Schwellenländer: Ausländische Investoren ziehen 27 Milliarden Dollar ab
Im Mai flossen netto fast 27 Milliarden Dollar aus Schwellenländer-Portfolios ab – die April-Erholung kehrt sich teilweise um.

Ausländische Investoren haben im Mai netto 26,6 Milliarden Dollar aus Anleihen und Aktien der Schwellenländer abgezogen. Das geht aus Daten des Institute of International Finance (IIF) hervor. Damit kehrte sich die starke Erholung vom April – damals waren noch Zuflüsse von 70,6 Milliarden Dollar verzeichnet worden – teilweise um. Die Schwankung im Monatsvergleich betrug damit beträchtliche 97,2 Milliarden Dollar.
„Die Schwankung im Monatsvergleich war mit 97,2 Mrd. beträchtlich und zeigt, dass die Wiedereröffnung im April nicht zu einer geradlinigen Normalisierung der Kapitalflüsse führte", sagte Jonathan Fortun, leitender Ökonom beim IIF. Der Trendwechsel wurde fast ausschließlich durch Aktienverkäufe getrieben, während Rentenmärkte widerstandsfähiger blieben.
Aktienverkäufe dominieren – Asien im Fokus
Die Aktienabflüsse beliefen sich im Mai auf 37,0 Milliarden Dollar, während Rentenpapiere Nettozuflüsse von 10,4 Milliarden Dollar verzeichneten. Die Schwellenländer Asiens trugen mit Netto-Portfolioabflüssen von 31,6 Milliarden Dollar den Löwenanteil – das übersteigt sogar den Gesamtabfluss für alle Schwellenländer zusammen. Lateinamerika, die europäischen Schwellenländer sowie der Nahe Osten und Nordafrika blieben hingegen im positiven Bereich.
Besonders stark betroffen war Südkorea: Anleger zogen dort 27,9 Milliarden Dollar aus dem technologielastigen Aktienmarkt ab, der als Gradmesser für die Marktstimmung rund um KI-Engagements gilt. Indische Aktien verloren 4,9 Milliarden Dollar, brasilianische Titel 2,9 Milliarden Dollar. Aktien außerhalb Chinas verzeichneten zwischen März und Mai sogar Abflüsse von mehr als 113 Milliarden Dollar.
China bildete eine Ausnahme im negativen Gesamtbild: Chinesische Aktien zogen Nettozuflüsse von 8,1 Milliarden Dollar an, während bei chinesischen Anleihen Abflüsse von 4,3 Milliarden Dollar zu Buche standen.
Steigende US-Zinswetten erhöhen die Hürden
Als Belastungsfaktoren nennt das IIF den Marktausverkauf Anfang Juni, der auf stärker als erwartet ausgefallene US-Arbeitsmarktdaten folgte. In Kombination mit höheren Energiepreisen und zunehmenden Wetten auf eine Zinserhöhung der US-Notenbank Federal Reserve haben diese Entwicklungen die Investitionshürden für Schwellenländer spürbar erhöht.
„Robustere US-Arbeitsmarktdaten, erhöhte Energiepreise und ein erneutes Inflationsrisiko erhöhen die geforderte Mindestrendite für EM-Durationen und Aktienrisiken, insbesondere dort, wo Außenwirtschaftsbilanzen oder die Glaubwürdigkeit der Politik bereits infrage gestellt werden", so das IIF. Für deutsche Anleger mit Schwellenländer-Exposure bedeutet dies ein erhöhtes Umfeld aus Währungsrisiken und Kapitalflussvolatilität.
Die Rentenmärkte erwiesen sich als deutlich stabiler: Schwellenländer exklusive China zogen bei Anleihen Zuflüsse von 14,7 Milliarden Dollar an. Investoren bevorzugten dabei weiterhin Länder mit relativ hohen Realrenditen und glaubwürdigen politischen Rahmenbedingungen.
Jahresbilanz bleibt positiv – aber Risiken wachsen
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Zur AktienanalyseTrotz des schwachen Maimonats bleibt die Jahresbilanz für Schwellenländer insgesamt positiv. Seit Jahresbeginn verzeichneten Aktien und Anleihen der Schwellenländer Nettozuflüsse von 132,5 Milliarden Dollar – das entspricht fast der Hälfte des Gesamtwerts des Vorjahres, wobei Anleihen den Löwenanteil ausmachten.
IIF-Ökonom Fortun betonte jedoch, dass die Lage differenziert zu betrachten sei: „Die Daten zu den Anleihen verhindern, dass der Mai zu einer reinen ‚Risk-off'-Geschichte wird. Der Marktzugang ist nicht versperrt und Carry-Trades spielen weiterhin eine Rolle." Lokalwährungsanleihen würden dort gestützt, wo die Realzinsen hoch und die Glaubwürdigkeit der Geldpolitik intakt seien. Hartwährungskredite profitierten weiterhin von Kuponerträgen und der Nachfrage nach Rendite.
Das IIF warnte dennoch, dass höhere Ölpreise, steigende Renditen von US-Staatsanleihen und erneute Inflationssorgen die Risikobereitschaft der Investoren zunehmend belasteten. Für Anleger in Schwellenländern bleibt das Umfeld damit anspruchsvoll und selektives Vorgehen entscheidend.


