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SoftBank-Chef Son: KI entwirft nächstes OpenAI-Modell selbst

Masayoshi Son sieht in der selbstständigen Modellentwicklung ein Zeichen für das Erreichen von Superintelligenz – Anthropic warnt gleichzeitig vor Kontrollverlust.

SoftBank-Chef Son: KI entwirft nächstes OpenAI-Modell selbst

SoftBank-CEO Masayoshi Son hat in einem Interview mit CNBC eine bemerkenswerte Aussage über den aktuellen Stand der Künstlichen Intelligenz gemacht: Das nächste Modell von OpenAI werde von einem anderen KI-Modell entworfen. Son wertet dies als Zeichen dafür, dass die KI eine sogenannte „Superintelligenz" erreicht habe. Der Milliardär und Technologieinvestor beruft sich dabei auf Gespräche mit OpenAI-CEO Sam Altman sowie Ingenieuren des Unternehmens.

Son leitet SoftBank, einen der weltweit größten Technologieinvestoren und einen der bedeutendsten Anteilseigner von OpenAI. Das Unternehmen ist zudem über den Chipdesigner Arm sowie Investitionen in Robotik und autonomes Fahren tief im KI-Boom verankert. Sons Aussagen haben damit besonderes Gewicht – er spricht nicht nur als Beobachter, sondern als zentraler Akteur der globalen KI-Industrie.

Ein Sprecher von OpenAI lehnte eine direkte Stellungnahme zu unveröffentlichten Modellen ab, verwies jedoch auf bestehende Bereiche, in denen das Unternehmen bereits KI bei der Modellentwicklung einsetzt. Im Februar hatte OpenAI erklärt, dass GPT-5, 3-Codex sein „erstes Modell war, das maßgeblich an seiner eigenen Erstellung beteiligt war". Das Team hinter Codex habe „frühe Versionen genutzt, um das eigene Training zu debuggen, die eigene Implementierung zu verwalten und Testergebnisse sowie Evaluierungen zu diagnostizieren".

Sons Vision von Superintelligenz

Sons Kommentare sind Teil einer umfassenderen Debatte über „Artificial Super Intelligence" (ASI). Den Begriff hatte er bereits im Jahr 2024 geprägt und als eine KI beschrieben, die 10.000-mal intelligenter als der Mensch ist. Damals prognostizierte er, dass ASI in zehn Jahren Realität sein werde – ein Zeitplan, den er im aktuellen Interview relativierte: Er habe „versucht, konservativ zu sein, da die Menschen sonst schockiert wären".

Der SoftBank-Chef gab außerdem an, ChatGPT von OpenAI derzeit zwei bis drei Stunden täglich zu nutzen, weil die KI ihm in den „meisten Themenbereichen" überlegen sei. In den nächsten Jahren werde die KI in etwa 70 bis 80 Prozent der Fachgebiete klüger sein als der Mensch. In jenen Bereichen, in denen sie die menschliche Intelligenz übertrifft, „könnte sie zehnmal klüger sein als der Durchschnittsbürger", so Son gegenüber CNBC.

Son zieht dabei einen historischen Vergleich: Die KI-Revolution sei 50-mal größer als die Dotcom-Revolution der 2000er-Jahre. Diese Einschätzung unterstreicht, wie fundamental er den laufenden technologischen Wandel bewertet – und wie stark SoftBank strategisch auf diesen Wandel ausgerichtet ist.

Anthropic warnt vor Kontrollverlust

Sons optimistische Aussagen fallen zeitlich zusammen mit einer deutlichen Warnung des KI-Unternehmens Anthropic. In einem Blogbeitrag thematisierte Anthropic die sogenannte „rekursive Selbstverbesserung" (RSI) – ein Trend, bei dem ein KI-System „in der Lage ist, seinen eigenen Nachfolger völlig autonom zu entwerfen und zu entwickeln". Anthropic entwickelt den KI-Chatbot Claude und gilt als eines der führenden KI-Sicherheitsunternehmen weltweit.

Während Anthropic positive Ergebnisse durch RSI nicht ausschloss, warnte das Unternehmen, dass eine „vollständige rekursive Selbstverbesserung auch das Risiko erhöhen könnte, dass Menschen die Kontrolle über KI-Systeme verlieren". Das Unternehmen betonte, dass eine koordinierte Anstrengung der KI-Labore zur Verlangsamung der Entwicklung dieser Technologie „wahrscheinlich eine gute Sache wäre" – eine Aussage, die in der Branche Aufmerksamkeit erregt.

Ob Sons Aussagen zur Modellentwicklung bei OpenAI direkt auf RSI abzielen, blieb im Interview unklar. Ein Forschungspapier von OpenAI vom Juni hielt jedoch fest, dass es in heutigen Systemen „erste Anzeichen" für rekursive Selbstverbesserung gebe. Die Debatte über Tempo, Kontrolle und Risiken der KI-Entwicklung gewinnt damit an Schärfe – und stellt Investoren, Regulatoren und die Öffentlichkeit vor grundlegende Fragen über die Zukunft der Technologie.

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