingestuft. Für YFood bedeutet das: Statt dem grünen „A" zeigt die Lebensmittelampel künftig ein rotes „E". Das Unternehmen hat daraufhin entschieden, den Nutri-Score nicht mehr auf seinen Verpackungen abzudrucken.

Die Gründer betonen dennoch, dass YFood keine Diät- oder Nahrungsergänzungsprodukte seien, sondern „Smart Food" – funktionale Lebensmittel, die rund 25 Prozent des täglichen Energie- und Nährstoffbedarfs eines Erwachsenen abdecken. Gleichzeitig stellen sie klar: „Eine vielfältige Ernährung bleibt essenziell." Die Trinkmahlzeit solle frische, ausgewogene Kost ergänzen – nicht ersetzen.

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