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Polo Motorrad: Finanzinvestoren buhlen um insolventen Motorrad-Händler

Mehrere Bieter erstellen Fünfjahrespläne für die 90-Filialen-Kette. Entscheidung bis Ende März erwartet.

Polo Motorrad: Finanzinvestoren buhlen um insolventen Motorrad-Händler

Die angeschlagene Handelskette Polo Motorrad und Sportswear steht kurz vor einer Rettung durch externe Investoren. Nach dem Start des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung im November 2025 hat die gerichtliche Eröffnung des Verfahrens nun den Weg für konkrete Verkaufsverhandlungen freigemacht. Mehrere Finanzinvestoren befinden sich in fortgeschrittenen Gesprächen mit dem Unternehmen.

"Der Investorenprozess ist in vollem Gange: Wir haben bereits eine belastbare Shortlist mit mehreren Interessenten, darunter vor allem Finanzinvestoren", erklärt Polo-Chef Andrew Thorndike gegenüber der WirtschaftsWoche. Die Bieter würden sich intensiv mit dem Geschäftsmodell auseinandersetzen und eigeninitiativ Fünfjahrespläne erstellen. Verbindliche Angebote werden in Kürze erwartet.

Der CEO zeigt sich optimistisch: "Ich bin überzeugt, dass Polo einen Investor findet und erfolgreich fortgeführt werden kann." Spätestens Ende März soll die Entscheidung fallen, wer die Kette mit 90 Filialen und rund 700 Mitarbeitern übernimmt.

Operative Stabilität trotz Insolvenz

Das 1980 gegründete Unternehmen aus Jüchen in Nordrhein-Westfalen zählt zu den größten Anbietern für Motorradbekleidung, -Technik und -Zubehör in Deutschland. Trotz der Insolvenz läuft das Tagesgeschäft stabil weiter. "Die Läden sind geöffnet, die Kundennachfrage ist da", betont Thorndike. Viele Mitarbeiter seien überrascht, wie geordnet der Betrieb weiterlaufe.

Eine große Entlassungswelle oder flächendeckende Standortschließungen sind nicht geplant. Einzelne Filialanpassungen seien bereits vor der Insolvenz Teil einer normalen Portfolio-Optimierung gewesen. Das operative Geschäft profitiert dabei von der Unterstützung der Lieferanten, die dem Unternehmen mit verlängerten Zahlungszielen entgegenkommen.

"Gerade in der aktuellen Marktlage sitzen viele Lieferanten auf vollen Lagern und brauchen verlässliche Absatzkanäle", erklärt der Manager. Die Warenversorgung für die wichtige Hauptsaison ab März sei weitestgehend gesichert. Der gerichtlich bestellte Sachwalter Rechtsanwalt Rainer Frölich von der Kanzlei AHW Insolvenzverwaltung überwacht den Prozess im Interesse der Gläubiger.

Attraktiver Wachstumsmarkt lockt Investoren

Als Auslöser für das Eigenverwaltungsverfahren nennt Thorndike eine Liquiditätslücke, nachdem sich der bisherige Gesellschafter in einer konjunkturell schwierigen Phase entschieden habe, seinen finanziellen Fokus nicht auf Polo Deutschland zu legen. Das grundsätzliche Geschäftsmodell bewertet er jedoch als intakt.

Der deutsche Markt für Motorradzubehör hat ein Volumen von rund 3,5 Milliarden Euro und ist stark fragmentiert. Die drei größten Anbieter erreichen zusammen nur einen niedrigen zweistelligen Marktanteil. "Das eröffnet enorme Konsolidierungschancen für starke Player", so der CEO. Trotz allgemeiner Konsumzurückhaltung wachse der Markt jährlich um zwei bis vier Prozent.

Die Geschäftsführung wird in dem Verfahren von einem Team um den Juristen Volker Römermann unterstützt. Für interessierte Investoren bietet sich die Chance, in einem wachsenden Nischenmarkt eine etablierte Marke mit bundesweitem Filialnetz zu übernehmen.

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