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Property Guardians: Wohnen im Leerstand für 580 Pfund im Monat

Immer mehr Briten wohnen als Hauswächter in stillgelegten Pflegeheimen, Pubs oder Banken – zu stark vergünstigten Mieten, aber mit wenig Rechten.

Property Guardians: Wohnen im Leerstand für 580 Pfund im Monat

Angesichts explodierender Mietkosten in britischen Großstädten wächst ein ungewöhnliches Wohnmodell: sogenannte Property Guardians, auf Deutsch Hauswächter, bewohnen leerstehende Gebäude und schützen diese vor Hausbesetzern, Vandalismus und Verfall. Im Gegenzug zahlen sie 30 bis 50 Prozent weniger Miete als reguläre Mieter – teilweise inklusive Nebenkosten. Die Kehrseite: Sie haben deutlich weniger Rechte und können mit einer Frist von nur 28 Tagen gekündigt werden.

Die 29-jährige Katrina lebt seit zehn Monaten in einem edwardianischen Herrenhaus in Hampstead, London, das bis 2015 als Pflegeheim genutzt wurde. Sie teilt das Gebäude mit rund 50 weiteren Bewohnern und zahlt monatlich 580 Britische Pfund für ihr Zimmer – inklusive Nebenkosten und Gemeindesteuer. Das sind etwa 400 Pfund weniger als der Londoner Durchschnitt. Als Postgraduierte sagt sie, eine private Miete in der Hauptstadt wäre für sie schlicht nicht finanzierbar.

Das Herrenhaus liegt auf einem 1,7 Acre großen Gartengrundstück und beeindruckt mit prachtvollen Treppenhäusern, nach Südwesten ausgerichteten Balkonen und Kronleuchtern in einigen Zimmern. Katrina beschreibt den Ort trotz seines „ziemlich heruntergekommenen" Zustands als „unglaublich" und „romantisch". Doch die Schattenseiten sind real: „Wir hatten Pilze an den Wänden, Lecks, und Teile des Mauerwerks am Balkon sind abgefallen", berichtet sie.

Gemeinschaft zwischen Anwälten und Künstlern

Das Leben im ehemaligen Pflegeheim beschreibt Katrina als eine Mischung aus „Studentenwohnheim, Apartmentblock und schicker Hausbesetzung". Sie lebt mit „allen möglichen Menschen" zusammen – von Anwälten bis hin zu Künstlern. Badezimmer, Küche und Gemeinschaftsbereiche werden geteilt, soziale Kontakte sind regelmäßig. Allerdings gibt es auch Unstimmigkeiten, etwa wegen Lärmbelästigung.

Das verwaltende Unternehmen Lowe wendet nach eigenen Angaben ein strenges Prüfverfahren für seine Hauswächter an. Zwei Bewohner wurden dennoch wegen ungebührlichen Verhaltens aufgefordert zu gehen – einer davon wegen mutmaßlicher sexueller Belästigung. Lowe erklärte gegenüber der BBC, man handele in solchen Fällen „schnell und entschlossen". Die „überwältigende Mehrheit" der Hauswächter erweise sich als „hervorragende, gemeinschaftsorientierte Bewohner".

„Es ist sehr unsicher"

Rechtlich stehen Hauswächter auf dünnem Eis. Sie besitzen in der Regel keine klassischen Mietverträge, sondern lediglich eine sogenannte „Licence to Occupy" – eine Nutzungserlaubnis. Das hat weitreichende Konsequenzen: Hauswächter-Unternehmen sind nicht verpflichtet, Kautionen zu schützen oder Reparaturen durchzuführen, die nicht ausdrücklich vertraglich vereinbart sind. Vermieter können zudem jederzeit unangemeldet erscheinen und Bewohner ohne Angabe von Gründen kündigen.

Katrina macht sich nach eigener Aussage manchmal Sorgen über die Kurzfristigkeit ihrer Vereinbarung. Ein Projektentwickler hat das ehemalige Pflegeheim im vergangenen Jahr gekauft und plant, es in Wohnungen umzuwandeln – Katrina wird das Gebäude also letztlich verlassen müssen. „In dieser Hinsicht ist es sehr unsicher. Es gibt keine Garantie für die Dauer. Wem das nicht gefällt, für den ist es nichts", sagt sie.

Laut der Property Guardian Providers Association (PGPA) gibt es im Vereinigten Königreich zwischen 10.000 und 15.000 Hauswächter, hauptsächlich in Großstädten. Die meisten sind zwischen 20 und 35 Jahre alt. Der Branchenverband berichtet, dass die Zahl der Bewerber angesichts der explodierenden Mietkosten stark gestiegen ist – ein deutliches Zeichen dafür, wie angespannt der britische Wohnungsmarkt ist.

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