Novo Nordisk unter Druck nach Kurssturz
Neuer CEO Doustdar setzt auf Tempo und US-Markt zur Wende

Der Absturz kam in zwei Stufen: Zuerst musste Novo Nordisk seine Gewinnprognose deutlich senken, kurz darauf wurde ein neuer CEO vorgestellt. Die Aktie des dänischen Pharmakonzerns verlor nach der Bekanntgabe der revidierten Zahlen über zwanzig Prozent an Wert. Seit Monaten befindet sich das Papier im Sinkflug – inzwischen hat sich der Kurs halbiert. Damit verliert Europas einst wertvollstes Unternehmen weiter an Boden im Konkurrenzkampf mit dem US-Rivalen Eli Lilly.
An die Spitze des Konzerns rückt mit Maziar Mike Doustdar ein Manager aus den eigenen Reihen. Der 54-jährige Österreicher leitete bislang das internationale Geschäft von Novo Nordisk und soll am 7. August die Leitung übernehmen. Sein Vorgänger Lars Fruergaard Jorgensen war bereits im Mai entmachtet worden, führte jedoch übergangsweise weiter die Geschäfte. Der Druck auf Doustdar ist enorm: Die Erwartungen sind hoch, die Probleme vielschichtig.
Die jüngste Prognose für 2025 verdeutlicht die Herausforderungen. Statt eines Umsatzwachstums von 13 bis 21 Prozent rechnet das Unternehmen nur noch mit acht bis 14 Prozent. Auch beim operativen Gewinnwachstum musste Novo Nordisk zurückrudern – von ursprünglich 16 bis 24 Prozent auf nunmehr zehn bis 16 Prozent. Viele Investoren hatten mit einer moderaten Anpassung gerechnet, doch das Ausmaß der Korrektur kam überraschend. Die Zahlen deuten darauf hin, dass die Schwierigkeiten im Konzern tiefer liegen als bisher angenommen.
In einer virtuellen Pressekonferenz betonte Doustdar, man wolle künftig deutlich schneller agieren – von der Entwicklung neuer Produkte bis zur Markteinführung. Die Leistungskultur im Unternehmen soll gestärkt, Kosten eingespart werden. Besonders der US-Markt steht im Fokus. Dort verlor Novo Nordisk zuletzt spürbar an Boden gegenüber Eli Lilly, dessen Abnehmspritze als wirksamer gilt. Der neue CEO zeigte sich dennoch optimistisch: „Wir werden in der Lage sein, das Bild in den USA zu verändern“, erklärte er. Auf Nachfrage stellte er klar, dass der angestrebte Wandel nicht im Widerspruch zur Work-Life-Balance der Beschäftigten stehe.
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Zur AktienanalyseNicht alle Investoren zeigten sich überzeugt von der internen Lösung an der Spitze. Einige hätten sich angesichts der Krise einen externen Kandidaten gewünscht. Mit Doustdar übernimmt nun der sechste Vorstandschef in der über 100-jährigen Geschichte von Novo Nordisk. Dabei gab es zuletzt auch Lichtblicke: Die Verschreibungszahlen für die Abnehmspritze Wegovy in den USA steigen wieder. Ein Vertrag mit dem US-Pharmahändler CVS Healthcare soll zusätzlich 200.000 neue Patienten bringen.


