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Rentner als Rettung im Arbeitsmarkt

Finanzielle Anreize und Unternehmensbedarf führen Senioren zurück ins Berufsleben

Rentner als Rettung im Arbeitsmarkt

Eine steigende Zahl von Rentnern in Deutschland entscheidet sich dafür, auch nach dem Eintritt in den Ruhestand weiterhin zu arbeiten. Ob aus finanzieller Notwendigkeit oder wegen der Personalnöte einiger Unternehmen - der Trend zeigt deutlich nach oben.

Egon Wittersheim ist einer dieser Rentner. Der 65-jährige frühere Kraftfahrer hatte eigentlich den Start in seinen wohlverdienten Ruhestand geplant. Doch die Abfallwirtschaftsbetriebe BonnOrange hatten andere Pläne für ihn. Angesichts der aktuellen Nachwuchskrise im Unternehmen wurde er gefragt, ob er sich vorstellen könne, für einige Zeit auszuhelfen. Für Wittersheim war die Entscheidung einfach. Er kennt die Straßen von Bonn wie seine Westentasche und hatte noch keine anderen Verpflichtungen. Also stimmte er zu und fand sich bald wieder am Steuer seines 26-Tonnen schweren Biomüll-Sammelfahrzeugs wieder.

Das Personalproblem von BonnOrange ist beispielhaft für viele Unternehmen in Deutschland. Trotz aktiver Bemühungen, genügend qualifizierten Nachwuchs zu finden, gibt es immer noch viele vakante Stellen. Jérôme Lefèvre, Unternehmenssprecher von BonnOrange, bestätigt, dass die Suche nach qualifizierten Kraftfahrern, die Abfallsammelfahrzeuge fahren können, eine echte Herausforderung ist. Das Unternehmen hat daher beschlossen, auch in Zukunft ehemalige Mitarbeiter aus dem Ruhestand zurückzuholen.

Ein weiterer Anreiz für Rentner wie Wittersheim, wieder ins Berufsleben einzusteigen, ist die finanzielle Belohnung. Durch die Abschaffung der Hinzuverdienstgrenze zu Jahresbeginn können Frührentner nun ein Gehalt verdienen, das zusätzlich zu ihrer Rente ausgezahlt wird, ohne Abzüge befürchten zu müssen. Ein solches doppeltes Einkommen kann für viele sehr attraktiv sein, insbesondere in einer Zeit, in der die Lebenshaltungskosten stetig steigen.

Doch nicht alle Rentner arbeiten aus freien Stücken weiter. Viele müssen dies tun, um über die Runden zu kommen. Wolfgang Dahl, ein 69-jähriger Rentner, ist ein Beispiel dafür. Trotz fast fünf Jahrzehnten im Arbeitsleben erhält er nur eine bescheidene Rente von 1.200 Euro. Die Kombination aus hohen Miet- und Lebensmittelkosten lässt ihm kaum eine andere Wahl, als weiterzuarbeiten. Und er ist nicht allein. Laut dem Bundesarbeitsministerium gibt es in Deutschland derzeit über eine Million Erwerbstätige, die älter als 67 Jahre sind.

Für viele dieser arbeitenden Rentner ist der physische und gesundheitliche Tribut jedoch nicht zu übersehen. Wie im Fall von Wittersheim, der nach sechs Monaten auf den Rat seines Arztes hin beschloss, seine Tätigkeit nicht fortzusetzen.

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